Predigt von Richard Baus zum Neujahrstag 2017, Lesejahr A

Hochfest der Gottesmutter Maria   

Lk 2,16-21
  

Liebe Schwestern und Brüder,

„Hochfest der Gottesmutter Maria“ - steht über diesem Neujahrstag. Und der Evangelist malt uns ein Bild der Gottesmutter.

Wir finden sie im Stall von Bethlehem.
Viel Betrieb ist dort: Hirten kommen zu Besuch. Alles wollen sie genau sehen - und erzählen, was ihnen von den Engeln über dieses Kind gesagt worden ist. Es ist der Retter. Der Heiland der Welt.
Und mittendrin in diesem Trubel, mitten drin in dieser Betriebsamkeit, sitzt Maria.

Trotz all der aufregenden Dinge, die da passieren, da bleibt sie absolut gelassen.
Keine Hektik, keine geschäftige Betriebsamkeit, kein übertriebener Stolz wegen dieses Kindes, - nein, sie ist einfach nur da, anscheinend gesammelt und ruhig: „Sie bewahrte alles, was geschehen war in ihrem Herzen und dachte darüber nach“, so schreibt der Evangelist. Bewundernswert.

Ein wirklich schönes Marienbild, das der Evangelist uns da gezeichnet hat: Maria nicht als eine Macherin, nicht als Managerin, sondern als Meditierende, als Nachdenkende - und als Beterin. Weil sie so Gott am nächsten sein kann.

  
Liebe Schwestern und Brüder, 

da sitzt in diesem Stall - am Ende der Welt - eine Frau, die es anscheinend sehr gut aushält, dass sie nicht alles begreift, was da um sie geschieht; eine Frau, die nicht auf alle Fragen in dieser Situation eine Antwort hat - sondern die ganz ruhig wird und nachdenkt.

Eine Frau, die nicht unter dem Zwang steht, irgendwie die Welt verändern oder gar retten zu müssen, sondern die das, was da um sie herum passiert meditiert - d.h. es Gott hinhält.
Denn sie weiß wohl, dass es bei all dem, was da los ist, gar nicht auf sie ankommt - sondern letztlich allein auf Gott. Sie ist nur „Werkzeug“, sie ist nur der „Schoß“, der Gott zur Welt gebracht hat. Aber alles andere, das, was rettet und alles, was wirklich das Heil bringt, das macht Gott. Sie kann da nur „mit-machen“. 

Und sie weiß: Genau das geht nur, wenn sie hinhört - auf Gott hört; 
wenn sie wahrnimmt - was er von ihr will; 
und wenn sie dem, was Gott will, die Zeit lässt, so dass das auch heranreifen kann, -- Mensch werden kann.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

Maria ist „gelassen“. Und das heißt hier wohl: Sie kann Gott in ihr Leben hinein-lassen. Sie kann die Dinge, die wichtig sind, los-lassen und sie Gott über-lassen, damit sein Wille geschehen kann. So wie auch Jesus später beten kann: Vater, Dein Wille geschehe - und nicht das, wovon wir Menschen meinen, das sei das Richtige - nur weil das vielleicht schneller geht als das, was Gott tun will - und weil wir unsere Menschen-Wege schneller überschauen als die Wege, die Gott mit uns gehen will.

Nur in dieser Gelassenheit hat sie Gott zur Welt bringen können. Und nur in dieser Gelassenheit wird dieses Kind auch zum Messias heranwachsen können, zum Retter und Heiland der Welt.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

ich weiß nicht, ob Sie sich einen Vorsatz für das neue Jahr gefasst haben - oder ob Sie einen Wunsch haben für sich selbst.
Vielleicht sollten wir uns für das kommende Jahr etwas von dieser Gelassenheit der Maria dort im Stall wünschen: Die Gelassenheit, die Dinge, die wir nicht verstehen, auch mal Gott überlassen zu können. Die Gelassenheit, nicht auf alle meine Fragen eine Antwort haben zu müssen, 
sondern darauf vertrauen zu können, dass Gott das, was wirklich wichtig ist, auch zu einem guten Ende führen wird - mit uns und in uns und durch uns.

Und deshalb sollten wir vielleicht gar nicht so viel in die „Hektik“ investieren, in das, was wir meinen, was WIR alles tun und leisten müssen, sondern mehr in die Stille, ins Gebet. 
Denn „die Stille ist der Arbeitsplatz Gottes“. 
Wo wir still werden, dort kann Gott zu Wort kommen.
Wo wir gelassen sind und im Gebet die Hände auch mal in den Schoß legen können, da kann Gott handeln, ohne dass wir ihm schon wieder dazwischenfunken.
Wo wir uns zurücknehmen, dort kann Gott Raum bekommen.

Dieser Gott, der seinen Namen, wie damals auf die Israeliten, heute auch auf uns legt, damit auch wir Gesegnete sind - und so zum Segen werden für andere.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch