Predigt von Richard Baus zum 5. Ostersonntag, Lesejahr A

1 Petr 2,4-9

 
Liebe Schwestern und Brüder,

diese Geschichte habe ich schon öfter erzählt, weil sie mir nicht aus dem Kopf geht:
Bei einem Bischofsbesuch wollte am Ende des Gottesdienstes der Bischof einen kleinen Jungen segnen, der während der Messe sehr ruhig neben seiner Mutter gesessen hatte. Der Bischof fragte ihn nach seinem Namen. Michael, war die Antwort. Der Bischof darauf: Der Michael ist aber ein braver Junge.

Worauf der Junge antwortete: Nein, Michael ist immer böse.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

was muss dieser Junge nicht schon alles zu hören bekommen haben, dass er selbst am Ende zu der Überzeugung kommt, dass es böse ist?!?

Anscheinend war das die Botschaft seiner Eltern: Du bist böse! Das wird er Tag für Tag gehört haben: Du bist böse!
Weil du nicht alles machst, wie wir das wollen, weil du nicht so lieb bist, wie wir das gerne hätten - deshalb bist du böse!

Solche Eltern- und Familienbotschaften können sich festsetzen und unter Umständen ein ganzes Leben bestimmen – zumindest wenn ein Mensch nicht lernt, sich irgendwann davon zu lösen......

Wenn er nicht lernt, auch andere Botschaften zu hören, Botschaften, die ihm dabei helfen wollen, erwachsen zu werden und auf sich selbst zu vertrauen, auf das, was in ihm ist und was groß werden will ---- weil Gott es in ihn  hineingelegt hat.

Eine dieser „anderen“ Botschaften,  haben wir gerade in der Lesung  aus dem 1. Petrusbrief gehört:

„Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht“, so hieß es da – „eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde.“
  

Liebe Schwestern und Brüder,

so schreibt ein Mann, der hier Petrus genannt wird, an eine Christengemeinde am Ende des 1. Jahrhunderts; an eine Gemeinde, die ziemlich desolat ist:
Anscheinend hat sie noch nicht zu sich gefunden. Sie weiß wohl noch nicht so recht, wie sie leben soll – denn sie wird verfolgt und gedemütigt. Eine Gemeinde, in der es noch nicht so richtig klappt mit dem Christsein – und die sicher mit Thomas sprechen kann: Wir wissen den Weg nicht. Wie soll´s weitergehen?

Wie spannend ist die Reaktion dieses Petrus: Er tadelt sie nicht; er sagt ihnen nicht, dass sie sich jetzt endlich mal zusammenreißen und sich bessern sollen, sondern er ermutigt sie, er baut sie auf –
und er tut es, indem er sie an ihre Würde erinnert.

Er fragt diese Gemeinde nicht, was sie alles vorzuweisen hat, was sie geleistet hat, wie würdig und gut sie bisher war, sondern er sagt ihr, wer sie eigentlich ist - wer sie vor Gott ist. Und was in ihr drinsteckt:

„Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht... Gottes Volk“

auf gut deutsch heißt das: Ihr seid was ganz Besonderes! -----

und das, weil Gott euch dazu auserwählt hat, weil Gott euch liebt.

Schauen wir genau hin. Da steht nicht: Vielleicht werdet ihr das mal, wenn ihr ganz brav seid, wenn ihr euch viel Mühe gebt und alles richtig macht ..... Nein, da steht: Ihr seid das – jetzt schon, trotz allem, was nicht gut läuft, weil Gott das so will. Das ist sein Geschenk.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Petrus macht Mut: Da ist doch Gott. Gott, der aus einem Stein, den die Bauleute verworfen haben, einen Eckstein macht, auf dem alles aufruht und feststeht.

Ein Gott, der aus einem Gekreuzigten, also einem Gescheiterten, einen Sieger macht,
aus einem Toten einen höchst Lebendigen. Gott kann das.

Und weil er das kann, macht dieser Gott auch aus einem Volk in all seiner Hilflosigkeit und Schwachheit, seine königliche Priesterschaft,
sein auserwähltes Volk, dem seine ganze Liebe und Zuneigung gilt.

Und was für diese Gemeinde, an die Petrus sich wendet gilt, das gilt heute für uns:
Wir sind Gottes Volk. Wir sind sein auserwähltes Geschlecht – egal was mit uns auch passieren mag. Wir sind seine königliche Priesterschaft. Alle.

Nicht weil wir so toll wären, sondern weil ER das so macht.
Weil Er das so will.

   Liebe Schwestern und Brüder,

diese Zusage, die unser Leben positiv verändern will, ist das Geschenk Gottes an uns.
Die müssen wir uns nicht erkaufen und nicht erarbeiten – und die müssen wir uns auch nicht mühsam erleiden, sondern die dürfen wir uns ganz einfach schenken lassen, gefallen lassen.

Das einzige, was wir vielleicht wirklich „müssen“,  ist, dass wir das wir das auch annehmen - und dass wir versuchen, das dann auch zu leben, und zu verkünden.
So leben,
dass wir „die großen Taten dessen verkünden“, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat ---

So leben, dass man uns das auch ansieht

Dass man uns ansieht, dass wir Gottes auserwähltes Geschlecht sind,
seine königliche Priesterschaft - in jedem Einzelnen und jeder Einzelnen von uns -
ganz einfach weil ER uns liebt - und immer auf unserer Seite steht.

 
Amen

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch