Predigt von Richard Baus zum 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 9,36 - 10,8

 
Liebe Schwestern und Brüder,

PERSONALMANGEL, das ist wohl nicht erst ein Problem der Kirche unserer Tage; das hat es wohl auch schon zur Zeit Jesu gegeben. Zumindest können wir das aus dem heutigen Evangelienabschnitt herauslesen:

Da sieht sich Jesus einer immer größer werdenden Menschenmenge gegenüber, die Hilfe braucht. Diese Menschen, die zu ihm kommen, sind wie Schafe sind, die keinen Hirten haben. 

Und Jesus hat Mitleid mit ihnen; er will ihnen helfen, für sie da sein ---- aber alleine schafft er das wohl nicht mehr. Er braucht Hilfe, Helfer. ------
Und so ruft er die Zwölf zu sich und überträgt ihnen Aufgaben;
er macht sie zu seinen Mitarbeitern.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Jesus das sehr konkret macht:
Nicht nach dem Motto: „Da müsste man unbedingt mal...“ oder
„Irgendeiner sollte vielleicht mal was tun“.
Nein, er ruft diese Zwölf bei ihrem Namen. Er sagt ihnen auf den Kopf zu, dass er sie braucht.

Und er gibt ihnen auch einen genauen Auftrag: Er sagt ihnen, was sie nicht tun sollen, damit sie sich auch nicht verzetteln, nicht überall hinrennen ----

Aber er sagt ihnen vor allem, was sie unbedingt tun sollen:
Verkünden und heilen.
Sie sollen die Frohe Botschaft verkünden, dass das Himmelreich nahe ist, vor der Tür steht, dass es schon so nahe ist, dass man dran fühlen kann.

Und er sagt auch, wie es sich anfühlt, dieses Himmelreich:
Es fühlt sich heil an...
Es macht gesund. 
Da, wo das Himmelreich hinkommt, dort finden Menschen wieder zum Leben.

Wo das Himmelreich angebrochen ist, da gibt es keinen Aussatz mehr, da wird keiner mehr rausgesetzt, keiner mehr rausgedrängt aus einer Gemeinschaft, keiner mehr isoliert – nur weil er vielleicht anders lebt als die anderen, anders denkt und anders ist.

Diese Himmelreich ist so angefüllt mit Heil, dass dort, wo es anbricht, auch kein Platz mehr für Dämonen ist, das heißt, da ist kein Platz mehr für das Böse.

 
Liebe Schwestern und Brüder

Wo dieses Reich Gottes verkündet wird und wo es hingetragen und hingebracht wird – da verändert sich etwas, da verändert sich die Welt. Und das ist das Ziel Jesu.

Wir können wohl sagen: In diesem kurzen Abschnitt beschreibt Jesus die Kernkompetenz der Kirche.
Das, was die Kirche tun und können muss, um wirklich seine Kirche zu sein:
Sie muss heil machen können. Sie muss Menschen so behandeln, dass sie gesund werden und sich aufrichten können. Dass keiner ausgeschlossen wird - und niemand zum Teufel gehen muss.

Eine Kirche, die keine Drohbotschaften verkünden soll, sondern eine Frohbotschaft.
Eine Kirche, die nicht krankmachen soll mit ihren Forderungen, sondern gesund machen mit ihren Verheißungen.
Und deren Himmel so weit und breit ist, dass er über jedem Menschen aufgehen kann. 

Und Jesus ruft nun Mitarbeiter, die das in die Welt hinaustragen; Menschen, die es genau so machen wie er - so dass das Reich Gottes auch durch sie spürbar wird. 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Sie sich erinnern: Da werden die „Zwölf“ genau mit Namen genannt, damit jeder weiß, wer sie sind.
Und wer sich in der Bibel ein bisschen auskennt, der wird wissen, dass die Zwölf alles andere als Heilige sind, sondern das sind Menschen mit Grenzen und Macken:
Menschen, die betrügen können und verraten,
die den Mund sehr voll nehmen und hinterher nichts davon halten.
Und die sogar, wenn es ernst wird, sagen können: Ich kenne diesen Menschen, diesen Jesus, überhaupt nicht.

Und die weglaufen, wenn ihr Herr ans Kreuz geschlagen wird, damit ihnen nicht Ähnliches passiert.

Und dennoch ruft der Herr gerade sie in seinen Dienst - weil andere gibt es nicht. Es gibt nur Menschen - Menschen, die Fehler machen, die an ihre Grenzen kommen und die versagen können.

Aber, und das gehört auch zur Frohbotschaft: Diese Menschen sind ja nicht alleingelassen mit dem großen Aufrtrag, sondern neben diesen Menschen gibt es ja auch noch IHN, den Herrn. Und wenn er jemanden sendet, dann lässt er ihn nicht allein, sondern dann gibt er dem Menschen seine Macht.
Die Vollmacht, seine Wunder auch wirken zu können.
Er schenkt ihnen seinen Heiligen Geist, der Leben schafft. Sonst können die Wunder ja gar nicht geschehen.
Das Einzige, was diese Menschen wirklich aus sich können, ist die Tatsache, dass sie sich rufen und senden lassen.
Dass sie mitmachen wollen und sich dem Herrn zur Verfügung stellen.
Aber alles andere, das muss der Herr tun. Denn das können sie nicht aus sich heraus. Und wir dürfen sicher sein: Er tut es - auch heute.

Personalmangel, so sagte ich eben.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

gehen wir doch mal davon aus, dass die Namensliste von damals gar nicht mit Judas von Iskariot aufgehört hat, sondern dass sie weitergeht.

Und vielleicht stehen heute ja schon längst auch unsere Namen in dieser Liste - Ihrer, und Ihrer, und meiner....
Und vielleicht wäre der Personalmangel in unserer Kirche heute ja gar nicht sooo groß, wenn wir nicht immer drauf warten würden, das „die anderen“ was machen - oder „die da oben“ ----
sondern wenn wir selbst mitmachen würden - im Reich Gottes. Wenn wir das tun würden, was uns möglich ist - mit Gottes Hilfe und Vollmacht.

Berufen dazu sind wir - seit unserer Geburt.
Mit Geist beschenkt auch - seit unserer Taufe und unserer Firmung.
Jetzt müssten wir nur mal versuchen, das Reich Gottes spürbar werden zu lassen...
mit der Barmherzigkeit und der Liebe, mit der Zärtlichkeit und der Freude, die der Herr uns zutraut - weil er sie uns doch schon längst anvertraut und geschenkt hat.

Wir retten sicher nicht die große Welt damit.
Aber vielleicht verändern wir unsere kleine Welt ein Stück:
unsere Familie, den Konvent, den Freundeskreis - oder ein kleines Stück in unserer Straße -
wenn dort, wo wir sind, ein Stück vom Himmelreich spürbar wird -

durch unsere Geduld, unsere Freundlichkeit, unsere Vergebungsbereitschaft und unsere Liebe.

 
Amen.

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch