Predigt von Richard Baus zum 8. Sonntag im Jahreskreis, Fastnachtssonntag

Mt 7,21-27 (das ist das Evangelium vom 9. Sonntag im Jahreskreis A)

  
"Liebe Schwestern, liebe Brüder!“ -
 

so klingt es alle Sonntag wieder,
hier,  von diesem frommen Ort.
Hier wird verkündet Gottes Wort
ganz ernst und fromm, mit viel Bedacht.
Doch heute aber, gebt fein Acht,
soll es ein bisschen anders sein:
in Vers und Maß und auch im Reim.

   
Der Mensch ist klug, so sagt’ ich laut,
der treu auf all die Worte baut,
die Gott, der Herr, ihm sagen lässt.
Der sich dran hält, ganz felsenfest,
der nicht das Ohr auf Durchzug stellt
und nur das hört, was ihm gefällt.

 
Der Mensch, der mit nach Hause nimmt,
was hier durch’s Mikrofon erklingt;
und der dann ernst mit all dem macht,
von morgens früh bis spät zur Nacht.
Wer feste auf den Herrn vertraut
der hat auf keinen Sand gebaut........

  
Dann ist mir nichts mehr eingefallen,
was gut hier klingt in diesen Hallen.
So saß ich lang vor dem PC;
vom Denken tat der Kopf mir weh.
Wurd’ auch schon müde nach und nach.
Der Geist ist stark, das Fleisch ist schwach....
  

Da macht es „Pling“- ich hör’s benommen -
Ne E-Mail ist grad angekommen.
Ich öffne sie, um nachzuschauen --
da hat es mich fast umgehauen:
Sie kam „von oben“. In der Tat:
Der Bischof dringend braucht ’nen Rat.

  
„Lieber Konfrater, lieber Bruder,
das Bistum läuft mir aus dem Ruder.
Ich brauche Hilfe, möglichst schnell.
Am besten gleich, jetzt auf der Stell.
Denn trotz Synode und Papieren,
die Seelsorge, die tut stagnieren.

 
Pfarreien sind zu groß geworden:
von Ost nach West, von Süd nach Norden,
von Rossbach bis nach Straßenhaus;
das hält die frömmste Seel’ nicht aus.
Kaum einer mehr den Pfarrer kennt
und niemand mehr zur Kirche rennt.
  

Der Hirte kennt nicht mehr die Herde,
und das muss wieder anders werde’.
Die Kirche soll im Dorf  man lassen
anstatt dass all die Christenmassen
des sonntags müssen gehen auf Reisen
um ihren Glauben zu beweisen.

   
Der Priestermangel ist die Plage.
Von allen Orten kommt die Klage.
Bisher ha’m wir gebaut auf Männer,
doch sind die auch nicht mehr die Renner.
Drum das Programm wir jetzt umbauen,
woll’n Priester suchen --- bei den Frauen.

  
Die Kirche lehrt ja immer schon,
schon lang vor der Reformation,
dass ohne Frauen es nicht geht.
Besonders jetzt, wie ihr ja seht.
Die Frauen hamn  in allen Lagen,
die Kirche durch die Zeit getragen.
Und wer da nicht auf Gott vertraut,
der hat bestimmt auf Sand gebaut.

    
Was Adam tat im Paradies,
das war ganz übel und auch mies.
Doch hat Maria, lasst uns loben!,
die Strafe wieder aufgehoben.
Das zeigt doch schon, dass man kann bauen,
in allen Fällen auf die Frauen.

  
Und andre Kirchen zeigen’s klar,
die haben Frau’n in ihrer Schar,
Die putzen nicht, weil sie nichts kosten,
die sitzen dort auf höchsten Posten.
Und was gilt für die Hierarchie,
das gilt auch für die Monarchie:

  
Von London bis nach Kopenhagen,
sind ’s Frauen die die Amtslast tragen.

  
So woll’n Wir endlich uns rantrau’n,
an Priesterweihen für die Frau’n.
Die Kirche lehrt ja immer schon,
schon lang vor der Reformation,
dass ohne Frauen ist nichts los.
Die sind so wichtig wie das „Moos“.
Wer da jetzt nicht auf Gott vertraut,
der hat bestimmt auf Sand gebaut.
So fragen wir, du lieber Mann,
bei Dir nun jetzt um Hilfe an.

 
Der Ruhm drang aus des Klosters Toren
bis her zu mir an meine Ohren:
Da gäb es Frauen ohne Zahl,
die wären allererste Wahl -
zu starten ein Pilotprojekt,
nicht irgendwann, jetzt gleich. Direkt!“

  
Die ersten Priesterinnen- zwei, drei Stück,
-ich platze fast vor lauter Glück-
so hat er sich das vorgenommen,
die solln aus unserm Kloster kommen.

 
Ich soll mal eine Liste machen,
mit Namen, Alter, all den Sachen
die wichtig sind für so nen Schritt.
Und Bilder soll ich schicken mit.

 
Man träf in Rom dann aus der Zahl,
nach Fasten und Gebet die Wahl.
Die Kirche lehrt ja immer schon,
schon lang vor der Reformation .....
Wer da jetzt nicht auf Gott vertraut,
der hat auf keinen Fels gebaut.

 
Ich habe gleich zurückgeschrieben
und ganz gewiss nicht übertrieben:
Wir haben, was das Herz begehrt!
Und das ist wirklich nicht verkehrt:

  
Mit Doktortiteln. Selbst gemacht!!!,
Ob in Zivil, ob Ordenstracht;
Expertinnen in Trägersachen -
(schon manchem Mann verging das Lachen…)
Für unsre Klugen, Kreativen,
gibt´s nirgend sonst Alternativen.
Sie leben hoch spirituell,
ihr Management ist aktuell.

 
Zu schweigen ganz von unsren Frommen,
die ´ner Pfarrei sehr gut bekommen.
Die beten Vespern, Rosenkranz,
mit Mund und Herz – eben halt „ganz“ -
so dass kein Auge trocken bleibt
und jeder sich die Hände reibt –
vor Freude über so viel Glauben,
den auch kein Teufel uns kann rauben.

    
Die Frauen hier, die können leiten,
wenn’s sein muss, für das Recht auch streiten.
Sie schaffen, ohne müd` zu werden,
stehn mit zwei Beinen auf der Erden.
Wenn´s sein müsst, fänd man auf die Schnelle,
sogar paar jüngere Modelle…
…so Anfang 60 - bitte sehr,
das würd´ uns fallen gar nicht schwer.

 
Ich schwör ihm, dass sie allesamt,
auch taugen für ein Bischofsamt.
Die machen immer, so mein Schwur,
in jedem Amt ne Top-Figur!

  
So lobt ich Charismen und Gaben
der von mir hoch geschätzten Damen.
Und meinte auch - man kennt´s jetzt schon-,
dass lang vor der Reformation.....
Und wer jetzt nicht den Frau’n vertraut,
der hätt’ total auf Sand gebaut.

  
Die Antwort ließ nicht auf sich warten;
Nach einem Gang durch seinen Garten
der Papst hätt´ seine Wahl getroffen -
und wir, wir dürften ab jetzt hoffen.
Ein Kardinal zu uns würde eilen,
um das Ergebnis mitzuteilen.
Am nächsten Sonntag sei´s so weit -
zum Lob der ganzen Christenheit.

   
Der Sonntag kam, samt Kardinal,
zu übermitteln uns die Wahl.
Die Kirch war voller Ordensfrauen,
-und bis zum Dach voll Gottvertrauen-
dass alles nun viel besser werde
für Hirten und die Christenherde.
Denn mit dem Priesteramt für Frauen
kann freudig man auf morgen schauen.

  
Die Orgel spielt noch einmal laut
und durch des Weihrauchs Nebel schaut
die Klosterschar zum Kardinal
der künden soll des Papstes Wahl.

 
„Die Kirche hat ja immer schon“,
so fängt er an im Feierton.
„Und jetzt, nach langem Hin und Her,
in Rom man endlich so weit wär,
zu Priestern weihen nun auch Frauen.
Man braucht sich hier nur umzuschauen,
wer säß denn hier, das ist doch klar,
wenn nicht die Frauen wären da?!

  
Denn ohne Frau’n die Kirch’ ist schwach...“
........   Daaaa gibt es einen Höllenkrach.
Ich schreie auf, die Füß tun weh,
denn mitten drauf liegt der PC.....
.....den ich im Schlaf hab mitgerissen
und voll mir auf die Füß´ geschmissen.

  
Da war ich wach. Aus war der Traum.
Nix ist mit Priesterweihn für Frau`n.
Die Kirche lehrt ja immer schon,
schon lang vor der Reformation,
dass Frauen hätten nichts zu sagen,
und sollten´s auch erst gar nicht wagen,
zu streben nach dem Priesteramt,
sonst werden sie direkt verdammt.
Roma locuta, causa finita -
kein Amt für Edith und Anita.

  
Und doch, wir warten noch ein Weilchen,
nach jeden Winter blühen Veilchen.
Wenn gar kein Mann dann hier mehr sitzt
und man in Rom dann noch mehr schwitzt,

 
dann kommt die E-mail ganz bestimmt
und dann aus Rom man doch vernimmt:
„Die Kirche hat ja immer schon,
schon lang vor der Reformation.....“
Und dass der Herr die Frau’n geschätzt,
mit ihnen sich zum Tisch gesetzt.
Sie sind mit ihm umhergegangen,
war´n da, als er am Kreuz gehangen.
Von Auferstehung, sonnenklar,
ne Frau die erste Zeugin war.

  
Gewusst hat Frau das immer schon,
doch pred`gen darf sie keinen Ton.

  
Doch  lassen wir den Mut nicht sinken,
wenn viele jetzt auch ab tun winken.
Wer lang genug auf Gott vertraut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

 
Amen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch