Predigt von Richard Baus zum 1. Adventssonntag im Lesejahr A

Röm 13, 11-14  
Mt 24, 37-44

 
Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was dieser Stuhl da vor dem Altar soll.

Nun, in meinem Flur zu Hause steht auch solch ein Stuhl.

Er ist leer.

Und er steht dort, um einem Gast, der mich besucht, die Möglichkeit zu bieten, beim Ankommen, seine Tasche dort abzustellen, während er sich den Mantel auszieht; sich selbst dort hinzusetzen, wenn er sich noch einmal die Schuhe neu binden will, oder ganz einfach einen Moment zu rasten, nachdem er die vielen Stufen hinaufgegangen ist.

Ein Stuhl – für einen Gast. Ein Zeichen des Willkommens;

Ein Zeichen für meine Gastfreundschaft.

 
Nur manchmal passe ich nicht auf – und dann ist der Stuhl ganz schnell besetzt mit anderen Dingen:
Dann stelle ich meine eigene Aktentasche darauf ab;
dann lege ich die Hemden darauf, die ich gerade gebügelt habe oder ich deponiere dort sonst etwas, was ich gerade woanders hinbringen will – und was ich dann dort vergesse, weil mir dann doch was anderes eingefallen ist.
Und manchmal liegen die Sachen lange drauf…

Und wenn gerade dann jemand zu Besuch käme….?

Dann wäre dieser Stuhl alles andere als die Einladung, sich erst mal zu entlasten, erst mal alles aus den Händen zu legen – 

oder sich auszuruhen.

Er wäre nur der Beweis meiner Unordnung.

  
Und deshalb brauche ich hin und wieder jemanden, der mir sagt: Räum das doch mal weg!
Mach den Stuhl mal wieder frei! 

Wenn jetzt jemand kommt, dann sieht er sofort.
Da ist gar kein Platz für ihn. Auf mich hat niemand gewartet.

 
Räum mal wieder auf!
So etwas Ähnliches klang da eben im Paulusbrief und im Evangelium an:
Mach mal wieder Platz!  Da kommt nämlich jemand. Man weiß zwar nicht genau, wann er kommt. Aber er kommt.
Und wenn er kommt, dann sollte auch  alles bereit sein.

Seid also wachsam! Haltet euch bereit!

 
Liebe Schwestern und Brüder,

das ist der Ruf des Advents. Ein Ruf, der uns daran erinnert:

Da kommt einer. Der, auf den wir warten.
Wir wissen nicht genau, WANN er kommt. Aber wir wissen genau, DASS er kommt.

Und wir wissen auch genau, WER da kommt: Nämlich der Herr, der Menschensohn.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

dieser Menschensohn, der da in seiner Herrlichkeit kommen wird – zusammen mit den Engeln, die dann alle Menschen vor ihm versammeln, den nennen wir auch den „Weltenrichter“.
Und diesen Tag, an dem das geschieht, zu dem sagen wir: Das ist der Jüngste Tag. Und an dem, so hat man es uns gelehrt, findet das Jüngste Gericht statt.

Und wir alle wissen, wie es bei einem Gericht zugeht:
Da wird nach der Schuld gefragt – Da wird die Schuld festgestellt  und dann wird gerichtet, gerichtet und bestraft. 

Und wer geht schon davon aus, dass er ohne Schuld ist?!
Wer muss da nicht Angst haben, bestraft zu werden.

Aber vielleicht geht es bei diesem Jüngsten Gericht doch ein bisschen anders zu als auf einem Amtsgericht.
Denn im Paulusbrief hieß es gerade eben: Wenn all das geschieht, wenn dieser Jüngste Tag kommt, dann ist uns das Heil nahe, näher als irgendwann sonst.

Ein Richter, der Heil bringt.

Einer der nicht einfach richtet und hin-richtet, sondern auf-richtet.

Einer, der nicht einfach nur Recht spricht, sondern der wieder ins Recht setzt.

Einer, der sich nicht damit abfindet, die Bösen in die Hölle und die Guten in den Himmel zu schicken, sondern der nach Wegen sucht, dass alle ins Heil kommen;

dass die Schuldigen von ihrer Schuld frei werden – und die Heiligen so viel Heil in sich tragen, dass sie den Schuldigen vergeben können.

Ein Gott, der nicht aufs Strafen festgelegt ist, sondern der die Freiheit hat, zu vergeben, zu heilen – und all das wieder gut zu machen, was wir Menschen schlecht gemacht haben.

Ein Richter, der nicht nur um das Recht und die Gerechtigkeit weiß, sondern der auch voller Erbarmen ist.

Ja, wenn all das geschieht, dann ist uns das Heil nahe!

Daran will uns dieser Advent erinnern: Da kommt das Heil.

Der, der uns dieses Heil bringen will, der hat sich schon auf dem Weg gemacht; auf den Weg zu uns.
Und deshalb sollen wir auf ihn warten.

Und genau das will uns dieser leere Stuhl sagen: Da kommt noch einer,
da kommt der, auf den es letztlich ganz alleine  ankommt.

Und für den wollen wir einen Platz freihalten.

Und die Schrift heute lädt uns ein: Passt einfach auf, dass der Stuhl nicht besetzt ist; nicht besetzt mit allen möglichen anderen Dingen, die nur den Platz verstellen, 

sondern dass er frei bleibt für IHN.

Und er so einen Platz hat bei Euch -

mit seinem Heil und mit seiner grenzenlose Liebe.
 

Amen
                   (Idee nach Martin Lörsch, in PAULINUS 1. Adventssonntag 2016)

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch