Predigt von Richard Baus zum Fest der Erscheinung des Herr, Lesejahr B

Liebe Schwestern und Brüder,
 

jetzt sind sie also angekommen, die Hl. Drei Könige, jene Menschen, die eine so große Sehnsucht nach dem König der Welt in sich verspürt haben, dass sie sich auf einen langen und abenteuerlichen Weg machen.

Ja, sie brechen auf aus all dem, was ihnen bis dahin bekannt war und worin sie sich sicher und wohl gefühlt haben, um nach etwas Neuem zu suchen:

- nach etwas, was wohl größer war als das, was sie hatten - und wichtiger als alles, was bisher dagewesen war.

Eine Vision, die so faszinierend war, dass sie ihnen "Beine machen" konnte: Dieser neugeborenen König, der so wichtig für die Welt und für das Heil der Menschen ist, dass bei seiner Geburt sogar ein Stern aufgegangen ist, damit auch alle es sehen können.
 

Liebe Schwester und Brüder,

mit dieser "Fortsetzung" innerhalb der Weihnachtsgeschichte erzählt uns das Matthäus-Evangelium etwas sehr Wichtiges, etwas theologisch sehr Wichtiges - etwas Wichtiges über Gott:

Diese Weggeschichte der Sterndeuter will die enge Krippenszene mit den Hirten aus Bethlehem aufbrechen und weiten - auf die Welt hin. Da ist "Globalisierung" angesagt. Denn da kommen auf einmal Vertreter fremder Völker, um das neugeborene Kind anzubeten.

Und damit will uns diese Geschichte sagen: Gottes Heil ist nicht nur auf eine Region in der Welt beschränkt, sondern Gottes Heil gilt aller Welt. Gottes Heil beschränkt sich nicht nur auf ein paar Personen, sondern es gilt allen Menschen - unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion.

Gottes Heil überspringt die Grenzen, die Menschen in ihren Köpfen haben;

Gottes Heil sprengt die Grenzen von Politik und Religionen und sucht sich seinen eigenen Weg - über alle Grenzen hinweg zu allen Menschen, egal wo sie leben und glauben.

Wichtig ist nur, dass diese Menschen Suchende sind; dass sie noch von Gott her etwas erwarten - und dass sie sich ansprechen lassen können von Gottes großer Liebe und Sehnsucht nach uns Menschen - einer Sehnsucht nach uns Menschen, die so groß ist, dass er total aus sich herausgegangen ist - und selbst ein Mensch wurde. Sichtbar erschienen ist. Mit Hand und Fuß. Ein Mensch, in dem Gott sich uns zeigen und zu uns Menschen sprechen kann.

Ja, Gott tut alles, damit Menschen ihn auch finden können.

Das ist ein spannender Perspektivenwechsel, den unsere Hl. Schrift uns da aufgeschrieben hat:


Liebe Schwestern und Brüder,

wir  werden am Ende nicht gerettet, weil wir den "richtigen" Glauben haben, sondern weil Gott zu uns will; weil Gott sich von uns finden lassen will. Gott ist der Aktive in dieser Geschichte. Er ist es, der sich uns offenbart.

Ich muss nur kommen und ihn anbeten wollen. Mich öffnen für das Geschenk seiner Sehnsucht nach uns Menschen.

Alles andere tut er. Es ist SEIN Geschenk. Er schenkt sich uns - ohne Bedingungen und ohne Vorleistungen. Denn er will doch, dass wir ihn finden - er will doch in unser Leben hineinkommen, er will unser Leben verändern. Es neu machen, heil-voll machen.

Und da ist das Zweite, was mich an der Weihnachtsgeschichte so fasziniert: Dass alle wieder nach Hause - und an ihre Arbeit gehen.

Die Hirten, die Magier - und selbst Maria und Josef mit dem Kind. Es bleibt kein Mensch im Stall, sondern alle gehen zurück in ihren Alltag. Aber alle sind irgendwie verwandelt - so betont es die Hl. Schrift.

Sie gehen anders weg als sie gekommen sind

Vielleicht will uns das sagen:
So wichtig uns die Feste sind, so notwendig wir die Feiertage brauchen, um uns im Glauben zu rüsten und um die Freude am Glauben zu haben, leben müssen wir den Glauben jedoch in unserem Alltag.

Das ist kein Feiertagsglaube, den wir haben, sondern einen Glaube für alle Tage. Ein Glaube, der unseren Alltag - und damit auch unsere Welt - verwandeln will.

Und das geht nur, wenn wir uns wandeln lassen.

In einem kleinen Text heißt es:

"Wenn das Lied der Engel wieder  verstummt ist,
wenn die Sterne am Himmel verschwunden sind,
wenn die Könige und Fürsten nach Hause zurückgekehrt
und die Hirten wieder bei den Herden sind, 
dann beginnt die Arbeit von Weihnachten:

die zu finden, die verloren gegangen sind,
zu heilen, deren Herz zerbrochen ist,
die Hungrigen zu speisen, 
die Unterdrückten zu befreien,
und allen Völkern den Frieden zu bringen,
-  und ein wenig Musik zu machen in unseren Herzen..."

Ja, nach Weihnachten, jetzt, beginnt die Arbeit von Weihnachten.

Und die Arbeit von Weihnachten besteht darin, dass wir das Heil, das uns geschenkt ist, nun selbst in die dunklen Ecken unserer kleinen Welt tragen, dort, wo wir leben, damit es auch dort hell wird.

Die Arbeit von Weihnachten besteht darin, dass wir all das, was Jesus getan hat, nun selber tun: Suchen, heilen, befreien, zu essen geben und Frieden bringen damit er an Weihachten auch wirklich Mensch geworden ist --- in uns - und das ist dann, wenn wir nach Weihnachten anders leben als vorher.
 

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch