Predigt von Richard Baus zum 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 22,15-21

 
"Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?" ---

  
Liebe Schwestern und Brüder,

diese Frage ist geschickt gestellt, pharisäisch geschickt. Egal wie Jesus sie beantworten wird, er wird sich damit schaden.

Sagt er JA - dann können sie ihn als rom- und kaisertreu bei den Juden ins schlechte Licht rücken --- sagt er NEIN, dann können sie ihn bei den römischen Besatzern als Feind des Kaisers denunzieren - und das wird ihm auch nicht gut bekommen.
Und wenn er nichts sagt, blamiert er sich.

Aber genau das wollen sie; denn sie wollen ja nicht wirklich einen Rat von Jesus, sondern sie wollen ihn ans Messer liefern.

Aber Jesus durchschaut ihr Spiel - Und er dreht den Spieß um.
Er kontert:

Die Antwort, die sie haben wollen, die tragen sie ja selbst in der Tasche: Die Geldmünze, mit der sie zahlen.
 

Liebe Schwestern und Brüder,

auf dieser Münze ist das Bild des Kaisers eingeprägt. Und jedes Kind weiß: Alles, was das Bild des Kaisers trägt, das gehört ihm; damit kann er machen, was er will.
Wenn also das Geld, die Steuermünze, sein Bild trägt, dann gebt ihm auch das, was ihm gehört.
So einfach ist das.

Aber dann geht Jesus weiter - und er bringt Gott ins Spiel. „Gebt aber auch Gott, was Gott gehört!“ so sagt er.

Und da wird es vielleicht doch schon etwas schwieriger.
 

Liebe Gottesdienstgemeinde,

an dieser Stelle muss nun konsequenterweise die Frage folgen: Wenn das Geld dem Kaiser gehört, was gehört dann Gott? Worauf ist denn das Bild Gottes eingeprägt?

Sind es die Kirchen, die Dome und Kathedralen?
Sind es die Kostbarkeiten aus Gold, die wir in unseren Kirchen bergen? 
Sind es die frommen Gebete und die Gottesdienste, die wir feiern?

Aber das meint Jesus wohl gar nicht.
Gott braucht nicht das Gold in unseren Kirchen. Gott braucht keine Kathedralen.
Sondern Gott will etwas anderes. Er will den Menschen.…. Es gibt nämlich nur einen, der das Bild Gottes trägt ---- und das ist der Mensch.

Denn der ist geschaffen -so sagt es uns die Bibel- "nach dem Bild und Gleichnis Gottes".

 
Liebe Schwestern und Brüder,

der Mensch trägt das Bild Gottes -- Der Mensch gehört Gott.

Aber vielleicht schluckt jetzt der ein odere andere und fragt bang:
Wenn der Kaiser unser Geld will - und Gott dann auch noch den Rest, uns selbst ---- wo bleiben wir da? Was ist mit uns selbst? Sind wir dann nicht total unfrei

Und ich denke, genau das ist der Punkt, um den es Jesus geht:
Um die Freiheit des Menschen.
Jesus will hier gar nicht den Besitzanspruch Gottes auf uns erheben, sondern er will den Menschen vor den vielen Kaisern der Welt schützen.
 

Liebe Schwestern und Brüder,

hier wird Jesus sehr politisch.
Wenn schon Geld und Macht dem Kaiser gehören – dann hört das aber beim Menschen auf.
Wenn der Kaiser auch auf vieles Anspruch haben mag, aber nicht auf den Menschen.
Weder auf das Herz eines Menschen, noch auf seine Seele. Nicht auf seine Gedanken, noch seine Liebe. Nicht auf sein Erbarmen und auch nicht auf seine Entscheidungen.
Wenn schon so vieles in der Welt den Kaisern gehört und so viele Machthaber meinen, sie könnten über alles bestimmen -- beim Menschen hört das auf! Denn der gehört Gott.

Und dieser Gott, dessen Bild wir tragen, ist eben anders als ein Kaiser. Er ist nicht Herrscher, sondern er ist ein liebender Vater.

Kein Gott, dem sich der Mensch jetzt auch noch unterwerfen muss, damit der dann auch noch zufrieden ist, sondern ein Gott, der alles für uns tun will, damit wir Menschen leben können, menschlich leben können.
Ein Gott, der nicht mit vollen Händen von uns Menschen nimmt, sondern einer, der mit vollen Händen schenkt.

Eine spannende Stelle im Evangelium ist das.
Jesus zieht mit seiner Ansage an die Pharisäer sozusagen die „rote Linie“: Bis hierher – und nicht weiter.
Hier am Menschen hört das Recht des Kaisers auf – und hier fängt die Freiheit an, die Gott schenkt.
Die Freiheit, die Gott dem Menschen schenkt --- damit der als Mensch leben kann; als freier Mensch und nicht als Knecht, nicht als Leibeigener.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Gott will keine Knechte. Und er will auch keine Leibeigenen. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern ich habe euch Freunde genannt“, so lässt der Evangelist Johannes Jesus sprechen.
Und damit zeichnet Jesus uns einen Gott, der so ganz anders als die viele Götzen, und so anders als so viele Herrscher, denen Menschen dienen müssen. Er ist ein Vater.
Dieser Gott will uns nicht beherrschen, sondern er will uns lieben.

Ein Gott, der uns sagt: Du Mensch, ich habe dich lieb. Ich liebe dich so wie du bist.
Und deshalb will ich dir nichts nehmen, sondern ich will dir alles schenken:
Meine ganze Liebe. 

Eine Liebe, die so groß ist, dass Du darin leben kannst - in Freiheit - und ohne Angst.

Eine Liebe, die Dir niemand nehmen darf, kein Kaiser und kein Herrscher dieser Welt.

Und immer, wenn du diese Liebe lebst, dann wird die Welt mich in dir erkennen.

 

Denn immer dann, wenn Du liebevoll bist, 

immer dann, wenn du gnädig und barmherzig bist,

immer dann, wenn du verzeihen und vergeben kannst;

und immer dann, wenn Du anderen hilfst, damit sie in Freiheit leben können, menschenwürdig und in Frieden,

immer dann trägst Du mein Bild.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch