Predigt von Richard Baus zum Christkönigssonntag 2917, Lesejahr A

Mt 25,31-46

 
Heute, am letzten Sonntag im Kirchenjahr stellt uns das Evangelium diese große Gerichtsszene vor Augen. Das Jüngste Gericht, wie wir sagen. Alle kommen vor dem Richterstuhl des Herrn zusammen und er spricht das Urteil.
Ein Gericht, in dem eingeteilt wird in gut und böse. Und das Urteil geht eben genau so aus, wie wir Menschen das auch erwarten: Das Gute wird belohnt und das Böse wird bestraft. So stellt der Evangelist Matthäus sich das vor. Und so muss es ja auch wohl sein. Oder?

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe Ihnen schon einmal von einer Weitererzählung dieser Gerichtsszene erzählt, die so ganz anders ausgegangen ist:
Da wo Gott Mitleid bekommt mit denen auf der linken Seite, weil die im Anblick ihrer Verdammnis  weinen und klagen, weil sie um Vergebung bitten - und er sie dann doch auch noch in den Himmel hineinnehmen will.
Aber dann beschweren sich die auf der rechten Seite, weil sie das nicht wollen. So hatten sie nicht gerechnet. Dafür hatten sie sich nicht krummgelegt. Sie wollen einen Himmel alleine für die Guten.
Und so protestieren sie und versuchen, mit Gott zu rechten.

Sie erinnern sich vielleicht: Die Sache ging dann so aus, dass der Herr am Ende dann die sogenannten Guten in die Hölle schickt - weil sie so unbarmherzig waren. Gnadenlos und unbarmherzig. Und für solche Menschen ist der Himmel nicht der rechte Ort. Denn Gott ist eben nicht so.

Mir hat dieser Ausgang damals gut gefallen - wenn ich ehrlich bin.

Aber rückblickend muss ich auch sagen: Das war auch immer noch irgendwie sehr menschlich gedacht. Nach dem Motto: Strafe muss sein! Wenn einer in den Himmel kommt, dann muss der andere in die Hölle kommen.

Was wäre aber, wenn wir versuchen würden, göttlich zu denken..... Muss es da nicht noch mehr Möglichkeiten geben? Und ganz andere?
Muss Gott wirklich strafen, damit am Ende alles „im Lot“ ist?
Ist er darauf festgelegt? 

Wie wäre es denn, wenn die Sache so ausgeht:
Nachdem die Sünder dort klagen und weinen und um Vergebung und Verzeihung gebeten haben - da wenden sich die Guten an Gott - und sagen: Lass die von der Linken doch auch mit uns im Paradies sein!

Wenn wir Deine Auserwählten sind, die Erlösten, dann wollen wir auch als Erlöste leben. Und als Erlöste können wir vergeben und verzeihen.
Und wenn die Sünder um Vergebung bitten, dann wollen wir auch vergeben. Denn wir wollen doch sein wie Du, Gott: Göttlich. Wir wollen göttlich denken und handeln - und nicht länger nur menschlich.

Diese „Guten“ hätten Gott wirklich verstanden. Und seine unendliche Liebe wäre bei ihnen wirklich angekommen.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Gott barmherzig ist, müssen die, die im Himmel sein wollen, doch auch barmherzig sein.
Und wenn Gott vergeben kann, müssen die, die bei ihm einen Platz haben werden, doch genau so vergeben können. Denn sonst geht das doch gar nicht.
Gott hasst zwar die Sünde, aber doch nicht den Sünder.

Aber wie geht das?

Mir ist diese Woche ein wunderschöner kleiner Text begegnet. Da heißt es in einer jüdischen Erzählung zur Geschichte von David und Goliath:

Als David und Goliath miteinander stritten, fragten die Dienstengel Gott: Wie wird es sein, wenn sie beide vor Dir erscheinen?“ Gott antwortete: „An mir wird es sein, sie zu Freunden zu machen“.

Welch ein wunderschöner Gedanke! Wenn die beiden, die sich da gegenseitig umbringen wollen, vor ihm erscheinen, dann ist ER gefragt.
Und die Art Gottes ist es nicht, Goliath und David Strafpredigten zu halten „Hättest du doch...“, „Aber man macht doch nicht..“, sondern seine Art ist es, sie zu Freunden zu machen.

Und das wird er am Ende auch tun.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Gott will nicht vernichten, weil das seinem Wesen als Schöpfer überhaupt nicht entspricht. Wenn Gott der Schöpfer ist, dann wird er nicht wollen, dass irgendetwas von dem, was er geschaffen hat, vernichtet wird, sondern er wird es wieder gut machen, retten und heilen.

Das hat etwas mit der Treue zu tun, die wir Gott zuschreiben. Gott bleibt treu, so sagen wir - er bleibt sich selbst treu - und er bleibt uns Menschen treu.
Und wenn er heute Schöpfer ist, dann kann er Morgen nicht auf einmal Vernichter sein, Zerstörer.
Wenn er die Schöpfung gewollt hat und ins Dasein ruft, dann kann er sie nicht hinterher nicht mehr wollen und zur Hölle schicken.
Und wenn der menschgewordene Gott, unser Herr Jesus Christus, in seinem irdischen Leben so barmherzig und gütig war, einer, der Schuld vergeben und neue Anfänge möglich gemacht hat, dann kann er am Ende der Tage nicht ganz anders sein.
Man würde ihn ja nicht mehr erkennen.
Man könnte ihm ja nicht mehr glauben.

Ein wirklich spannender Gedanke.
Was wird Gott also dann tun - wenn er sich und uns treu bleiben will?

Nun, er wird wieder Schöpfer sein müssen. Er wird Neues schaffen.
Aber nicht aus dem Nichts, sondern aus dem, was da ist. Und dann heißt Neuschöpfung wohl Transformation, Verwandlung, Heilung und Rettung.

Und diese Verwandlung, diese Neuschöpfung besteht darin, dass Gott die Sünder dazu bringt, ihre Schuld wirklich zu sehen. Sie nicht unter den Teppich zu kehren, sondern sie anzuschauen, sich dafür zu schämen - und dann um Vergebung dafür zu bitten.

Und die Erlösten dazu zu bringen, die Vergebung auch zu gewähren.
Einen neuen Anfang möglich zu machen - so wie Gott es auch tut.

Es wird an ihm liegen, sie zu Freunden zu machen.
Und das ist schöpferische Arbeit - an Sündern und Gerechten, an Tätern und an Opfern.
Denn beide müssen neu werden, damit sie wirklich erlöst sind und „göttlich“ sein können - neugeschaffen für den Himmel.

An ihm, unserem Herrn wird es liegen.
Und er wird es tun. Weil er gütig und barmherzig ist.

Und deshalb soll er auch unser König sein.

 
Amen

 

 

 

 

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch