Predigt von Richard Baus zum Feiertag Darstellung des Herrn, 02.02.2016

Fest der Darstellung des Herrn  2016

Liebe Schwestern und Brüder,
In der Ostkirche trägt unser heutiges Fest den Namen „Fest der Begegnung“.

Denn bei dieser Darstellung des Kindes im Tempel, begegnet Gott den Menschen;  Christus begegnet seinem Volk – als Retter und Messias.

Und dieses Volk wird durch zwei sympathische Menschen symbolisiert:

Simeon und Hanna. Zwei alte Leute, Senioren, Menschen, die sicher vom Leben nicht mehr viel zu erwarten haben, denn das meiste ist da gelaufen - aber sie leben immer noch in Erwartung: Sie erwarten sich immer noch etwas - und zwar von Gott.

Sie warten auf das Heil, das ihnen doch verheißen ist.

Und das mit Recht, denn ER will doch ihr Heil sein, in IHM liegt doch  Vollendung all ihrer Sehnsüchte und Träume - so lautet seine Verheißung. 

Und ihr langes gottgeweihtes Leben hat sie fähig gemacht, dieses Heil auch tatsächlich  zu erkennen - selbst wenn es mitten an einem gewöhnlichen Tag kommt, und an einem Ort, wo sie jeden Tag ein und ausgehen und wo im Normalfall überhaupt nichts Besonders geschieht.

Ihr langes Leben hat sie gelehrt, dass man nicht alles organisieren und nicht alles „machen“ kann, sondern dass man sich die wirklich wichtigen und großen Dinge nur schenken lassen kann. Die kommen „von oben“.

Und dann ist es nicht entscheidend, dass dieses Geschenk auch groß und auffällig daherkommt, so dass es ins Auge fällt , sondern dann zählt das, was ins Herz fällt, was das Herz berührt -wie solch ein kleines Kind.

Zwei Menschen, die wohl auch in ihrem langen Leben gelernt haben, dass Gott nie so daherkommt, wie wir Menschen uns das vorstellen und es uns oft genug wünschen, sondern Gott kommt immer so, wie ER will - und wie es „passt“ --- wie es ihm passt – und so, dass er auch zu uns passt. Ja, nicht wir können das machen, sondern Gott wird das schenken.

Und deshalb wissen sie wohl: Sie können ganz gelassen sein. Gott vergisst sie nicht und er übersieht sie nicht. Für Gott niemand zu alt, niemand zu krank, keiner zu jung, zu klein oder sonst was; und wenn Gott kommt, dann so, dass er jedem Menschen begegnen kann – jedem, der ein Herz hat, das sich anrühren lässt - von der Schwachheit eines Kindes – und von der Liebe eines großen Gottes, der sich so klein machen kann, dass er zu uns passt – damit er uns nicht erschreckt, sondern erfreut.
Und damit wir ihn nicht fürchten müssen, sondern ihn liebhaben können – weil er unser Heil ist, und das Licht in unserem Dunkel.

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Herr kommt in sein Heiligtum, in seine Stadt, in seinen Tempel – ja, er kommt zu uns.

Und das nicht nur heute an diesem Fest, sondern er kommt immer: Immer, wenn wir zu Beginn einer Eucharistiefeier singen oder rufen: Kyrie eleison.

Immer, wenn wir in der Kirche oder zu Hause eine dieser geweihten Kerzen anzünden.

Und immer, wenn wir uns nach dem Heil sehnen - in unserer Angst und Not, in unserer Schuld und unseren Dunkelheiten.

Der Herr ist immer auf dem Weg zu uns, um uns, sein Volk, zu suchen und zu besuchen.
Und deshalb ist es gut, dass wir ihn erwarten,  wie Someon und Hanna, damit er uns auch wirklich antreffen und begegnen kann, wenn er auf dem Weg ist zu uns.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch