06.10.2014

„Zeit, um über das Wichtige nachzudenken“

Beim „kloster.mit.leben“ verbrachten junge Frauen und Männer ein Wochenende gemeinsam mit Franziskanerschwestern und -brüdern

Vor allem in den Abendstunden hatten die Teilnehmerinnen Zeit, sich mit den Schwestern individuell zu unterhalten und auch die ein oder andere persönliche Frage zu stellen. Foto: Franziska Sprenger

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Waldbreitbach/Hausen. „Ich sehnte mich einfach nach ein bisschen Ruhe“ – „Ich war neugierig auf die franziskanische Lebensweise“ – „Ich suchte eine Gemeinschaft, in der ich mich Gott nahe fühlen kann“… So unterschiedlich die Frauen und Männer beim „kloster.mit.leben“ waren, so unterschiedlich waren auch ihre Beweggründe, warum sie für ein Wochenende in ein Kloster eingezogen sind. Zu diesem besonderen Mitleben-Angebot hatten die Waldbreitbacher Franziskanerinnen und die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz in Hausen gemeinsam Anfang Oktober eingeladen, „um jungen Menschen eine kleine Auszeit von den täglichen Herausforderungen anzubieten“, wie es Schwester Jutta Maria Musker von der Ordensleitung der Waldbreitbacher Franziskanerinnen formulierte. Zusammen mit Bruder Matthias Equit von den Hausener Brüdern und anderen Mitschwestern hatte sie das Wochenende organisiert. Sieben Frauen waren drei Tage zu Gast bei den Ordensschwestern auf dem Waldbreitbacher Klosterberg, zwei junge Männer lebten bei den Brüdern auf der anderen Seite der Wied. Das ist ein kleiner Fluss im nördlichen Westerwald, der zwischen den Mutterhäusern der beiden Gemeinschaften liegt, die zur gleichen Zeit gegründet wurden und eine ähnliche Spiritualität leben. Und die es beide als ihre Aufgaben ansehen, auch für junge Menschen da zu sein, ihnen Unterstützung anzubieten und Ordensleben für sie erlebbar zu machen.

Eine Teilnehmerin aus Essen hat bereits öfter in Waldbreitbach Exerzitien gemacht und wollte das Ordensleben noch einmal von einer anderen Seite erfahren. Eine andere kam aus Spabrücken und war Mutter von zwei Kleinkindern. Sie suchte etwas Abstand und Zeit für sich selbst. Wieder eine andere studiert Theologie in Fulda. Sie hat bereits Ordensgemeinschaften anderer Glaubensregeln kennengelernt und wollte sich nun auch einmal auf die franziskanische Lebensweise einlassen. Sie lebten gemeinsam mit den Ordensleuten in verschiedenen Konventen. Hier war vor allem in den Abendstunden Zeit, sich mit den Schwestern und Brüdern individuell zu unterhalten und auch die ein oder andere persönliche Frage zu stellen.

Das Wochenende stand ganz im Zeichen des Heiligen Franziskus, dessen Gedenktag am 4. Oktober die Klostergäste gemeinsam mit den Schwestern und Brüdern verbrachten. So feierten sie gemeinsam den Transitus, das traditionelle franziskanische Fest, das an den Übergang des Heiligen vom Tod zum ewigen Leben erinnert, und den Festtag selbst mit einem Gottesdienst und weiteren Gebetseinheiten im kleineren Kreis. Auch eine Pilgerwanderung stand auf dem Programm. Hier hatten die Gäste Gelegenheit den Gründerpersönlichkeiten der Gemeinschaften – der seligen Mutter M. Rosa Flesch und Bruder Jakobus Wirth – nachzuspüren.

Jede und Jeder brachte seine eigene Geschichte in die Zeit im Kloster mit ein. Manche hatten Schicksalsschläge erfahren, andere zweifelten an ihrem bisherigen Lebensentwurf oder waren auf der Suche nach ihrer eigenen Spiritualität. Hier entwickelten sich zum Teil intensive Gespräche. Immer wieder gab es aber auch Zeiten, die die Teilnehmer ganz frei gestalten konnten. Für die meisten waren diese Stunden ganz besonders wertvoll. Denn hier hatten sie die Möglichkeit, still zu werden und in sich selbst hineinzuhören – ob in der Klosterkirche, im eigenen Zimmer oder in der idyllischen Natur rund um das Wiedbachtal.

Endlich einmal bewusst im Jetzt leben und nicht immer schon das Kommende im Kopf haben – das sei ihr an diesem Wochenende im Kloster besonders gut gelungen, so eine Teilnehmerin. „Man hat Zeit, über das wirklich Wichtige nachzudenken“, fasste es ein anderer Teilnehmer in Worte. Alle nehmen viele Erfahrungen am Ende des Wochenendes mit auf den Nachhauseweg. Und die meisten sind sich heute schon sicher: Sie wollen bald noch einmal wieder kommen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch