30.03.2015

Sie könne gut zuhören, sagte man ihr, und sei wertschätzend

Schwester M. Michaele Rohde steht in der Geistlichen Begleitung Menschen zur Seite, die Gottes Wirken im eigenen Leben entdecken wollen

Manche Menschen, die Schwester M. Michaele begleitet, empfängt sie alle vier bis sechs Wochen in ihrem Büro im Neuwieder Stadtteil Block. Andere fragen je nach Bedarf bei ihr nach einem Termin. FOTO: Franziska Sprenger

Neuwied. „Je mehr ich eine Ahnung davon bekomme, was Jesus mit dem Leben, der Liebe und der Wahrheit gemeint hat, desto deutlicher wird mir, wie viel ich noch lernen muss“. Auch nach über 20 Jahren Erfahrung in der Geistlichen Begleitung fühlt sich die Waldbreitbacher Franziskanerin Schwester M. Michaele Rohde nach wie vor noch auf dem Weg. Dass sie sich selbst als Suchende empfindet, mag vielleicht das verbindende Element zwischen ihr und den Menschen sein, die bei ihr in Geistlicher Begleitung sind. Diese Menschen suchen häufig nach Wegen, um Gottes Wirken im eigenen Leben zu entdecken, wo und wie sie seinen Fußspuren folgen wollen und können. Dabei steht ihnen Schwester M. Michaele oft über mehrere Jahre hinweg zur Seite. Zeitweise begleitete sie bis zu 20 Menschen. Da sie heute noch viele andere Aufgaben im Orden wahrnimmt, sind die Begleitungen mittlerweile weniger geworden, aber nach wie vor sehr abwechslungsreich.

Schon als junge Frau wurde Schwester M. Michaele gerne angefragt, wenn es irgendwo Probleme gab. Sie könne gut zuhören, sagte man ihr, sie sei wertschätzend und verurteile niemanden. Diese Eigenschaften gehörten zu ihrem Wesen auch schon zu der Zeit, als sie noch keine Ordensfrau war. Als Lehrerin für Pflegeberufe kam ihr das sehr zugute – besser gesagt ihren Schülerinnen und Schülern. „Ich hatte ein Gespür dafür, wenn bei ihnen etwas im Argen lag, und viele vertrauten sich mir von sich aus an“, erinnert sie sich. Mit 34 Jahren (damals war sie bereits Ordensschwester) machte sie dann ihre Begabung zum Beruf und begann die Ausbildung zur Geistlichen Begleiterin. Diese umfasste Theologie und Exegese ebenso wie umfangreiches psychologisches Wissen. Natürlich nahmen auch Supervision und Gesprächsführung großen Raum ein.

Ihre jüngste Klientin ist erst 22, die Älteste bereits über 70 Jahre alt. Sie lernten, wie die meisten anderen auch, Schwester M. Michaele durch Empfehlungen von Freunden oder Bekannten kennen. Manche kommen alle vier bis sechs Wochen zu ihr, andere vereinbaren immer dann einen Termin, wenn sie Bedarf haben. Die meisten bleiben aber über Jahre hinweg mit Schwester M. Michaele in Kontakt. So hat sie eine Zeit lang eine berufstätige Mutter mit drei kleinen Kindern begleitet, die sich nach mehr Spiritualität in ihrem Alltag sehnte. „Gemeinsam gingen wir dann Fragen auf den Grund wie: Welche Werte setze ich für mich? Wo hat Gott seinen Platz in meinem Leben und wo bin ich bereit, ihm einen festen Platz zu geben?“, erklärt Schwester M. Michaele. Für die junge Mutter hat sich herausgestellt, dass sie sich in Exerzitien und Zeiten der Stille Gott besonders nahe fühlt, und dafür schafft sie sich nun regelmäßige Freiräume.

Jede Begleitung verläuft individuell, die Bedürfnisse der Menschen sind höchst unterschiedlich. Um hier noch mehr auf sie eingehen zu können, hat Schwester M. Michaele sich zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und zur Gestalttherapeutin weitergebildet. „Manchmal wird den Menschen in der Geistlichen Begleitung klar, dass sie eigentlich eine therapeutische Begleitung benötigen, beispielsweise wenn sie mit einem autoritären Vater aufgewachsen sind, der seine Liebe an gute Leistungen gekoppelt hat“, erklärt sie. Manchmal zeige sich eine solche problematische Biographie auch im eigenen Gottesbild. Wenn sie einverstanden sind, kann Schwester M. Michaele den Menschen dabei helfen, solche und ähnliche Blockaden erst zu lösen, bevor sie die eigentliche Geistliche Begleitung fortsetzen. So möchte die Ordensfrau ihnen neue Wege und Sichtweisen eröffnen und ihnen häufig genug zu einem wertschätzenden Selbstbild verhelfen.

Ob in der Geistlichen Begleitung, in der Therapie oder in den Ausbildungskursen zur Exerzitienleitung (diese Qualifikation hat sie nämlich auch) – Schwester M. Michaele ist sich stets bewusst: „Da wirkt jemand mit, Gott ist dabei, bei allem, was ich tue“. Für sie ist er der eigentlich Handelnde, für den sich einerseits ihr Klient, andererseits aber auch sie selbst öffnen möchten. Dieses Vertrauen, dass Gott ihr bei ihrer Aufgabe hilft, hat sich mit den Jahren entwickeln müssen. Es gab Zeiten, da litt sie unter Selbstzweifeln, ob sie ihrer Verantwortung auch gerecht werden könne. Gott aber immer fest an ihrer Seite zu wissen, das empfinde sie als echtes Geschenk, das sie an jeden weitergeben möchte, mit dem sie arbeitet.

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch