Predigt von Richard Baus zum 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Mk 1, 29-39

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus, der die Kranken heilt. Der anscheinend unablässig für die Menschen da ist, damit sie von Krankheiten und Nöten geheilt werden, so erleben wir Jesus seit ein paar Sonntagen.

Und der so viel Betrieb um sich herum hat, dass er kaum noch zu sich selbst kommt. So stellen wir uns Jesus ja auch wohl vor - so mögen wir ihn.

Heute zeigt uns das Evangelium aber auch noch eine andere Seite dieses Jesus`: Diesen Jesus, der in der Frühe, als es noch dunkel ist, aufsteht, an einen einsamen Ort geht, um zu beten.

Ein Jesus, der betet. Ein Jesus, der nicht von morgens bis abends für alle da ist, sondern der auch Zeit für sich braucht, um zu beten, um zwischendurch auch noch mal zu sich selbst zu kommen - und mit seinem Gott, seinem Vater, allein sein zu können.

Jesus, der sich eine „Auszeit nimmt“, damit er nicht selbst am Ende einen Arzt braucht, der ihn von seinen Dämonen befreit.
Vom Dämon, so wichtig zu sein, dass man rund um die Uhr erreichbar ist. Vom Dämon, zu meinen, man müsste die ganze Welt retten. Vom Dämon, ohne ihn ginge es nicht.

Spannend: Obwohl da noch so viele Leute, so viele Kranke auf ihn warten, die von ihm geheilt werden sollen, obwohl da noch so viel „Arbeit“ auf ihn wartet, da geht er weg. Er lässt sich nicht festhalten von den Erwartungen der Menschen, sondern er will das tun, was er für sich als seinen Weg entdeckt hat: Er will nicht einfach nur dauernd Wunder wirken, sondern predigen, predigen und Dämonen austreiben. Also all das vertreiben, was Gott und seinem Heil entgegensteht.

Und anscheinend wird ihm das, sein Auftrag, erst wieder in der Stille klar. Im Gebet. 

Gebet als Ort, noch einmal zu sich zu kommen. Gebet und Stille als Orte, in denen ich neu entdecken kann, was mein Weg ist, wozu mich Gott braucht.

Wir wissen nicht, wie Jesus gebetet hat - und auch nicht was.

Aber ich vermute einmal, dass dieses Gebet in der Stille nicht darin bestand, jetzt möglichst viel an „Pensum“ herunter zu beten, möglicht viele Worte aneinander zu reihen, damit Gott da irgendwie „zufrieden“ mit seiner Leistung war, sondern dass Gebet für ihn Gespräch war. Dialog mit Gott. Dialog, in dem auch das Gegenüber mal zu Wort kommen darf. Nämlich Gott.

Ich bin einmal über das schöne Wort gestoplert: Die Stille ist der Arbeitsplatz Gottes. Die Stille. Die Zeit, in der nicht wir dauernd reden, sondern in der wir auch mal hören können, hinhören und zuhören, was Gott uns vielleicht zu sagen hat.

Die Stille, in der es nicht auf unsere Leistung ankommt, dass wir schon wieder ganz viele Gebete „losgeworden“ sind, zwei Rosenkränze oder so was, sondern darauf, das Gott uns in dieser Zeit, die wir ihm reservieren, die wir für ihn haben, beschenken darf - mit seiner Gegenwart, mit seiner Liebe und seinem Wohlwollen. 

Gebet als Oase. Gebet als „Tankstelle“, in der wir nicht schon wieder „abliefern“, sondern auftanken können, empfangen - um dann wieder neu in unseren Alltag aufbrechen zu können.

Denn wer nichts hat, der kann auch nichts geben. Und wer nicht aufgetankt hat, der kommt auch nicht weit.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ich muss sagen, dass ich dankbar bin für diese kleine Notiz des Evangelisten Markus, die mir auch diese andere Seite Jesu zeigt: den Betenden, den Stillen - und den auf Gott Hörenden.
Ein Jesus, der nicht immer nur gegeben hat, sondern der auch bedürftig war und die leeren Hände seinem Vater hingehalten hat.

Für Menschen, die sich nur über Leistungen definieren, für „Macher“, die meinen, sie seien nur dann „wichtig“, wenn der Terminkalender voll ist - und für die Stille und Einsamkeit verlorene Zeit ist, ist das sicher Zeitverschwendung - und damit Herausforderung.

Aber für Menschen, die auch „Empfangende“ sein können, ist das sicher ein Gewinn.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, die Eucharistie ist solch ein Ort, in dem wir Hörende und Empfangende sein dürfen. Oase und „Tankstelle“.

Wenn in der Ostkirche der Gottesdienst beginnt, dann kommt der Diakon und sagt: Jetzt ist die Zeit, in der Gott handelt.

Und dann weiß jeder: Jetzt kommt es nicht darauf an, ob wir fromm genug sind, ob wir laut genug singen und möglichst viele Gebet sprechen, sondern jetzt kommt es darauf an, Gott auch handeln zu lassen -

liebevoll und barmherzig, heilsam und heilend.
Denn das, was wirklich wichtig ist, das tut er. Und das ist sein Geschenk an uns.

Damit hier nicht nur Brot und Wein verwandelt werden, sondern auch wir.

Damit wir anders hier weggehen können als wir hergekommen sind - nämlich geheilt und getröstet. Geheiligt und gerechtgemacht,
Menschen, die einander Brüder und Schwestern sind.

 
Amen




Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch