Predigt von Richard Baus zum 3. Ostersonntag Lesejahr A

Joh  21,1-25   alternatives Evangelium

   
Liebe Schwestern und Brüder,

da haben wir gerade von den „nachösterlichen“ Jüngern gehört.
Sie sind wieder nach Galiläa an den See zurückgekehrt – so wie der Herr es ihnen nach seiner Auferstehung aufgetragen hat.
Aber es scheint, dass sie auch wieder in ihr altes Leben zurückgekehrt sind - denn sie gehen wieder fischen... So als habe es Jesus nicht gegeben, ihn nicht, ihre Berufung nicht - und auch keine Auferstehung von den Toten.  Von einem neuen Leben und von Oster-Erfahrungen ist da nichts entdecken. 

„Ich gehe fischen,“ so sagt Petrus - und seine ganze Resignation ist darin zu spüren. Eine Resignation, die anhält, denn sie fangen nichts. Sie arbeiten eine ganze Nacht, werfen ihre Netze aus, so wie sie es gelernt und immer gemacht haben, in einem See, auf dem sie sich ganz genau auskannten - aber ohne Erfolg.

Und als sie müde und enttäuscht wieder zurückfahren, steht einer am Ufer, der etwas zu essen haben will. „Wir haben nichts,“ so müssen sie traurig und müde bekennen.
Aber dann fordert sie dieser Mann am Ufer, den sie nicht erkennen, auf, das Netz auf der rechten Seite auszuwerfen.
  

Liebe Schwestern und Brüder,

ich weiß nicht, ob wir hier in unseren Breiten um die Zumutung wissen, die dieser Auftrag für die Jünger beinhaltet.  Sie sollen am hellen Morgen ein Netz auszuwerfen - und dann auch noch so nahe am Ufer. Dabei weiß jedes Kind dort am See, dass das sinnlos ist. Fische fängt man nur nachts - und nur mitten auf dem See.

Es ist schon seltsam, dass diese erfahrenen Fischer da überhaupt mitmachen.
Aber dann ist das Netz voll, so voll, dass sie es gar nicht mehr einholen können.
Erfolg also auf der ganzen Linie – und genau dort, wo niemand es erwartet und vermutet hätte. Wirklich ein Wunder!

    
Liebe Schwestern und Brüder,

eine Fischer-Geschichte. Aber vor allem eine Ostergeschichte. Eine Geschichte, die aufhorchen lässt.
Und wir dürfen davon ausgehen, dass diese Ostergeschichte wohl ganz gezielt für eine junge Christen-Gemeinde aufgeschrieben wurde, die es nicht ganz einfach hat – und die in der Gefahr steht, zu resignieren.
Vielleicht mühen sich die Christen dort auch vergeblich;
vielleicht haben diese Leute auch das Gefühl: Der Herr ist gar nicht da.
Eine Ostergeschichte, von der diese Gemeinde etwas lernen soll.
Was könnte das sein, was sie lernen soll?
Vielleicht soll sie lernen, dass sie immer mit dem Herrn rechnen darf; dass er da ist – auch wenn man ihn mit den Augen gar nicht erkennen kann. Aber: Er ist da. Irgendwo am Ufer, dann, wenn sie ihn braucht.

Diese Gemeinde soll lernen, so sensibel für den Herrn zu sein, dass sie ihn auch mit dem Herzen erkennt, wenn er am Ufer steht und sie ruft;
damit sie -wie dieser Johannes- zur Überzeugung kommt: Es ist der Herr, der da am Ufer steht. Er ist da, auch wenn wir es nicht für möglich halten und wenn wir ihn vor lauter Resignation und Mißerfolg gar nicht mehr wahrnehmen.
Ja, der Herr steht am Ufer und ruft uns; jeden Morgen, mitten in unserer Arbeit, und auch dann, wenn wir meinen, es sei uns wieder einmal alles misslungen.

Und vielleicht soll diese Gemeinde auch noch ein Zweites, ein noch Wichtigeres lernen: Dass sie sich nicht wundern darf, wenn ihr Herr Dinge von ihr verlangt, die sie bisher noch nie getan hat.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wie oft hören wir das, wenn wir mal was verändern wollen: „Das haben wir noch nie so gemacht! --- Wir haben es immer anders gemacht; so wie früher…“ Und dann bleibt alles beim Alten - und die Netze werden immer leerer.
Das haben wir noch nie so gemacht…… Das ist eine „Killerphase“ - weil dann wirklich alles beim Alten bleibt - und weil genau dann Gott keine Chance hat, etwas Neues entstehen zu lassen.
Aber wer mit dem Auferstandenen zu tun hat, der muss damit rechnen, dass alles anders wird als es bisher war.

Wer auf den Auferstandenen hört, der muss damit rechnen, dass der ganz neue Möglichkeiten hat - mit den Menschen, mit seiner Gemeinde, mit uns.

Wer den Auferstandenen um Hilfe bittet, der darf nicht damit rechnen, dass er genau so weitermachen kann wie er es immer schon gemacht hat, im alten Trott,  sondern dass unter Umständen jetzt etwas ganz anderes kommt.
Und dass mit einem Mal Dinge möglich sind und gemacht werden können -und gemacht werden müssen-, an die man nicht im Traum gedacht hätte.

Weil da ein Gott ist, für den der Tod nicht das Aus ist, sondern ein neuer Anfang; ein Gott, der dort erst so richtig anfängt, wo wir schon längst am Ende sind; ein Gott, der uns nachläuft und in unsere Erfolglosigkeit hineinruft: Versuch es noch einmal; versuch`s mal auf der anderen Seite, auf der rechten, der richtigen Seite; mach`s mal anders als du es immer gemacht hast - und lass mal neue Gedanken in deinem Kopf zu, neue Ideen, Gedanken, in denen nicht nur das zählt, was früher war, sondern wo das zum Tragen kommen kann, was der Herr will, was ER von Dir will.

Und was diese junge Christengemeinde damals lernen musste, ich denke, das müssen wir heute lernen: 

Sensibel zu sein für den Herrn, wenn er am Ufer unseres Lebens steht und uns ruft.

Darauf zu vertrauen, dass er uns nicht verlassen hat, wenn wir ihn mal nicht sehen;
und dass er uns schon sagt, was zu tun ist und was richtig ist, auch wenn es ganz verrückt klingt, weil wir es bisher ja immer anders gemacht haben. 

Denn mit dem Herrn bricht immer ein neuer Morgen an - und immer eine neue Chance.
Wir sind nicht dazu verurteilt, dass alles beim Alten bleibt, sondern dazu berufen, das Neue zu wagen - mit ihm ----

damit ER uns dann die Netze füllen kann.    

   
Amen

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch