Predigt von Richard Baus zum Fest der Erscheinung des Herrn, Lesejahr A

Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe mir die Frage gestellt:
Was würden die Sterndeuter wohl gerne uns Menschen von heute sagen, wenn sie hier nicht nur als Figuren, sondern als lebendige Personen mitten unser uns wären?

Vielleicht würden sie uns sagen: 
Geben Sie sich nicht mit dem zufrieden, was Sie früher einmal gelernt haben, sondern forschen Sie weiter. 

Geben Sie sich aber auch nicht mit dem zufrieden, was andere sagen, sondern bilden Sie sich ihre eigene Meinung – denn der da Mensch geworden ist, ist ja nicht nur der Gott der Gelehrten, nicht nur der Gott der Kirchenoberen, sondern er will auch Ihr Gott sein. Gott für Sie! Und Sie sollen doch an ihn glauben können.

Fragen Sie sich, wie wir es getan haben, bis zu Jesus durch. Bleiben Sie nicht bei Ihrem Kinderglauben stehen. Tasten Sie sich neu an das heran, was Jesus getan und gesagt hat - für uns!

Werden Sie ein Sucher und nicht ein Besserwisser, der schon auf alles eine Antwort parat hat. Wer alles schon weiß, und auch noch alles besser weiß, den kann nichts mehr überraschen. 

Aber wer sucht und fragt, der findet; der findet Neues. Und dann können Sie ein spannendes Glaubensjahr vor sich haben – denn dann kann Gott ihnen neu begegnen: Nicht nur als Gestalt aus einem alten Buch, sondern als der Gott in ihrem eigenen Leben.

Schwelgen Sie um Himmels Willen nicht in Ihren Erinnerungen an die gute alte Zeit von früher– und seien Sie nicht zu vorsichtig, denn sonst kann sich nichts Neues in Ihrem Leben ereignen. 

Sie gleichen sonst höchstens den Schriftgelehrten im damaligen Jerusalem. Die wussten zwar sehr genau, wo der Messias geboren werden sollte, blieben aber auf ihren Lehrstühlen sitzen. Nichts konnte sie bewegen, sich aufzumachen und das anzuschauen, was da geschehen war. Und deshalb gab es für sie keine Begegnung mit dem lebendigen Gott - und so blieb für sie alles beim Alten.

Riskieren Sie es doch mal, Ihren Glauben in die Tat umzusetzen.

Lassen Sie sich von der Botschaft Jesu hinter dem Ofen hervorlocken – und riskieren Sie es, die Freiheit zu leben, die der Herr Ihnen geschenkt hat. Sie werden zu neuen Menschen werden.

Dann können Sie über Ihren eigenen Schatten springen und müssen sich nicht nur an die alten Traditionen klammern. 

Und dann werden Sie, wie wir, die Sterndeuter aus dem Morgenland, den Herrn auch mal dort suchen, wo Sie und Ihre Traditionen ihn vorher nie vermutet hätten: Nicht in einem Palast in Jerusalem, sondern in einem Stall am Ende der Welt.

Nicht bei den Vornehmen, den Reichen und den Theologen, sondern unter den armen und schlichten Leuten wie Maria und Josef und sogar bei den Ausgegrenzten, den Hirten – 

Sie finden ihn, wenn es sein muss, zwischen Ochsen und Eseln.

Wenn Sie das wagen, dann kann Ihnen ein Wunder blühen:

Dann wird Gott Ihnen nicht mehr „hochwürdig“ erscheinen, sondern liebenswürdig. Dann müssen Sie ihn nicht mehr fürchten, sondern sie werden sich in ihn verlieben. 

Und wenn Sie vor ihm in die Knie gehen, dann nicht mehr mit dem unguten Gefühl, sie müssten sich klein machen vor ihm, damit er zufrieden ist mit Ihnen, sondern Sie werden es aus Freude machen, um mit diesem Kind in der Krippe  auf Augenhöhe zu sein – damit Sie sein Lächeln auch wirklich sehen können und Sie dann genau wissen: Das Kind meint mich! Ja, Es lächelt Ihnen zu – damit Sie zufrieden sein können mit sich selbst.

Denn er ist zufrieden mit Ihnen, so wie Sie sind. 

Sie müssen Ihr Leben nicht groß ändern, sondern ihm nur einen Platz in Ihrem Leben einräumen; dann wird ER Ihr Leben schon auf den Kopf stellen, so wie Kinder das tun können; 

und sie werden auf einem ganz anderen Weg weiter in die Zukunft gehen als Sie selbst es gedacht haben. Denn die alten Wege bringen dann nichts mehr.

Dann wird vielleicht nichts mehr bleiben wie es war.

Aber mit Sicherheit gehören  Sie dann zu den Menschen seiner Gnade.

  

Angeregt zu diesen Gedanken wurde ich durch: 
Wolfgang Raible, Glaubenshoroskop 2017, 
in: Anzeige für die Seelsorge  1/2017,  S. 26)

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch