16.03.2015

„Die Lampe Gottes wird nicht verlöschen“

Die Besucher der Waldbreitbacher Impulse diskutierten „weltgewandt und himmelwärts“

Die jungen Schwestern Schwester Marina Buding, die im kommenden Jahr ihre Ewige Profess feiern wird, Novizin Schwester Diane Tobossi und Schwester Dorothea-Maria Slabschie (von links), die nur einen Tag zuvor ihre zeitliche Profess erneuerte hatte, erzählten Moderatorin Schwester Dr. Emmanuela Kohlhaas, Priorin der Benediktinerinnen Köln-Raderberg, von ihren Berufungen. FOTO: Anja Loudovici

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Waldbreitbach. Mut, Begeisterung, Zuhören, offen sein, Zeugnis geben, … mit diesen und noch vielen weiteren Begriffen brachten die Teilnehmer die Waldbreitbacher Impulse auf den Punkt. Vorausgegangen war die Frage und Bitte der Moderatorin Schwester Dr. Emmanuela Kohlhaas, Priorin der Benediktinerinnen Köln-Raderberg, mit einem Wort zu beschreiben, wie die Teilnehmer am Ende der Veranstaltung die Ordensgemeinschaften wahrnehmen und was sie ihnen für die Zukunft mitgeben wollen. Thema der Waldbreitbacher Impulse, die es bereits 2000 bis 2007 gegeben hatte und die letztes Jahr wieder ins Leben gerufen worden waren, war „weltgewandt und himmelwärts – Ordensleben heute“. Dazu waren eine Reihe namhafter Interviewpartner eingeladen: Bischof Dr. Stephan Ackermann und der Neuwieder Landrat Rainer Kaul, verschiedene Ordensleute, Vertreter der Caritas, weltliche Mitarbeiter und assoziierte Mitglieder der Waldbreitbacher Franziskanerinnen. Gemeinsam mit den Moderatoren Theo Strauch, Logopäde und Stimmtrainer, und Schwester Emmanuela gingen sie der Frage nach, was das Ordensleben heute ausmacht und was Ordensgemeinschaften der Gesellschaft und der Kirche geben können.

Zum „warm werden“ und um ins Thema einzusteigen, baten die Moderatoren Interviewpartner und Teilnehmer, sich in der Mitte des Raumes auf einer imaginären Skala aufzustellen: Am Pol von Moderator Strauch war 100 Prozent Ordensleben, am Pol von Schwester Emmanuela 100 Prozent weltliches Leben. Mit kurzen Fragen, warum sie ihre entsprechende Position auf der Skala gewählt hätten, war man dann auch schon mitten im Thema. So erzählte Margit Haas, die assoziiertes Mitglied bei den Waldbreitbacher Franziskanerinnen ist, dass sie zwar ein weltliches Leben als Mutter und Großmutter gewählt habe, aber ihre andere Seite gern Ordensfrau wäre. „Jeder von uns hat eine weltgewandte und eine himmelwärts gerichtete Seite“, griff Schwester Emmanuela dieses Statement auf und gab diese Frage an die Interviewpartner weiter.

So beschrieb Bischof Ackermann, dass er für seine Aufgaben eine „heilige Gerissenheit“ benötige. Er müsse beispielsweise weltmännisch sein, wenn er mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft zusammentreffe. Dennoch ist ihm die Nachfolge Jesu immer wichtig. „Die Welt ins Gebet nehmen“, so erklärte Schwester Scholastika Jurth, Generalpriorin der Dominikarinnen Koblenz-Arenberg, ihre Position zwischen weltgewandt und himmelwärts. Dr. Birgit Kugel, Direktorin des Diözesan-Caritasverbandes Trier, ist es als weltliche Angestellte des Bistums wichtig, ihr Christ-Sein zu leben und dafür Sorge zu tragen, dass das christliche Profil ihres Verbandes spürbar bleibt.

Um Christ-Sein, um die Aufgaben und Relevanz der Ordensgemeinschaften für die Gesellschaft und die „verfasste Kirche“, wie es Schwester Edith-Maria Magar, die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, ausdrückte, ging es in der Diskussion mit dem Plenum. So ist Bischof Ackermann dankbar für „die heilige Unruhe“, die die Orden in die Kirche bringen. Schwester Scholastika mache sich große Sorgen, wie es in den Pfarreien weiter gehen kann und fragte, ob Ordensgemeinschaften sich nicht auch stärker dort einbringen sollten. Altabt Benedikt Müntnich von der Benediktinerabtei Maria Laach sieht in der Glaubensauthentizität von Ordensleuten eine große Chance für Ordensgemeinschaften.

Das greift eine weitere Frage auf, der die Impulse nachgingen: Inwiefern ist Ordensleben heute noch zeitgemäß? Dazu baten die Moderatoren einige Interviewpartner, von ihrer Berufung zu berichten: Bischof Ackermann ereilte seine Berufung, als er fürs Abitur lernte. Dass er Theologie studieren wollte, war ihm damals bereits klar. Um sich zu erkundigen rief er in Trier an. Die Sekretärin fragte ihn, ob er denn auch ins Priesterseminar wolle und er schon mit dem Regens, dem Leiter des Priesterseminares, gesprochen habe. Auf seine etwas zögerliche Antwort stellte sie ihn kurzerhand zum damaligen Regens durch. „So bin ich also Priester geworden“, erinnert er sich lachend. Schwester Edith-Maria bekam ihre Berufung in einer Tanzveranstaltung im Pfarrheim bei dem Schlager „Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an“. „Da merkte ich, dass etwas mit mir passiert, was ich nicht geplant hatte“, blickt sie zurück. In ihrer Ausbildung zur Krankenschwester wurde dieser Ruf stärker. „Und nun fange ich immer etwas an einem Sonntag an“, ist die Generaloberin dankbar. Von ähnlichen Erlebnissen berichten auch die anwesenden jungen Schwestern Schwester Marina Buding, die im kommenden Jahr ihre Ewige Profess feiern wird, Schwester Dorothea-Maria Slabschie, die nur einen Tag zuvor ihre zeitliche Profess erneuerte hatte, und Novizin Schwester Diane Tobossi.

„Die Zukunft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen sitzt also schon unter uns“, freute sich Moderatorin Schwester Emmanuela und gab dann die Frage an die Interviewpartner und Teilnehmer weiter, wie denn die Ordenslandschaft wohl im Jahr 2050 aussehen wird. Bischof Ackermann ist sich sicher, dass es Ordensgemeinschaften immer geben wird, aber sicher in anderen Formen: „Die kirchliche Landschaft wird pluraler und es wird ziemlich anders“. Auch Schwester Edith-Maria ist sich sicher, „dass die Lampe Gottes nicht erlöschen wird“. Sie und ihre Gemeinschaft vertrauen auf das Wirken Gottes „und daraus wird viel Neues entstehen.“

Weitere Bilder zu den Waldbreitbacher Impulsen finden Sie in der Bildergalerie.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch