Predigt von Richard Baus zum 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 14, 22-33

Liebe Schwestern und Brüder,

die Bibelfachleute sagen, dass dieses Evangelium mit dem Bild vom Boot im Sturm die Situation einer jungen Christengemeinde in der Frühzeit der Kirche beschreibt.

Der Wind bläst ihr hart ins Gesicht. Sie fühlt sich alleingelassen. Für die alten jüdischen Gemeinden sind sie Abtrünnige, die den rechten Weg verlassen haben. Da werden sie ausgegrenzt. Und die Griechen nehmen diese Christen nicht ernst wegen ihrer Botschaft vom gekreuzigten Herrn. Wie kann einer, der am Kreuz gelandet ist, Gott sein?! 
Zum Lachen.

Nein, leicht hat diese Gemeinde es nicht. Denn ihr Herr ist anscheinend nicht mit ihnen im Boot. Der ist in den Himmel aufgefahren. Wie soll das also weitergehen?!

Da versucht Matthäus ihnen Mut zu machen - mit diesem Evangelium, mit dieser Frohen Botschaft: Und seine Botschaft lautet: Ihr seid nicht allein auf diesem See. Ihr seid nicht allein in eurer Glaubensnot, sondern der Herr ist mit euch.
Wenn Euch das Wasser bis zum Hals steht, dann kommt er doch zu euch, um euch zu retten. 

Habt keine Angst. Fürchtet Euch nicht, so ruft Jesus ihnen zu als sie vor Angst aufschreien - vor Angst, weil dieser Herr so ganz anders auf sie zukommt, als sie es sich vorgestellt haben. Er geht über das Wasser. 

Liebe Schwestern und Brüder,

wer kann schon übers  Wasser gehen?! Niemand! Das wissen sie ganz genau. Aber nun dürfen sie eine ganz neue Erfahrung machen: Der Herr kann über das Wasser gehen, denn er ist doch Gottes Sohn. Und für Gott ist nichts unmöglich. Deshalb: Habt keine Angst. Fürchtet Euch nicht!

Fürchtet euch nicht. Das ist eine der typischen Botschaften unseres Neuen Testamentes. So künden es schon die Engel bei der Geburt dieses Jesus den Hirten. Fürchtet euch nicht! Denn vor Gott muß kein Mensch Angst haben, egal wie er auch in Euer Leben eintritt. Selbst wenn er so kommt, wie ihr es nicht erwartet habt.
Wenn dieser Gott kommt, dann immer nur um zu retten und zu heilen. Denn als Retter und Heiland ist er in unsere Welt hineingeboren worden als Kind von Betlehem - und das ist sein Erkennungszeichen: Dass er ein Retter ist. Retter und Heiland - und nicht Richter.

Und das darf auch Petrus am eigenen Leib erfahren, als er, spontan und impulsiv wie er ist, zu Jesus auf den See kommen will.

So lange er diesen Jesus im Blick hat, solange er auf diesen Jesus hört, kann auch er über das Wasser gehen. Aber sobald er sich mit den anderen Dingen beschäftigt, mit dem Wind und den Wellen - und nicht mehr mit dem Herrn, da geht er unter.

Und dennoch:  Auch hier ist der Herr wieder Retter. Auch hier ist er wieder Heiland:

Sofort faßt er Petrus bei der Hand und zieht ihn aus dem Wasser. Sogleich stellt er ihn auf die sicheren Planken des Bootes und er gebietet dem Wind und den Wellen, so dass sie sich legen und Ruhe einkehrt. Sofort, so sagt es die Schrift, und sogleich.

Liebe Schwestern und Brüder,

ja, die Botschaft, die diese Wunder-Erzählung für uns enthält, ist eine Frohe Botschaft.
Sie galt damals einer jungen Christengemeinde vor 2000 Jahren - und sie gilt auch unseren Gemeinden und Gemeinschaften von heute. Und sie lautet: Da ist ein Herr, der sich rufen läßt. Ein Herr, der sofort da ist, wenn seine Jünger ihn brauchen. Ein Herr, der mit uns im Boot sein will, damit er uns Retter und Heiland sein kann. Und wenn es sein muß, geht er dafür auch über das Wasser.

Deshalb fürchtet euch nicht und habt keine Angst,
auch dann nicht, wenn euer Lebens- und Glaubensschiff in Seenot gerät.

Denn dann er ist da - auch für uns.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch