Predigt von Richard Baus zum 1. Adventssonntag, 29.11.2015

Lk  21, 25-28.34-36

Liebe Schwestern und Brüder,

„Adventus“, so nannte man im Alten Rom den triumphalen Einzug eines Kaisers, wenn er nach einem gewonnen Krieg wieder in die Kaiserstadt zurückkehrte. Bei diesem Einzug wurden Gefangene mitgeführt, um zu zeigen, wie siegreich der Kaiser war; Gefangene, die man dann später umbrachte und als Opfer dargebracht hat.

Nun feiern wir Advent -  das Warten auf die Ankunft des Herrn, der
wiederkommen wird in Herrlichkeit.

Aber ist das die Art von König, die wir erwarten – am Ende der Zeit? Müssen wir uns auch auf einen solchen König gefasst machen, der seine „Kriegsbeute“ vor sich hertreibt, die Sünder, die dann ihr Leben lassen müssen nur um der Welt zu zeigen, wie machtvoll und mächtig er ist?! Müssen wir da nicht doch Angst haben, wenn er kommt, Angst vor seiner Macht und Herrlichkeit?

Sicher nicht, liebe Schwestern und Brüder.
Auch wenn die Bilder, die der Evangelist da gebraucht, einen vielleicht erschrecken lassen.  Es sind Bilder aus dem Buch Daniel und dem Buch des Propheten Joel entnommen sind. Bilder, die von einer großen Wende sprechen. Sie sagen: Der ganze Kosmos wird erschüttert. Er muß erschüttert werden, weil ja alles anders werden soll – und wenn wir genau hingehört haben, dann dürfen wir heraushören: weil ja alles besser werden soll! Denn alles soll ja am Ende vollendet sein!

Denn, so hieß es da bei Lukas: Wenn das alles geschieht, dann richtet euch auf,  und erhebt euer Haupt. Denn bei dieser Wiederkunft, da geht es nicht um den Terror und Gewalt, sondern dort geschieht Erlösung. Erlösung für eine ganze Welt. Erlösung für eine ganze Menschheit.


Ja, der Menschensohn wird am Ende der Zeit kommen –mit großer Macht und Herrlichkeit- um die Erde zu richten.

Aber wenn dieser Menschensohn richtet, dann hat das mit Erlösung zu tun. Wenn er richtet, dann richtet er uns auf. Wenn er Gericht hält, dann zählt er unsere Sünden nicht auf, um uns dann hinterher dafür bluten zu lassen, sondern um sie uns nachzulassen, zu vergeben. Vergebung. Barmherzigkeit. Darum geht es. Das ist das Ziel.


Liebe Schwestern und Brüder,
wenn dieser Menschensohn am Ende der Zeit wiederkommen wird, dann muss er doch dem Menschensohn des ersten Kommens, diesem Jesus von Nazareth,  noch ähnlich sein; denn wer sollte ihn sonst noch erkennen?!

Und bei seinem ersten  Kommen kam er doch in das Dunkel unserer Zeit, um diese Zeit, um unsere Erde hell zu machen, mit Hoffnung zu erfüllen.
Bei seinem 1. Kommen kam er auf unsere Erde, um zu zeigen, dass Gott das Heil der Menschen will – und das dieses Heil in ihm angebrochen ist. Deshalb hat er Kranke geheilt, Blinden die Augen geöffnet, Lahme wieder auf die eigenen Beine gestellt – und den Sündern ihre Schuld vergeben. Um zu zeigen: So mächtig ist Gott – und so anders als wir ihn uns so oft denken: Er ist nämlich viel liebevoller, viel menschenfreundlicher und viel barmherziger als wir uns das überhaupt vorstellen können. 

Wenn dieser Jesus bei seinem ersten Kommen als Mensch schon so heilvoll und gut war, um wie viel mehr wird er es bei seinem Wiederkommen am Ende der Zeit sein --- wenn er dann doch kommt, um alles zu vollenden, alles vollkommen zu machen, vollkommen gut und heil?!

Deshalb singen wir im Advent doch so viel von der Freude. Weil mit der Wiederkunft  Menschensohnes das Heil kommt. Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Und dort gibt es keinen Tod mehr und keine Tränen, sondern nur noch Freude über diesen guten Gott.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn der Menschensohn  am Ende der Zeiten auf der Wolke –wie es in diesem Bild heißt-  wiederkommen wird, dann wird das ein entgegenkommender Gott sein. Denn er kommt uns ja von seinem Himmel her entgegen.

Und so ist es kein Wunder, dass Papst Franziskus in der diesjährigen Adventszeit -am 8. Dezember-, das Jubiläum der Barmherzigkeit eröffnen wird - um uns allen zu sagen:  die Barmherzigkeit ist die herausragende Eigenschaft unseres Gottes.

Es gibt keinen anderen Gott als diesen barmherzigen. Und weil Gott so barmherzig mit uns ist, deshalb sollen auch wir barmherzig sein -- eben wie unser Vater im Himmel.

Und eines der tiefgreifendsten Bilder des neuen Testamentes für diese Barmherzigkeit Gottes ist das Bild vom Vater, der dem „verlorenen“ Sohn entgegengeht. Als der Vater diesen Sohn schon von weitem kommen sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn – so erzählt es uns Lukas, der Evangelist der Barm-herzigkeit.

Liebe Schwestern und Brüder,
noch bevor dieser Sohn noch irgendetwas sagen kann, da kommt der Vater ihm schon entgegengelaufen. Noch bevor der Sohn auch nur irgendwie um Vergebung bitten kann, da hat der Vater ihm schon längst vergeben, denn er fällt ihm um den Hals und küsst ihn.

Und dann, so erzählt Lukas weiter, lässt er Kleider, Sandalen und einen Ring für seinen Sohn bringen,  d.h. er gibt seinem Sohn seine Würde wieder, seine Würde als Sohn und Erbe.

Und dann wird das Mastkalb geschlachtet und gefeiert. Alles andere ist vergeben und vergessen.

Ein Schäfer, der dem verlorenen Schaf so lange nachgeht bis er es wieder in die Arme nehmen kann. Eine Frau, die ihr verloren-gegangenes Geldstück so lange sucht bis sie es wiederfindet.

Ein Vater, der seinem verlorenen Sohn entgegengeht und ihm ganz einfach all seine Schuld verzeiht.

Das sind die Bilder des Evangeliums für unseren Gott.
Bilder für den, der da wiederkommt, ja, der uns Menschen von seinem hohen Himmel her entgegenkommt.

Und dessen ganze Macht und Herrlichkeit dann nur ein einziges Ziel hat – nämlich uns zu vergeben und zu verzeihen.

Anders kann er nicht,  denn er ist barmherzig.                                                                

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch