Predigt von Richard Baus zum 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 23, 1-12

 
Liebe Schwestern und Brüder,

da kommen sie wieder einmal schlecht weg, diese Pharisäer. Dabei geben sie sich doch alle Mühe, fromm und gottesfürchtig zu sein und sie machen es sich wirklich nicht zu einfach.

Warum also diese scharfe Kritik im  Evangelium?

Nun, in diesen Pharisäern begegnen uns Menschen, die sich mit ihrer Frömmigkeit inszenieren; Männer, die sich mit Quasten und Gebetsriemen behängen, damit auch jeder sieht, was sie für tolle Leute sind --- und die sich entsprechend auch Lehrer und Meister nennen lassen.
Und weil sie glauben, Lehrer und Meister zu sein, glauben sie auch alles genau zu wissen: Was Gott will und was nicht. Welche Gebote Gott wichtig sind und worauf er besonders achtet. 

Und vor allen Dingen konnten sie streng und unbarmherzig sein. Denn sie wussten ja, wer ein Sünder ist und was einen Sünder vor Gott erwartet.
Und sie halfen Gott gerne beim Richten und Rechten.

Wie anders Jesus! Jesus predigt einen Gott, der sich überhaupt nicht beeindrucken lässt durch Gebetsriemen und Kleiderquasten, seien sie noch so breit und dick; 
Jesus verkündigt einen Gott, den man nicht „einwickeln“ kann durch noch so lange Gebete und besondere Frömmigkeitsübungen, und der sich auch nicht verpflichten lässt durch sogenannte „guten Werke“, mit denen man sich den Himmel kaufen will.
Nein, sein Gott schaut auf die Herzen der Menschen, auf das, was innen ist. Denn nur das ist ihm wichtig. 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

dort die Pharisäer, die jede Sünde verurteilen, verdammen und bestrafen wollen - und hier Jesus, der sich mit Sündern sogar an einen Tisch setzt und mit ihnen Mahl hält.

Dort jene, die glauben, sich den Himmel mit guten Werken und frommen Übungen erkaufen und erzwingen zu können  - und
die deshalb immer noch mehr Gesetze erfinden, noch mehr Gebote aufstellen, noch enger und unbarmherziger werden, um so die Menschen mit Gewalt in den Himmel zu bringen --

und auf der anderen Seite Jesus, der den Menschen diese schweren Lasten von den Schultern nehmen will - damit sie wegen dieser Lasten nicht krank werden - krank an Seele und Leib.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

Sie spüren, hier prallen verschiedene Gottesbilder aufeinander – und mit diesen Gottesbildern auch Welten.

Aber, so mag man fragen: Warum ist das so?
Warum kann Jesus vom ein und demselben Gott etwas so anderes verkünden als die Frommen seiner Zeit?

 

Nun, Jesus predigt so anders von Gott, weil er ein anderes Verhältnis zu Gott hat. Gott ist für Jesus nicht nur der Herr, sondern er ist ihm vor allem Vater.

Und Jesus weiß: dieser Vater will keine Opfer, sondern Barmherzigkeit; er will nicht, dass die Menschen ihn fürchten, sondern dass sie ihn lieben,

sie sollen keine Angst vor ihm haben, sondern sie sollen ihr ganzes Vertrauen in ihn setzen können - weil dieser Gott kein Richter ist, sondern ein Retter; ein Liebhaber der Menschen.
Und weil dieser Gott nicht will, dass wir Menschen uns durch irgendwelche frommen Quälereien selbst retten und erlösen müssen, sondern er kommt selbst, um uns zu erlösen. Er ist der Retter.

Denn die Rettung und das Heil, so haben wir es in dieser Woche am Allerheiligenfest gehört und gefeiert, die kommen ganz allein von Gott, der auf dem Thron sitzt 

und von dem Lamm, in dessen Blut wir reingewaschen sind.

Nicht wir retten uns durch das Halten von Gesetzen und Geboten, sondern Gott rettet uns - ganz einfach aus Liebe --- und deshalb schulden wir ihm nicht Furcht, sondern Dankbarkeit. Fürchtet Euch nicht! – so lässt Gott doch schon bei der Geburt seines Sohnes den Hirten verkünden.
Also: Keine Angst vor Gott!

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ich weiß aus Erfahrung, dass bei Gesprächen über ein solches  Gottesbild immer schnell die Frage aufkommt: Ja, wenn Gott ja so gut ist und uns alles verzeiht, wenn wir schon erlöst sind, ist dann nicht alles egal?
Dann kann ja jeder tun was er will.  Warum sollte ich mir denn dann überhaupt noch Mühe machen, um in den Himmel zu kommen?  

Dann muss ich antworten: Nein, dann ist gar nichts egal! Alles Gute, das wir tun, ist wichtig! Es ist sogar not-wendig. Und wir  können gar nicht genug tun an Gutem.

Aber die Motivation ist eine andere; das Ziel ist ein anderes: Wir müssen es nicht tun, unter Druck und aus Angst, weil wir sonst nicht in den Himmel kämen;
wir müssen es nicht tun, weil uns ein unbarmherziger Gott  im Nacken sitzt, sondern wir können es tun -- weil da ein guter Gott hinter uns steht und uns so reich beschenkt hat.

Und weil uns so viel Liebe geschenkt ist, müssen wir nicht Angst haben, sondern wir können selbst voller Liebe sein - zu Gott und zu den Menschen.

Ja, wir können gut sein - aus Freude darüber, dass wir einen so guten Gott haben,
der uns keine Lasten aufbürdet, wie die Pharisäer,  sondern der sie uns von den Schultern nimmt,
der uns befreit von all dem, was beugt und lähmt ---
und der uns fähig macht, seine Liebe in diese Welt hineinzutragen ----

damit die Welt spüren kann:
Das sind keine „Pharisäer“, die das müssen – aus Angst vor der Verdammnis und der Hölle,
sondern das sind Christen – die das wollen – weil sie Gott und die Menschen lieben.

 
Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch