Predigt von Richard Baus zum 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 16, 13-20
 

Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus geht es nicht gut dort in Cäsarea Philippi: Die Situation um ihn herum spitzt sich zu. Die führenden Leute im Volk stellen sich immer mehr gegen ihn, denn was er predigt, gefällt den Führern des Volkes nicht. Außerdem ist er als „Fresser und Säufer“ verschrien - und als Freund von Sündern und Dirnen.
Nein Israel ist nicht „sein Volk“. 

Daher wird es nötig, dass Jesus sich ein neues Gottesvolk beruft. Menschen, die denken wie er denkt und die handeln wie er handelt. Menschen, die ihn sehen, wie er wirklich ist und die hinter ihm stehen.
Dieser Jüngerkreis soll wohl die Mitte dieses Volkes sein. Und so fordert Jesus die Jünger regelrecht zu einem Bekenntnis zu ihm heraus.
Es genügt ihm nicht zu wissen, wofür die anderen ihn halten und was „man“ so über ihn erzählt, sondern er will wissen, wer er für diese Zwölf ist. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Wer bin ich für Euch? Was sagt Ihr?

Petrus ist es, der für alle antwortet: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. - Und das klingt so ganz anders als das, was die Leute sagen.
 

Liebe Schwestern und Brüder,

was der Evangelist dem Petrus da in den Mund legt, dass sind wirklich nicht seine eigenen Worte, sondern das ist das Glaubensbekenntnis der frühen Christengemeinde.
Deshalb dieser Satz: „Das haben dir nicht Fleisch und Blut offenbart, sondern mein Vater im Himmel“. So etwas kann man sich nicht ausdenken, sondern das kann man sich nur schenken lassen.
Und bis die junge Gemeinde zu diesem Bekenntnis kam, musste es erst einmal Ostern und Pfingsten werden;  da musste erst einmal Gott die Menschen mit seinem Geist erfüllen, dass sie zu einem solchen Urteil kommen. 

Aber diesem Petrus wird noch mehr geschenkt:
Aus Simon wird Petrus. Aus einem Fischer wird ein Fels. Der Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen will. Und diese Kirche wird so stark sein, dass nicht einmal die Mächte des Todes sie überwältigen können.

Auch so was kann ein Mensch nicht aus sich heraus „machen“,  sondern auch das muss er sich schenken lassen - von Gott --- auch ein Petrus, ein Felsen-Mann.

 
Liebe Gemeinde,

so wichtig dieser Petrus hier auch ist - ohne ihn ginge es offensichtlich gar nicht - so lässt der Herr jedoch keinen Zweifel daran, dass er selbst der „Baumeister“ ist. „...auf diesen Felsen werde ICH meine Kirche bauen“, sagt der Herr. Und deshalb ist es auch nicht die Kirche des Petrus, sondern die Kirche Jesu Christi.

Und das ist irgendwie doch sehr entlastend: Nicht Menschen müssen die Kirche bauen, sondern das macht der Herr.
Nicht Menschen sind die Herren der Kirchen, sondern das ist einzig und allein Jesus Christus.
Und deshalb müssen diese Menschen auch gar nicht immer perfekt sein und zweimal nicht unfehlbar. Und sie müssen auch nicht immer alles können. Sie dürfen sein wie Petrus, der schon mal mehr verspricht als er halten kann, der Rückzieher machen muss - und der sogar lügt, wenn es um sein eigenes Leben geht. „Ich kenne diesen Jesus gar nicht, so sagt er, als Jesus verhaftet wird.

Nein, das, was wirklich nötig ist, was die Kirche am Leben erhält und lebendig hält, das schenkt der Herr, das entspringt seiner Macht. 

Und deshalb singen wir ja auch: Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein.  Mit Jesus Christus steht und fällt sie. Und das darf die Kirche nicht vergessen. Auch nicht in unseren Tagen.

Und noch etwas darf sich Petrus schenken lassen: Die Schlüssel des Himmelreiches. Was er auf Erden bindet, das wird auch im Himmel gebunden sein. Aber: Was er auf Erden lösen wird, das wird auch im Himmel gelöst sein. Ja, Petrus darf auch lösen. Petrus muss nicht alles so lassen wie es mal gewesen ist, sondern er darf Türen aufschließen, die zu neuen Wegen führen - über alle Tradition hinaus. 

Und deshalb muss Petrus auch keine Angst haben, es zu tun. Er darf es und er soll es ja!
Und wenn der Herr der Kirche das nicht wollte, hätte er ihm diesen Schlüssel gar nicht anvertraut.

Wie schön, dass unser jetziger „Felsen-Mann“, Papst Franziskus,  anscheind den Mut hat, es zu tun, auch mal zu lösen --- barmherziger und liebevoller zu sein, als die Tradition es bisher vorgibt.
Auch wenn die, die päpstlicher sind als der Papst, gleich davon reden, das jetzt die Hölle schon ihre Pforten geöffnet hat, um die Kirche zu überwältigen.

Wem es da wohl an Glauben fehlt?! 

Denn wir haben doch eine Zusage. Die Zusage, dass die Kirche stärker ist als die Hölle, egal was passiert - und diese Zusage kommt vom Herrn der Kirche selbst.

Warum sollten wir daran zweifeln?!

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch