Predigt von Richard Baus zu Fronleichnam

Liebe Schwestern und Brüder,

in einem kleinen Artikel fand ich ein paar bemerkenswerte Gedanken zum heutigen Fronleichnamsfest. Es ging um die Frage, was wir denn als Kirche heute von diesem Fest noch einmal neu lernen könnten. Ich möchte diese Gedanken gerne mit Ihnen teilen.

Da hieß es als erstes: An Fronleichnam gehen wir aus der Kirche hinaus. Wir verlassen einen ummauerten Raum und gehen auf die Straßen hinaus.
Das könnte uns lehren, dass wir als Kirche die Aufgabe haben,  „das Weite zu suchen“. Denn Jesus hat uns doch zum Leben befreit, zu einem großen und weiten Leben, ohne Angst vor kleinlichem Denken.

Jesus traut uns zu, dass wir leben können,  ohne dass man uns alles kleinlich vorschreiben und kleinkariert festlegen muss, sondern dass wir leben können aus dem Vertrauen heraus, dass ER mit uns unterwegs ist und dass er uns führt. Er ist doch unser Hirte.

Und einer der meistgesungenen Psalmverse lautet nun einmal „Du führst uns hinaus ins Weite“. Und das sollten wir auch ernst nehmen – und nicht denen Macht über uns geben, die das nicht wollen, weil sie Angst haben vor zu viel Weite und alle lieber im Stall einschließen.

Im Stall kann man nicht viel falsch machen, das stimmt. Aber dort kann man auch nicht wirklich leben – höchstens drauf warten, dass man gemolken, geschoren und dann geschlachtet wird.

Als zweites, was wir lernen können vom Fronleichnamsfest,  wurde dort genannt: Fortschritte machen.
Wir ziehen in einer Prozession durch die Straßen. Das lateinische Wort „Prozession“ kommt von „procedere“. Und das heißt: vorwärtsgehen, voranschreiten, fortschreiten.
Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss fortschreiten. Und das gilt auch im übertragenen Sinne.

Kirche darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss sich weiterentwickeln. Sie muss Schritt halten mit den Menschen; muss beweglich bleiben, um immer neue Wege zu finden, sich unserer Welt mitteilen zu können. Wer nur auf der Stelle tritt, der kann vielleicht Sauerkraut stampfen, das man dann einmacht und „konserviert“. Aber Kirche soll nicht konservativ, nicht sauertöpfisch, sondern lebendig und liebenswert sein – und immer neu Fortschritte machen.
Und unsere Bistumssynode rät uns genau da zu: Nicht stehen zu bleiben bei dem was war – und nun nicht mehr zu funktioniert, sondern zu gehen – auf die Menschen zu und in die Zukunft hinein, damit Kirche eben nicht stehenbleibt, sondern immer noch Zukunft hat.

Und ein Drittes, so sagt es der Artikel, kann die Kirche von ihrem schönen Fest Fronleichnam lernen:

Nämlich „Christus hochhalten“. Wir machen das, wenn wir die Hostie in die Monstranz stellen und hochhalten. Damit bringen wir zum Ausdruck: Christus ist uns heilig. Mehr noch, er ist unser Allerheiligstes. Er ist uns so wichtig wie das Brot. Ohne ihn können und wollen wir nicht leben –

nicht ohne sein tröstendes und ermutigendes Wort,

nicht ohne seine Zusage eines erlösten und befreiten Lebens, das er aus Lieben für uns erworben hat,

nicht ohne die Gemeinschaft, die er um seinen Tisch versammelt.

Wir wollen diesen liebevollen, barmherzigen und guten Christus hochhalten – und ihn in unsere Mitte stellen – nicht uns selbst und auch sonst keinen Menschen, sondern nur IHN, den Herrn, damit er in seiner großen Liebe und seinem grenzenlosen Erbarmen uns alle an sich ziehen kann.

Die Weite suchen – dort, wo man leben kann.

Voranschreiten – und nicht auf der Stelle treten.

Und Christus hochhalten – damit alle sehen: Er ist das Allerheiligste, das wir haben.

Ein sprechendes, und auch sehr anspruchsvolles Programm.

Aber wir sollten dabei sein – und mitmachen.

Amen

 

(Gedanken aus der 5-Minuten-Predigt „Operieren, nicht narkotisieren“ von Wolfgang Raible im Anzeiger für die Seelsorge 5/2016)

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch