Predigt von Richard Baus zum 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 25,14-30

  
Liebe Schwestern und Brüder,

in den Evangelienlesungen gegen Ende des Kirchenjahres klingen Gerichtsreden an. So auch heute, wenn Abrechnung verlangt wird. Wie bist Du mit dem Vermögen umgegangen, das dir anvertraut wurde? Und dann wird belohnt - oder halt auch bestraft. 

Der französische Dichter Bernanos hat seine Vorstellung von Endgericht in einen spannenden Satz gepackt. Da hat er formuliert: Bestünde die Verdammnis dann nicht vielleicht darin, dass man zu spät, viel zu spät, nach dem Tod, eine ganz und gar ungebrauchte Seele entdeckt, sorgfältig zusammengefaltet und stockig geworden, - wie manche Seidenstoffe – weil sie nicht benutzt wurden?

Spannend: Eine Seele, die man nie benutzt hat......
Dass man entdeckt, welche Möglichkeiten man gehabt hätte – und man hat diese Möglichkeiten nicht genutzt, man hat sie nicht gelebt --- weil man sich nicht getraut hat, weil man nicht gewagt hat, sie zu leben ---- Und dann ist es zu spät. Es geht nicht mehr. Ist das nicht Strafe genug?
Ein äußerst bedrückender Gedanke.

Die großen Gestalten, von denen unsere Bibel uns immer wieder erzählt, waren aber wohl genau die Menschen, die ihre Seele gebraucht haben, die sie nicht aufgespart haben für etwas, was dann nie gekommen ist, sondern die gelebt haben, die es gewagt haben zu leben, weil ihr Glaube sie dazu ermutigt hat:

z.B. Noach, der sich so auf Gott verlassen hat, dass er mitten in trockenem Land, wo es weit und breit überhaupt kein Wasser gab, ein riesengroßes Schiff baute – zum Gespött aller Leute ---- und der aber dann mit seiner Familie dort einziehen konnte, als die Flut kam und so gerettet wurde.

Oder Abraham, der in seinem Leben immer wieder den Aufruf Gottes vernahm – und immer wieder alles, worin er sich sicher und geborgen fühle, verließ, -- und erst so in das Land einziehen konnte, das Gott sich für ihn gedacht hatte.

Oder Mose, der im Vertrauen auf Gott ein ganzes Volk mitten durch ein Meer und mitten durch eine schreckliche Wüste hindurch führte – in die Freiheit hinein --- dorthin, wo man wirklich leben konnte.

Alles Dinge, die für einen Menschen, der auf Nummer sicher gehen will und vorsichtig ist, doch viel zu abenteuerlich und eigentlich ganz unvernünftig und unverantwortlich erscheinen.
Wer „vernünftig“ ist, der wird das alles sicher gar nicht erst tun -----

Aber, und das will das Evangelium uns sicher sagen, wer so ganz und gar „vernünftig“ lebt, wer immer nur ängstlich vorsichtig ist, der wird vielleicht auch nie das Leben spüren, zu dem Gott ihn gerufen hat. Er wird vielleicht am Ende feststellen müssen, dass seine Seele zwar immer noch schön eingewickelt daliegt --- aber dass sie Stockflecken bekommen hat und zu nichts mehr zu gebrauchen ist.

  
Liebe Schwestern und Brüder,
Weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt!“ so haben wir es im Evangelium gehört.
Weil ich Angst hatte, habe ich nichts aus dem gemacht, was du mir anvertraut hast.
Weil ich Angst hatte, bin ich auf Nummer sicher gegangen ----
Und habe ich gar nicht gelebt.....…

Und genau dieser Mann, der doch so vorsichtig war und der doch so gut aufgepasst hat auf das Geld seines Herrn, der muss sich sagen lassen: Du bist ein schlechter Diener.

Du bist ein schlechter Diener – nicht weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil du in deiner Angst nichts gemacht hast.
  

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass die beiden Erfolgreichen gar nicht gefragt werden, wie sie das angestellt haben. Ob die Geschäfte alle sauber waren, ob sie riskant gepokert haben, ob sie zwischendurch auch mal fast alles riskiert und verloren hätten. Das scheint nicht wichtig.

Entscheidend ist, dass sie etwas getan haben, dass sie das Vertrauen, das der Herr in sie gesetzt hat, genutzt und  ihn so nicht enttäuscht haben. Dafür werden sie gelobt.

 
Aber, liebe Schwestern und Brüder, 

widerspricht das nicht unserem Leben? Widerspricht das nicht dem, was wir gelernt haben und die Kinder lehren?
Setzen wir nicht auch alles dran, nichts zu riskieren – und alles im Griff zu haben, alles unter Kontrolle zu haben?

Aber wer alles kontrollieren will, dem gerät allzu leicht alles außer Kontrolle. Wer Menschen kontrollieren will, dem werden diese Menschen davon laufen. Wer Beziehungen kontrollieren will, dem werden sie zerbrechen, genau daran.

Und wer Angst vor einem Glauben hat, der auch die Weite kennt, dem wird sein Glaube unter der Hand vertrocknen, --- zum toten Kapital werden, - das einem das Leben nimmt, anstatt es reich zu machen.

Gott lädt ein zum Leben – mit allen Risiken, die dazugehören --- weil er nur dort zum Zug kommt, wo wir nicht mehr alles kontrollieren und im Griff haben wollen, sondern Vertrauen haben in ihn.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir dieses Gleichnis mit uns heute in Verbindung bringen wollen, dann müssen wir uns von diesem Herrn heute als Kirche vielleicht sagen lassen: Was macht ihr mit meinen Talenten? Wie geht ihr um damit? Habt ihr Angst, dass was verloren geht – oder riskiert ihr auch noch was, damit sich auch noch was verändern kann, anders werden kann.

Wir müssen uns sagen lassen:

Ich habe euch nicht berufen, damit ihr alles beim Alten belasst, sondern damit ihr etwas verändert, zum Besseren führt – für die Armen, für die Bedrückten, für die Alleingelassenen, für den Frieden......

Denn das fällt nicht von Himmel, sondern das kommt durch uns --- durch jede und jeden einzelnen von uns – mit dem Talent, das Gott uns gegeben hat, mit dem, was wir eigentlich draufhätten und könnten, wenn wir damit nicht so hinter dem Berg halten würden ----

Weil wir Angst haben, Angst, wir könnten es nicht gut genug, oder wir würden etwas falsch machen, oder es ginge was verloren ----
Aber genau diese Angst macht uns tot --- tot für andere – und tot für Gott.

Gott traut uns; Gott traut uns etwas zu – und deshalb vertraut er uns seine Welt an.

Und wir sollten uns trauen, das dann auch zu tun, was wir als die Stimme Gottes in uns erkennen – auch wenn andere darüber lachen mögen, auch wenn andere uns davon abraten und den Kopf schütteln, weil es für sie total unvernünftig und viel zu riskant erscheint.

Wir sollten es tun – im Vertrauen darauf, dass Gott uns auf den Weg schickt – und dass er am Ende nicht fragen wird: Was hast du falsch gemacht? Was war alles nicht in Ordnung bei dir? – sondern dass er fragen wird: Wo hast du dich engagiert, wo hast du irgendwas getan – für einen Menschen, für deine Kirche – und für mich, deinen Gott?

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man fragt, wo Schiffe am besten und sichersten aufgehoben sind, dann wir die richtige Antwort sein: In einem Hafen.
Aber gebaut sind sie dafür nicht, sondern gebaut sind sie für das Meer, auch wenn dort viele Risiken warten - aber auch die neuen Ufer und die anderen Länder, eben die Ziele.

Und das gilt auch für uns Menschen.

Amen



Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch