Predigt von Richard Baus zur Osternacht, Lesejahr A

Joh 20,1-10.19-22

  
„Das Grab ist leer, der Held erwacht. Der Heiland ist erstanden“, liebe Schwestern und Brüder, so singen wir in dieser Osternacht – und damit besingen wir das Geheimnis der Osternacht.
Ja, das Grab ist leer…, der Heiland ist erstanden. Er ist nicht mehr bei den Toten, nicht mehr auf diesem Friedhof in Jerusalem; so haben wir es im Evangelium gehört. Das Leben hat über den Tod gesiegt. Gott hat sich stärker erwiesen als das Böse in dieser Welt, das Vernichtung und Unheil, ja, eben den Tod bringt.

Aber möchte man an dieser Stelle nicht fragen:
Wohin ist er denn auferstanden? Was hat der Auferstandene gemacht, nachdem ihn der Vater von den Toten auferweckt hat? Hat er sich aus dem Staub gemacht – nach dem Motto „Nichts wie weg von hier! Nichts wie weg von einer Erde, auf der man verraten, verkauft und umgebracht wird! Nichts wie weg von einer Welt, in der einen sogar die besten Freunde hängen lassen, wenn es ernst wird! Nichts wie weg – und zwar in den Himmel, dorthin, wo man sicher ist vor den Menschen; wo einem nichts mehr passieren kann, sondern wo man endlich seine Ruhe hat, seine Ewige Ruhe!“

Nein, der Auferstandene ist nicht geflohen von dieser Welt. Nein, er hat sich nicht aus dem Staub gemacht. Sondern er hat sich auf den Weg gemacht, auf den Weg gemacht zu den Menschen, und zwar genau zu diesen Menschen, die ihn da am Karfreitag haben hängen lassen; zu denen, die da weggelaufen sind als es ihm an den Kragen ging – und die gesagt haben: Nein, ich kenne diesen Menschen nicht. Mit dem habe ich nichts zu tun, überhaupt nichts…

Ja, der Herr ist auferstanden – und zwar mitten hinein in diese erbärmliche Jüngergemeinschaft;
hinein in die Mitte dieser Menschen, die sich da versteckt und eingeschlossen haben aus Furcht vor den Juden;
mitten hinein in ihre Angst, die sie so lähmt und tot gemacht hat, dass sie nichts mehr tun können. Nichts mehr.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

dort hinein ersteht er auf. Dorthin bringt er das Leben, neues Leben.
Und dass es ein wirklich neues Leben ist, das er bringt, zeigt sein Tun.

Schauen wir noch mal hin auf das, was er tut. Denn das ist so wichtig: Keine Vorwürfe wegen ihres Verrates! Keine Vorhaltungen, weil sie weggelaufen sind, als er sie gebraucht hätte! Keine Strafe wegen ihres schwachen Glaubens – sondern Vergebung. „Friede sein mit Euch!“

Das erste Wort, das der Herr für diesen erbärmlichen und verängstigten Jüngerhaufen hat, ist ein Friedensangebot. „Friede sei mit Euch!“ Gleich zweimal sagt der Herr es ihnen, damit auch der Letzte es in seiner Angst noch hören und wahrnehmen kann. Frieden. Was kann es schöneres geben als ein Friedensangebot – mitten in der Angst?! Was kann es schöneres geben als das Angebot eines neuen Anfanges – nachdem man so ziemlich alles falsch gemacht hat?!

Was ließe einen da mehr aufatmen als die neue Zusage der Freundschaft – gerade dann, wenn man gemeint hat, es wäre nun alles aus, weil man so ziemlich alles falsch gemacht hat?!

  
Liebe Schwestern und Brüder,

das, was der Herr da tut, das lässt auf-leben, das lässt neu leben, neu hoffen und nach vorn schauen?! Da ist wieder Zukunft möglich. Und genau das ist Leben!

Und Jesus kann noch eins draufsetzen: „Empfanget den Hl. Geist“, so sagt er ihnen.  „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben!“

 
Liebe Schwestern und Brüder,

das ist der Auftrag an diese Jünger. Sie, diese verängstigten und in ihrer Angst verschlossenen Männer, sollen Vergebung bringen, Vergebung in die Welt hinaustragen – und somit auch dort neues Leben möglich machen, mit Gott versöhntes Leben.
Sie sollen zu all denen gehen, die auch voller Angst sind; zu all denen, die sich auch nichts mehr trauen und zutrauen, zu all denen, die am Ende sind – und sie sollen ihnen Mut machen zu einem neuen Anfang, zu neuem Leben. 

Und dass sie das können, das liegt nicht an ihnen. Wie sollten sie das auch können mit all ihrer Angst und Schwäche?!
Nein, dass sie das können, das liegt an ihm, dem Auferstandenen: Es ist SEIN Geist; es ist SEINE Kraft; es ist SEINE Liebe, die das möglich macht – damals und heute.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

damals und heute, so habe ich gerade gesagt. Denn Ostern hört seit damals nicht auf. Und die Oster-Botschaft von damals heißt für uns heute:
Jesus ersteht auch heute auf – mitten in unsere Gemeinschaft hinein.

Jesus ersteht auch heute auf – mitten hinein in unsere Angst, mitten hinein in unsere Verschlossenheiten und Nöte. Jesus ersteht in unsere Mitte hinein auf - und er schenkt uns Frieden: Der Friede sei mit Euch! – das ist sein Gruß – auch an uns heute Nacht/Morgen.

Und auch wir empfangen seinen Hl. Geist – nicht nur in Taufe und Firmung, sondern auch jetzt, wenn wir uns um den Auferstandenen versammeln, wenn wir ihn in unsere Mitte nehmen – und wenn wir uns dann senden lassen in unsere Welt – in seinem Namen und mit seiner Macht.

Ja, Ostern ist heute, Ostern ist jetzt – dann, wenn wir es nicht als etwas Vergangenes feiern, als was „von gestern“, sondern wenn Ostern es mit uns zu tun bekommt – dann, wenn wir hinausgehen und den Menschen die Sünden vergeben, jenen, die uns enttäuscht und hängen lassen haben.

Ostern ist dann, wenn wir all jenen, mit denen wir uns so schwer tun, einen neuen Anfang und eine neue Chance schenken, damit es besser werden kann zwischen uns.

Ja, Ostern ist dann, wenn wir dem Leben und den Menschen mehr trauen als unserer Angst.

Und damit wir das auch wirklich können,  dazu schenkt er uns Seinen Geist - und zwar hier und jetzt.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch