Predigt von Richard Baus zum Fest Christi Himmelfahrt, Lesejahr A

Apg 1,1-11  Mt 28,16-20

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Christi Himmelfahrt -- das klingt so, als hätte Jesus sich von uns und der Welt verabschiedet. Er weg – und wir hier. Er ganz oben – und wir immer noch hier unten --- alleingelassen von Gott und allen guten Geistern – wie man so sagt.

Nun, wenn der Himmel, in den Jesus „aufgefahren“ ist, irgendwo hinter dem Mond wäre – oder jenseits der Milchstraße, dann könnte das in der Tat so sein.

Aber der Himmel, von dem wir hier sprechen, ist ja nicht der Himmel der Astronauten und der Raumfahrer, der ganz weit weg von uns ist, sondern der Himmel, von dem wir heute sprechen, ist der Himmel Gottes. Und der liegt eben nicht irgendwo am Ende der Welt, sondern der ist eher mitten unter uns.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, der Herr ist nicht weggegangen von uns, sondern er ist uns ganz nahe gekommen, so nahe, dass er jetzt immer bei uns ist - und bei uns bleibt – alle Tage bis zum Ende der Welt.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

was in der Apostelgeschichte wie ein Abschied klingt mit Entschwinden und Verschwinden, das klingt im Matthäus-Evangelium wie ein neuer Anfang: Noch näher will uns der Herr sein. Immer ist er bei uns – bis zum Ende der Welt.

Und das sollen wir allen verkünden. Wir sollen Zeugnis geben von einem Himmel – mitten unter uns; und von einem Gott, der uns so nahe ist, so dass es keinen Ort mehr auf dieser Welt gibt, der ohne ihn wäre – und keine Sekunde mehr, die gott-los wäre.

Ja, seit Christi Himmelfahrt können wir uns den Himmel Gottes nicht mehr denken ohne unsere Welt – und unsere Welt nicht mehr ohne den Himmel Gottes, der uns offen steht – aber eben nicht hoch über uns, sondern mitten unter uns.

Beides ist zusammengefügt und das bleibt es auch – bis zum Ende der Welt. Denn der Himmel ist kein „Ort“ irgendwo, sondern er ist Beziehung. Liebesbeziehung. Die Liebesbeziehung zwischen Gott und uns, die ohne Ende ist.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

diese unglaubliche Nähe des Herrn zu uns – in seinem Himmel und durch seinen Himmel- haben tiefgläubige Menschen aus dem 14. Jahrhundert in einem schönen Gebet so formuliert:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um heute seine Arbeit heute zu tun.
Christus hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um den Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen auf seine Seite zu bringen.

Ja, der Herr ist uns durch den Himmel so nahe gekommen, dass er in uns und durch uns in unserer Welt ist. Was wir den Menschen tun, das tut ER – durch uns.

Und wo wir uns den Menschen verweigern – da verweigern wir diesen Menschen IHN.
Das ist sein Geheimnis – und das ist sein Geschenk.

Und dennoch, liebe Schwestern und Brüder, manchmal denke ich, wenn ich dieses Gebet höre:
Ob Christus wirklich nur uns hat, um Menschen zu erreichen?
Ob er wirklich nur UNS hat, um Menschen sein Heil erfahrbar zu machen? Wäre er da nicht arm dran?!
Denn wir oft sind wir gar nicht bereit, was für andere zu tun.

Wie oft haben wir keine Lust, keine Zeit – oder sonst was. Und wie oft kommen wir auch an unsere Grenzen, wo wir dann auch gar nichts mehr können – weil wir selbst am Ende sind.

Ist er dann auch am Ende?!
Sicher nicht. Denn ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde, so sagt er.
Da wo wir am Ende sind, da weiß er immer noch weiter.
Wo unsere Kraft aufhört, da wirkt seine Kraft um so mehr.

Und wo wir einfach „nur“ Menschen sind, da ist er der gute Gott, der uns immer seinen Beistand schenkt, seinen Hl. Geist, der uns nie verlässt.

Ja, es gibt einen Himmel „oben“ - für Flugzeuge, Astronauten und Raketen.
Aber es gibt auch einen Himmel „unten“, den Himmel unter uns und in uns.
Der Himmel, der immer mehr „wird“ - zwischen Gott und den Menschen.

Der Himmel, der über allen aufgeht - und auf alle übergeht, so dass wir darin für immer unsere Heimat haben.

 
Amen

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch