Predigt von Richard Baus zum 28. Sonntag im Jahreskreis, 15.10.2017

Jes 25, 6-10a   Mt  22, 1-14

Liebe Schwestern und Brüder,

da hat uns gerade die 1. Lesung ein grandioses Bild der Endzeit entworfen:

Ein riesiges Gastmahl mit den besten Speisen und den edelsten Weinen, bei dem es nur eines zu feiern gibt: Die Rettung -- die Rettung von Schmach und Tod,  die Rettung von allem Unheil und Bösen --

Eine Rettung, die nur einer vollbringen kann:  Gott!
Ein Gott, auf den man hoffen 
und auf den man sich verlassen kann. ----

So ruft der Prophet Jesaja einem Volk zu, das dabei ist, diese Hoffnung zu verlieren. Mit seinem Bild vom Festmahl will er ihnen Mut machen, damit sie in ihrer schwierigen Situation nicht aufgeben. Denn Gott sorgt für sein Volk.

Einige Jahrhundert später kann Jesus diese Jesaja-Vision aufgreifen und dem auserwählten Volk sagen:
Die Zeit des Wartens ist vorbei! Das Heil ist da! Es ist angebrochen! Ihr braucht nur noch zu kommen und euch an den Tisch zu setzen. Alles ist bereit für Euch!!

----- aber die Gäste kommen nicht.

Als der Evangelist Matthäus diese Zeilen schreibt, kann er ja schon zurückblicken auf die Zeit der jungen Kirche, auf die Zeit nach Jesus.
Und er muß feststellen: Das auserwählte Volk hat nicht auf Jesus gehört; sie sind nicht zu seinem Fest gekommen.

Kein Interesse. Wir haben das am vergangenen Sonntag bereits gehört.

Und deshalb sitzen jetzt ganz andere am Tisch

Heiden und Nichtjuden, Zöllner und Dirnen, Sklaven und Verachtete -- Sünder, wie man die damals gerne nannte.

Genau die, auf die die Frommen und Gerechten aus Israel zur Zeit Jesu immer von oben herab geschaut haben. Menschen, die man abgelehnt hat. Mit denen man nichts zu tun haben wollte – Und man war überzeugt: Mit denen will auch Gott nichts zu zu tun haben.

Aber Gott will mit ihnen zu tun haben.
Für sie will er da sein. Ihnen gilt seine besondere Liebe.

Und genau das haben diese Leute erkannt. Sie haben erkannt, das Gott ihnen Heil schenken will - und sie haben es angenommen.
Und so sind sie nun das neue Gottesvolk.

Liebe Schwestern und Brüder,

da sitzen jetzt Menschen, die genau wissen, dass sie ihre Hoffnung nicht auf sich selbst, nicht auf ihre Frömmigkeit und auch nicht auf ihre Verdienste setzen können --- sondern ganz allein auf Gott -

weil sie eben überhaupt nicht perfekt sind; weil sie noch lange nicht zu den „Heiligen“ gehören, sondern weil sie einen Helfer brauchen, einen Erlöser.

Und genau dieser Erlöser ist jetzt da, Jesus Christus - und er lädt sie ein.

Und so ist der Hochzeitssaal voll --- mit Guten und --so unglaublich das auch klingen mag -- mit Bösen. Ja, Gott lädt alle ein. Niemand muss draussen bleiben.

 

Und dann kommt jene seltsame Geschichte von diesem einen, der ohne hochzeitliches Gewand erschienen ist.

Um diese Geschichte richtig verstehen zu können, muss man wissen, dass es im Orient bei den wirklich Reichen durchaus die Sitte gab, allen Gästen, die  man eingeladen hatte, auch noch ein Festgewand zu schenken, damit auch wirklich jeder mitfeiern konnte; damit niemand zu Hause bleiben mußte, weil er nichts Gutes zum Anziehen hatte.

Und da sitzt also nun einer, der dieses Gewand, dieses Geschenk nicht angelegt hat. Und als er gefragt wird, warum nicht, da weiß er nicht einmal etwas zu antworten.

Liebe Schwestern und Brüder,

da sitzt also einer, der vielleicht gar nicht böse ist, der vielleicht sogar zu den „Guten“ gehört, die da versammelt sind --- aber es ist einer, den es offensichtlich überhaupt nicht interessiert, was da passiert.

Er hat überhaupt kein Interesse an diesem Fest.

Ich denke, hier liegt der Punkt, auf den es dem Evangelisten ankommt.
Es geht ihm überhaupt nicht um die Unterscheidung von Gut und Böse, so wie wir das immer von Gott vermuten.

Nein, der Evangelist weißt auf etwas hin: Dass es anscheinend etwas viel dramatischeres für Gott gibt als eine Sünde.

Mit den Sündern kommt Gott zurecht. Sünden und Fehler, die kann Gott gut vergeben; das ist für Gott überhaupt kein Problem.

Aber das Problem sind jene, die kein Interesse haben an Gott; jene, für die Gott ganz egal ist und die sich von Gott nichts schenken lassen wollen, keine Erlösung, kein hochzeitliches Gewand, nichts... Menschen, die meinen, sie brauchten Gott nicht.

Spüren Sie das, liebe Schwestern und Brüder:
Es kommt wohl gar nicht so sehr darauf drauf an, ob wir etwas mal falsch gemacht haben; bei Gott zählen anscheinend nicht die Sünden; denn wie gesagt, Sünden sind für Gott kein Problem. Er kann vergeben. Er ist  barmherzig.

Aber was bei ihm zählt, das ist unser Interesse an seinem Fest, das ist unsere Liebe zu ihm.

Dass ist das Drame:  Wenn diese Liebe nicht da ist:

Wenn Gott Menschen erlösen will - und die interessiert das gar nicht.

Wenn Gott alles mögliche für uns tut - und wir bleiben bei unserem Alltag.
Wenn Gott alles getan hat, um uns zu schmücken, um uns schön zu machen in seinen Augen --- und wir ziehen das Gewand nicht an.

 

Liebe Schwestern und Brüder, 

da ist ein Gott, der nicht fordert, sondern er schenkt. Ein Gott, der am Ende unserer Tage nicht mit uns abrechnen will, sondern der mit uns feiern will.

Aber was ist, wenn wir Menschen gar kein Interesse haben an diesem Gott. 

 

Ich denke, das ist der Punkt, an dem wir jetzt mit ins Spiel kommen und wo dieses Evangelium auch mit uns zu tun bekommt.
Der Punkt, an dem dieses Evangelium uns fragt:

Wie sieht das denn heute morgen aus mit unserem hochzeitlichen Gewand?
Bei der Taufe haben wir es bekommen. Als wir noch ganz klein waren und uns noch wirklich nichts verdienen konnten, da hat Gott es uns bereits geschenkt.

Haben wir es angezogen?  Tragen wir es - voll Würde und Stolz? Oder haben wir es abgelegt? Kein Interesse!

Sitzen wir hier, weil wir uns freuen über unseren Gott und weil wir das mit ihm feiern wollen - oder machen wir das nur so aus Gewohnheit - freudlos?

Die Antwort kann über vieles entscheiden. 

Aber Gott gibt uns sicher die Zeit darüber nachzudenken - und was zu ändern .
Und dieses Evangelium ist für mich die Einladung, uns noch einmal auf die Suche zu machen ---- nach dem Kleid, das er uns damals geschenkt hat - dem Festgewand.

Auch wenn das vielleicht schon lange her ist --- ich bin sicher, es paßt immer noch, denn es wächst mit uns mit - weil auch seine Liebe zu uns immer noch weiter wächst.

Also:  Ziehn wir es an, voll Freude

und feiern wir mit ihm, unserem Gott, sein Fest.

Feiern wir seine Liebe.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch