Predigt von Richard Baus zum 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Verklärung des Herrn      
Mt 17, 1-9

Verklärung des Herrn, so steht über dem heutigen Fest.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Wort „Verklärung“ hat in unsrer Zeit nicht unbedingt einen positiven Klang. Wer Dinge verklärt, der stellt sie anders dar als sie sind; der bleibt nicht bei der Wahrheit, sondern der ist ein „Schönfärber“. Aber bei dem heutigen Fest geht es nicht um „Schönfärberei“, sondern um eben genau diese Wahrheit. Es will den Herrn nicht „verklären“, sondern „erklären“, d.h. Dieses Fest will uns zeigen, wer Jesus wirklich ist.

Und wer ist Jesus wirklich? Das Evangelium sagt: Er ist Gottes Sohn.

Liebe Schwestern und Brüder,

natürlich ist Jesus ein Mensch. Ein Mensch wie wir. Ein Mensch,  dem Leid und Not begegnen wird wie allen Menschen. Aber er ist auch Sohn Gottes.

Er kommt von Gott, um uns diesen Gott spürbar und erfahrbar zu machen.  Wer ihn sieht, der sieht Gott.

Und ich denke, genau das will uns das Bild des vom Licht strahlenden Jesus deutlich machen: Seine enge Verbindung mit Gott, mit dem, der das Licht ist.

Für dieses Bild gibt es ein Vor-Bild im AT.
Sie kennen diese Geschichte. Dort wird von Mose erzählt, der auf dem Sinai vor Gott steht. Und als er von diesem Berg wieder herunter-steigt, so sagt die Bibel, da strahlte die Haut seines Gesichtes Licht aus. Ein Licht, das nicht von ihm selbst kam, sondern von Gott, von der Begegnung mit Gott auf dem Sinai.
Und jeder, der Mose begegnete, wußte, dass er von Gott kam; dass Gott ihm begegnet ist.

Ein Mensch, der Gott ausstrahlt. Ein Mensch, dem man Gott ansieht - das erreicht in Jesus seinen Höhepunkt:
In Jesus leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf - mitten in unserer Welt.

Wer ihm begegnet, dem begegnet auch Gott – Gott mit seinem ganzen Heil. Gott mit seiner ganzen Liebe und seinem unendlichen Erbaren. Gott, der Heil und Leben bringt.

„Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Auf ihn sollt ihr hören!“ - so bekennt sich Gott deshalb nun zu ihm.

Liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein Moment, der den Petrus regelrecht umhaut. Ein Moment, den Petrus nie mehr in seinem Leben vergessen will.

Und deshalb will er gleich Hütten bauen. D.h., er möchte diesen wunderschönen Moment des Lichtes, den wunderschönen Moment der Erkenntnis festhalten. Das soll so bleiben!  Für immer uns ewig.
Und wer von uns könnte das nicht verstehen?!

Aber Jesus ruft ihn zurück in den Alltag.

Solche Momente kann man nicht machen und die kann man nicht festhalten. Aber man kann sie sich schenken lassen – um dann davon zu leben,
dann, wenn das Leben schwer wird.
Dann, wenn alles dunkel wird.
Dann soll man sich daran erinnern können, dass dieser Gott Licht und Leben ist - um so wieder Mut zu haben, Mut zum Leben.

Liebe Schwestern und Brüder,

deshalb ist diese Verklärungsgeschichte eine Mut-Mach-Geschichte.

Und sie steht hier bei Matthäus auch an einer ganz entscheidenden Stelle. Kurz danach, nach dieser Verklärung, dann wenn Jesus wieder ins Tal hinabgestiegen ist,  dann beginnt er mit seinen Weg nach Jerusalem – und das heißt: Er beginnt mit seinem Weg ans Kreuz, seinen Weg in den Tod – auf einem anderen Berg - dem Berg Golgotha.

Deshalb: Noch einmal Licht und Helligkeit - bevor es dunkel und bedrohlich wird.
Noch einmal Gottes-Gewissheit - bevor der Glaube hart auf die Probe gestellt wird.

Und so will Matthäus den Jüngern – und auch uns, liebe Schwestern und Brüder -, Mut machen: Wenn alles dunkel wird, dann erinnert euch an das Licht von Tabor.

Wenn Jesus wie ein Verbrecher ans Kreuz geschlagen wird, dann erinnert euch daran, dass er trotzdem der Sohn Gottes ist.

Und wenn ihr selbst weglaufen wollt vor lauter Angst und Verzweiflung, dann erinnert Euch, dass ihr dann zum Vater laufen dürft. Zum Vater, der auch zu jedem von euch sagt: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. An Dir habe ich Gefallen gefunden.

Denn vor jedem Golgotha gibt es immer schon einen Tabor – mit seinem Licht des Himmel und der Herrlichkeit Gottes,
die auch uns aufstrahlen werden.


Denn auch uns gilt die Erlösung.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch