Predigt von Richard Baus zum 5. Sonntag im Jahreskreis A

Jes 58, 6a.7-10;   Mt 5,13-16

  
Liebe Schwestern und Brüder, 

„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“. Verse, aus der sogenannten „Bergpredigt“, wie der Evangelist Matthäus sie uns überliefert hat.

Jesus spricht diese Worte jedoch nicht an Theologen, nicht an hochqualifizierte Seelsorgerinnen und Seelsorger, die im Dienst der Verkündigung stehen, sondern an alle die Menschen, die gekommen sind, um ihn zu hören.

Gerade hat Jesus ihnen die sogenannten Seligpreisungen vorgelegt und ihnen zugesagt:
Im Reich Gottes werden die selig gepriesen, die vor Gott eigentlich gar nichts Großartiges vorzuweisen haben, sondern ganz und gar angewiesen sind auf seine Liebe.
Im Reich Gottes werden die selig gepriesen, die trauern und weinen, weil sie hungern und dürsten - nach Brot und Gerechtigkeit.
Im Reich Gottes schaut Gott auf die, die wissen, wie gut es tut, wenn man barmherzig mit ihnen umgeht und wenn man ihnen Frieden schenkt - weil in ihrem Leben ja alles so ganz anders verläuft.

Denn Jesus weiß: diejenige, die da vor ihm sitzen und begierig sein gutes und hoffnungsvolles Wort hören, das sind eben nicht die Reichen und Arrivierten, das sind nicht die Erfolgverwöhnten und Großen, sondern im Gegenteil: das sind genau die, die nichts haben und nichts sind - und die sich alles von Gott erwarten und erhoffen müssen.
Das sind die, die seinen Trost und seine Hilfe brauchen.
Und deshalb sagt er ihnen all das auch auf den Kopf zu.
Ja, wenn sie von ihm weggehen, dann sollen sie froh und getröstet weggehen - und mit Frieden in ihrem Herzen.

Und dann wendet sich Jesus noch einmal an sie - und er sagt ihnen: Ihr könnt die Welt verändern.
Denn Ihr seid das Licht, das die Welt hell machen kann. Ihr seid das Salz der Erde, das dem Leben Geschmack verleihen kann. Ihr seid wie eine Stadt auf dem Berg, die so faszinierende sein kann, dass man unbedingt dort hin will, um das zu sehen.
  

Liebe Schwestern und Brüder,

spannend - wenn man genau zuhört: Jesus sagt nicht: Ihr müsst jetzt aber, und auch nicht: Ihr solltet mal oder könntet, sondern er sagt: Ihr seid das! Ihr könnt das! So wie ihr seid - und mit euren Möglichkeiten….! 

Wirklich spannend, denn fragt man sich da nicht eher: Wenn diese Menschen selbst so hilfebedürftig sind, wie sollen sie dann den anderen helfen? Wenn sie Gott schon so sehr brauchen, wie können sie dann etwas für andere tun?

Doch: Ihr seid das Salz der Erde, sagt Jesus. Ihr seid das Licht der Welt - mit dem, was ihr könnt; mit dem, was Euch geschenkt ist - von Gott her. 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wirklich ein spannender Moment. Und wir müssen unssicher  fragen: Ja, wie geht das denn, Licht zu sein? Wie kann man Salz für die Erde sein? Wie kann man etwas tun, was anderen zu mehr Leben verhilft?

Und die Antwort könnte sein: Hier geht es nicht um Wunder - zumindest nicht um solche, die so groß sind, dass nur Gott sie vollbringen kann -- sondern hier geht es um das, was „Menschen möglich ist“. Um das, was jeder Mensch tun kann, jeder Mensch, der ein Herz hat.

Und in der Lesung aus dem Propheten Jesaja haben wir gehört, wie dieses Licht-Sein, das Salz-Sein aussehen kann. 
Mit dem das Brot teilen, der noch weniger hat als ich selbst. Dem noch was zum Anziehen zu geben, der sonst gar nichts hat und nackt ist. Und den nicht im Stich zu lassen, der sonst verloren wäre -- und da genügt ja so oft schon ein gutes Wort, ein bisschen Zeit zu haben - und mal jemandem geduldig zuzuhören….
Kleine Dinge, die ein ganzen Leben hell machen können und die wieder leben lassen, wie Licht, das wir zum Leben brauchen.
Und dieses Licht, so sagt Jesus, das seid IHR. Dieses Salz, das das Leben wieder schmackhaft macht, das  seid IHR für die Welt. Genau das könnt ihr!

Und deshalb tut es.
Tut diese guten Werke, damit alle sie sehen
- aber nicht, und jetzt kommt wieder eine spannende Wendung, nicht, damit die Leute Euch preisen, sondern damit sie Euren Vater im Himmel preisen.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ist das nicht wahnsinnig aufregend?  Da sagt dieser Jesus tatsächlich zu ganz einfachen Menschen:

Macht euer Leben zu einer „Werbeveranstaltung für Gott“!
Lebt so, dass ihr auf Gott hinweist.
Die Leute sollen spüren: Wenn sie Euch begegnen, dann begegnen sie Gott.
So wie Ihr seid, so ist auch Gott!
So wie ihr liebevoll, barmherzig und friedfertig mit den Menschen umgeht, genau so macht das auch Gott. 

Und wer Euch begegnet, der wird Gott dafür preisen, dass es Euch gibt.
Aber nicht, weil ihr so spektakulär, so erfolgreich und so ganz oben seid, sondern weil ihr so liebevoll, so barmherzig und so menschenfreundlich seid - eben so wie Gott es ist.

Eine Kirche, die Licht ist für die Welt und Salz für die Erde - und die so anziehend ist wie eine Stadt auf dem Berg -- das wird sicher keine Kirche sein, die immer noch „frömmer“ wird und die immer noch mehr Gebote aufstellt - und noch mal ganz genau hinschaut, wer denn noch wo in „schwerer Sünde“ lebt und deshalb nicht zu den Sakramenten gehen darf, 

sondern das wird eine Kirche sein, die darauf vertraut, dass nicht tote Gesetze sie führen, sondern dass der lebendige Herr sie führt - und dass er sie gerade dann führt, wenn sie genau zu denen geht, die  Licht und Salz so notwendig brauchen, damit sie wieder aufatmen können, wieder Hoffnung schöpfen und leben können - weil sie selbst so ans Ende gekommen sind.

Eine Kirche, die ihren Platz bei den Armen, bei den Schwachen hat - und auch bei den hat, deren Leben nicht immer so verläuft, wie die Kirche das gerne hätte --- aber nicht, um ihnen zu zeigen, dass sie eigentlich für die Kirche „weg vom Fenster sind“, (so wie diese vier Kardinäle das gerne hätten, die mit ihrem offenen Brief Papst Franziskus wegen seiner Barmherzigkeit an den Pranger stellen), sondern um genau denen die Fenster und die Türen wieder zu öffnen - damit sie wieder dazugehören. Damit wir alle auch weiterhin ihre Kirche sind. Eine Kirche, in der und mit der sie leben können.

Eine Kirche, deren Licht also nicht noch mehr Gesetze und nicht noch strengere Vorschriften sind, sondern noch mehr Barmherzigkeit ist, noch mehr Gottvertrauen - und noch mehr Liebe zu den Menschen - damit keiner verloren geht.

„Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont...

so haben wir eben gesungen.

„..wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt“
(GL 847)

 

Und das ist dann, wenn wir Gott hineinlassen in unser Leben;

wenn er auch in uns Mensch werden darf - so wie er es in Jesus Christus werden durfte.

So dass die Menschen dann tatsächlich IHM begegnen, wenn sie mit uns zu tun haben.
Und sie deshalb Gott dafür loben, dass es uns, und dass es unsere Kirche gibt.

 

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch