Predigt von Richard Baus zu Karfreitag, 25.3.2016

Karfreitag 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

da hat uns die Leidesgeschichte eben von einem wichtigen Moment berichtet, von einem für uns so wichtigen Moment: Der Herr hängt am Kreuz. Der Herr ist von der Erde am Kreuz erhöht.

Warum ist das so wichtig? Weil es an einer anderen Stelle im Johannes-Evangelium, wenige Kapitel vorher heißt: Wenn ich am Kreuz erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.
Dann werde ich alle erlösen. - Und da geht es ja jetzt um uns!

Ich muß mich hier an eine Geschichte aus dem AT aus dem Buch Numeri erinnern. Wir hören sie am Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Das Volk Israel ist auf seinem Zug durch die Wüste wieder einmal unzufrieden geworden. Sie murren. Es geht nicht schnell genug. Alles ist nicht so, wie das Volk es gerne hätte. Das Manna schmeckt ihnen nicht mehr - und sie werfen Mose vor, Gott wolle sein Volk in der Wüste umbringen. Da wird Gott zornig und schickt zur Strafe Giftschlangen unter das Volk. Wer gebissen wird, stirbt.

Als das Volk sieht, was es angerichtet hat, da bittet es Mose, Gott zu besänftigen. Und Gott läßt sich in der Tat besänftigen. Gott reut sogar das Unheil, das es dem Volk angedroht hatte. Und er befiehlt Mose, eine Kupferschlange anzufertigen und an einer hohen Stange aufzuhängen. Wer gebissen wird und zu der Kupferschlange aufblickt, wird gerettet und bleibt am Leben.

Wer zur Schlange aufblickt -- wer sich hinwendet zu ihr und von dort her Hilfe erhofft, der bleibt am Leben.

Wie spannend, liebe Schwestern und Brüder,
da werden von Gott keine Leistungen verlangt zur Strafe, keine Opfer, keine Buße, sondern  einfach nur eine Hinwendung. Sich gläubig anziehen lassen von dieser Schlange am Kreuz.

Wer an mich glaubt, so sagt Jesus einige Jahrhunderte später, hat das Ewige Leben.
Wer sich mir im Glauben zuwendet, weil er sich von mir Hilfe erhofft, der bekommt sie. Mehr noch, der hat Anteil an meinem Leben.

Deshalb steht oder hängt in jeder Kirche das Kreuz - damit wir es vor Augen haben - und uns voll Liebe hinwenden können. Weil wir wissen: Im Kreuz ist Heil. Im Kreuz ist Erlösung - uns geschenkt. Weil der, der daran hängt, uns so sehr liebt.

Und auch für uns gilt: Keine besonderen Leistungen. Keine besonders schweren Bußübungen, um uns da irgendetwas zu verdienen, keine Opfer.

Denn die Opfer sind alle gebracht. Auch wenn wir immer meinen, wir müßten noch was hinzufügen. Auch wenn es immer noch Leute gibt, die uns einreden wollen, was Jesus getan hat, wäre noch nicht genug, sondern wir müßten da auch noch mal ran.

Doch, es ist genug. Sein Blut ist vergossen für ALLE - ohne Ausnahme - so zitieren wir Jesus in jeder hl. Messe bei der Wandlung. Sein Leib ist hingegeben für uns, für uns hier und für alle, die er an sich zieht.

Um wirklich Anteil daran zu haben, um wirklich mit hineingenommen zu sein in das Heil Gottes, bedarf es nur noch der Hinwendung, unserer Hinwendung. Es bedarf nur noch der Liebe, unserer Liebe - und dann stehen wir mitten drin im Heil.

Und wenn wir gleich zum Kreuz gehen, das vor unseren Augen aufgerichtet ist, dann müssen wir dort nicht zu Kreuze kriechen wegen unserer Schuld, sondern wir dürfen voll Freude darauf zugehen, wegen des Erbarmes, das uns dort erwartet.

Dann dürfen wir ihm geradezu in die ausgebreiteten Arme hineinlaufen - und uns bergen lassen an seinem Herzen.

Denn das Kreuz ist der Treffpunkt der Liebe. Dort, in den Armen des Herrn und an seinem geöffneten und durchbohrten Herzen, da finden wir Heimat und Geborgenheit.Dort haben wir Wohnsitz und Platz (Ernst Alt), dort haben wir das Leben.


Und dieses Leben, dieses vom Herrn erworbene und uns geschenkte Leben feiern wir heute. Denn das ist das Geheimnis unseres Glaubens: Im Tod ist das Leben.

In SEINEM Tod - ist UNSER Leben.


Das ist die ZUSAGE, die der Herr uns hier macht – hier unter seinem Kreuz.
Und er tut es aus Liebe.

Liebe Schwestern und Brüder,
auf einem Poster eines Bischöflichen Hilfswerkes habe ich mal gelesen: 

Erlöste leben anders..…

Anders - was heißt das.
Nun, anders heißt sicher: So dass man auch etwas davon merkt. Dass man uns an-merkt, wes Geistes Kind wir sind.
Also nicht wie irgendwelche 0815-Menschen deren es genug gibt, sondern als Christinnen und Christen – eben als Erlöste.
Als Frauen und Männer, die aber Erlösung nicht nur für sich selbst erhoffen, sondern die auch anderen helfen wollen, Erlösung in ihrem Leben erfahren zu können.

Menschen, die wie dieser Jesus leben – nämlich so, dass andere etwas davon haben.

Das ist die AUFGABE, die wir mitnehmen, wenn wir wieder weggehen von hier, vom Kreuz.
Und auch wir sollten das tun - aus Liebe.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch