Predigt von Richard Baus zum 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Mk 1,21-28

 
Liebe Schwestern und Brüder,

 
kennen Sie noch das Märchen vom Rumpelstilzchen? Dieses „Unwesen“, das das Kind der Königin holen will und das seine Macht erst verliert, wenn die Menschen seinen Namen kennen.
„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“, so singt es. Und erst als die Königin sagen kann: Heißt du Rumpelstilzchen?, da muss es weichen und die Königin in Ruhe lassen.

Dahinter steht die Vorstellung: Wer den Namen und damit das Wesen eines Menschen benennen kann, der kann die Macht dieses Menschen brechen und ihn aufhalten.
Das hat mit alten Bannsprüchen und mit „Zauberritualen“ zu tun – zumindest glaubten das die Menschen in sehr frühen Zeiten.

So etwas ähnliches haben wir eben im Evangelium gehört. Sie erinnern sich. Da schreit der unreine Geist, als er Jesus bei seiner Predigt hört: Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes.
Und er hofft wohl, dass er damit die Macht dieses Jesu brechen kann. Denn er weiß sehr wohl: Wo dieser Jesus ist, da ist kein Platz mehr für ihn.

Wo Jesus ist, da ist das Heil Gottes, und da müssen alle unreinen Geister, da muss alles, was diesem Heil im Wege steht, weichen.

Unreine Geister, was sind das? Nun, sicher keine Teufel, sicher kein Satan oder so etwas;
nein, „unreine Geister“ sind wohl eher all diese Aber-Geister, die es in unserer Welt gibt;
Menschen, die zu allem, was gesagt wird, immer noch ein Ja-ABER parat haben – und die allem widersprechen müssen, was an Gutem und Heilsamem gesagt wird, um es schlecht zu reden.

Ist ja schon spannend, dass in der Synagoge von Kapharnaum Platz war für solche Aber-Geister. Dass solche Geister da ohne Angst ein und ausgehen konnten.
Anscheinend war die Verkündigung dort so harmlos, dass es keinem von ihnen an den Kragen ging.

Aber dann,  als Jesus mit Vollmacht den Mund auftut und von SEINEM Gott spricht, von SEINEM Gott, der sich nicht aufhalten lässt von den vielen „Aber“ der Menschen und der so viel Macht hat, Vollmacht, dass er sich nicht einsperren lässt in Formeln und Gesetze, sondern der das Heil aller Menschen will, auch das Heil für die Versager, auch für die, die es nicht schaffen, alles richtig und rechtens zu machen und deren Lebensentwürfe immer wieder scheitern, - da müssen diese Geister weichen, die einen Menschen so besetzen können, dass er davon krank und unheil wird. Da nützen diesen Geistern auch keine Bannsprüche mehr. Sondern wo Gott ist, da ist Freiheit, da ist Heil.

  Liebe Schwestern und Brüder,

diese Phänomen aus der Synagoge von Kapharnaum, das gibt es heute immer noch – leider auch in unserer Kirche:
Wenn da irgendwo ein liebender Gott verkündet wird, der barmherzig ist – und dann kommt garantiert einer, der dem ein Aber entgegensetzt:

Barmherzig - JA , aber nur nicht zu viel. Denn wo kommen wir sonst hin! Es muss doch eine Ordnung geben.

Wenn der Papst von einem barmherzigen Gott spricht, der größer ist als die Gesetze – und dann kommt gleich einer und sagt: Ja, aber da und dort steht doch was anderes. Da gibt es doch die Dogmen, die Lehre der Kirche. Und wenn wir das jetzt anders machen, dann geht alles den Bach runter.
Und dann darf all das, was einem Menschen in seinen Nöten und mit seinen Problemen Heil bringen würde, nicht mehr sein.
Es könnte ja zu viel Freiheit herrschen….

Immer, wenn es irgendwo in der Kirche weit wird, dann ist das die Stunde der Kleingeister, die nicht aus der Weite und der Größe Gottes kommen (J. Stieren),  sondern aus der Enge und der Angst der Menschen, aus der Angst vor zu viel Leben und aus der Angst vor einem Gott, der die Menschen mit seinen Weisungen heil und gesund macht.

Und wie oft machen diese Aber-Geister dann das Gegenteil – sie machen krank und ängstlich und nehmen den Menschen die Freiheit, die Gott ihnen doch geschenkt hat -- die Freiheit der Kinder Gottes.

Da braucht es dann auch heute einen Jesus, der mit Vollmacht lehrt - und nicht wie die Schriftgelehrten - und der von seinem Gott spricht:

Von einem Gott, der nicht straft, sondern der seine Macht nutzt, um zu befreien;
ein Gott, der nicht verdammt, sondern erlöst,
der nicht niederdrückt, sondern aufrichtet;
der den Menschen nicht kleinhalten, sondern der ihn groß machen will. Aufrecht und frei.
Denn so hat sich Gott den Menschen bei seiner Erschaffung geträumt. Und diesen Traum wird er sich nicht nehmen lassen.
Auch nicht von diesen Aber-Geistern. Und es ist gut zu wissen: Wo er ist, da ist kein Platz mehr für Aber-Geister, sondern ganz viel Platz für das Heil!

Wie verkünden WIR Gott – zuhause, bei den Mitmenschen….? Auch immer mit einem „Aber“, immer mit einer Bedingung und mit Voraussetzungen, damit man auch alles immer noch im Griff hat und steuern kann?
Oder verkünden wir einen Gott, der ohne Voraussetzungen liebt? Und der sich ganz bedingungslos schenkt?? Jedem???

Es gab vor längerer Zeit mal einen höchst interessanten Artikel, in dem ein christlicher Theologe, dessen Name ich leider vergessen habe, ein „Burka-Verbot für Gott“ fordert.

Diese Burka, die Frauen mancherorts im Islam anziehen müssen, weil extrem fromme Männer anscheinend Angst haben; Angst um diese Frauen - vielleicht aber noch mehr, Angst vor diesen Frauen – denn diese Frauen, so sagen sie, könnten andere Männer ja verführen. Deshalb: Verschleiern. Verstecken. Und sie sagen, dass Gott das so wolle.

Und dieser Theologe ist der Ansicht, dass all die „kleinen Geister“ in unserer Kirche genau das auch mit unserem großen Gott machen: Sie verschleiern ihn;

sie machen all seine Schönheit unsichtbar durch enge Vorschriften;
und sie verstecken diesen Gott hinter vielen kleinlichen Gesetzen.
Hinter Gesetzen, die sie selbst gemacht haben – und sie sagen, dass Gott das so wolle.

Und dann, so der Theologe, bleibt von diesem Gott, der Licht sein will, oft nur noch ein Schatten. Ein Schatten, der sich dann auf das Leben legt – und es manchem vielleicht sogar nimmt.

Ein Gott der Kleingeister und Dämonen. Ein Gott der Enge, den man sehr gut benutzen kann, um Menschen zu beherrschen.

Deshalb fordert er, Gott zu entschleiern; all das wegnehmen, was ihn verbirgt – damit wir ihn erfahren können wie er wirklich ist:
Nämlich der Gott unseres Herrn Jesu Christi, den uns das Evangelium von heute gezeigt hat – der Gott, vor dem die Dämonen und Kleingeister es in der Tat mit der Angst zu tun bekommen  –

weil er groß und heilvoll ist.

Ein Gott, den niemand benutzen darf, um uns das Leben schwerer und komplizierter zu machen als es eh schon ist, weil er das gar nicht will -- sondern er will uns das Leben groß und weit machen - mit seiner grenzenlosen Liebe und seinem Erbarmen, das nie endet.

Und dem kann ich einfach nur zustimmen.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch