Predigt von Richard Baus zum 1. Fastensonntag, 14.2.2016

1. Fastensonntag C  2016             

An diesem Sonntag hören wir natürlich in der Mutterhauskirche das Hirtenwort unseres Bischofs zur Österlichen Bußzeit 2016

Für Interessierte gibt es hier aber auch noch ein paar Gedanken zum Sonntagsevangelium  Lk 4, 1-13


Liebe Schwestern und Brüder,

Der Geist treibt Jesus in die Wüste, in die Einsamkeit, so haben wir es gerade gehört. Jesus macht also so etwas wie Exerzitien.

Und dort in dieser Einsamkeit, wird er vom Teufel in Versuchung geführt. Nach 40 Tagen hat er nämlich Hunger. Wen wundert das - nach einem so langen Fasten.

Und die Versuchung ist groß, seine göttliche Macht zu nutzen, um aus Steinen Brot zu machen. Davon gibt es ja genug um ihn herum. Warum also nicht? Das wäre doch praktisch!

Aber es ist ja nicht nur diese eine Versuchung, die man ja noch verstehen könnte. Da sind ja auch noch andere: Der Wunsch, reich und mächtig zu sein. Alles zu haben, womit man sich alle Wünsche dieser Welt erfüllen kann. „Haste was, dann biste was.“ Was würden wir dafür nicht alles geben?! Und der Teufel verlangt nicht viel. Nur grade mal vor ihm niederfallen und ihn anbeten. Kann man doch „mal“ machen. Die anderen tuen es ja auch. 

Und wovor fallen wir nicht alles auf die Knie, wenn wir es haben wollen?!

Und noch die andere Versuchung: Gott herauszufordern und ihn einzuspannen für die Dinge, die wir gerne haben wollen. Wir beten – und dann muß er es doch machen. Wir sind doch seine Kinder – und dann muß er es doch tun. Und wenn nicht, dann ist er kein Gott, zumindest kein guter Gott, und nicht mehr unser Gott. 

Jesus in Versuchung. Paßt das überhaupt zusammen? Kann Jesus überhaupt in eine Versuchung hineingeraten?

Ja, er kann. Die Bibel spricht davon und sie bestätigt es ausdrücklich.

Jesus gerät in Versuchung – denn er ist ja Mensch. „In allem uns gleich, außer der Sünde“, so heißt es in einem Hochgebet. Weil er wirklich Mensch war, kennt er die Versuchung. Weil er Mensch ist,  gerät er mitten hinein – so wie wir. Aber was ihn dann von den meisten von uns unterscheidet: r kann diesen Versuchungen widerstehen – und er kann NEIN sagen.

Ein wohltuender Gedanke: Wir stehen nicht alleine da mit unseren „Versuchungen“, sondern das kannte Jesus auch.

Versuchungen sind nichts unmenschliches, sondern sogar etwas sehr menschliches. Selbst unser Herr Jesus Christus musste das am eigenen Leib erfahren.

Und die Versuchungen, von denen da im Evangelium die Rede ist, die gehören zu den Grundversuchungen des Menschen: Alles „machen“ zu wollen, wie man es gerade im Moment haben will, egal ob es gut ist oder nicht. Und was können wir nicht schon alles „machen“ – bis hin zur Genmanipulation, Pränataldiagnose – und wir „machen“ dann gerne alles so, wie es gerade für uns jetzt passt, wie es „praktisch“ ist – ohne zu fragen, was das für andere bedeutet.

Alles „haben“ zu wollen, was wir sehen. Immer mehr, immer größer - koste es was es wolle. Und der Besitz wird zum Wichtigsten, für das wir alles tun – wofür wir sogar unsere Seele verkaufen würden, wenn das ginge. Zum Goldenen Kalb, um das sich alles dreht.

Und dann auch mit Gott Händel zu treiben, damit das auch alles klappt. Und wo wir ihn nicht brauchen, wo wir alles schon selbst können, da haben wir uns ja schon lange selbst an seine Stelle.

Grundversuchungen des Menschen, auch unsres Herrn Jesus Christus.

Versuchungen durch den „Teufel“, wie es im Evangelium hieß.

Im griechischen Originaltext steht für „Teufel“ der Begriff „Diabolos“; übersetzt heißt das: Der Durcheinanderwerfer. Einer, der die rechten Ordnungen und Beziehungen durcheinander-bringt, so dass man am Ende gar nicht mehr weiß: Was ist gut und was ist schlecht?

Was kann man und was darf man? Denn man kann doch schon so viel. Und warum sollte man nicht auch alles tun, was man kann?

Liebe Schwestern und Brüder,
Wo sind da die Grenzen? Wo kann ich noch NEIN sagen?

Und wovor beuge ich jetzt wirklich meine Knie? Ist das noch Gott – oder ist da nicht was ganz anderes an die Stelle Gottes getreten in meinem Leben.
Eben Versuchungen. Und da brauchen wir gar keinen „Teufel“ von außen, sondern da steckt oft genug schon genug „Teufel“ in uns selbst drin, so dass wir das alles ganz gut alleine ducheinanderwerfen können.

Aber Jesus zeigt, dass man all dem nicht hilflos ausgeliefert sein muß, sondern dass man dem auch widerstehen kann – dann wenn man selber weiß, was geht und was nicht – und wenn man Grundsätze hat. Wenn wir einen Plan haben vom Leben mit Gott und vor Gott, mit anderen Menschen und vor den Menschen - und ein Gewissen, dass uns schon mal anfragt. 

Jesus hat diesen Plan. Und er hat ein Gewissen.
Jesus weiß, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt – und dass Essen nicht das Wichtigste im Leben ist – auch wenn es ohne nicht geht.
Jesus weiß, dass er alleine Gott anbeten darf, seinen Vater – auch wenn alles andere noch so verlockend ist.

Und er weiß, dass er mit Gott keine Spielchen treiben darf, nur um im Moment mal groß rauszukommen oder was Tolles zu erleben. Manches muß man ganz einfach aushalten und ertragen wie es ist.

Und der Evangelist sagt das uns, damit wir uns daran erinnern, dann, wenn wir in Versuchung geraten. Damit wir es Jesus nachtun können.

„Führe uns nicht in Versuchung“, so heißt es im Vaterunser.
Eine Stelle in diesem Gebet, mit der ich so meine Schwierigkeiten habe – weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Gott Spaß dran hätte, uns in Versuchung zu führen. Es gibt eine andere Formulierung, die mir besser gefällt - und die ich schon mal bete: „Führe uns in der Versuchung“.
Denn dass wir in Versuchung geraten, daran trägt Gott bestimmt keine Schuld. Aber er ist sicher sofort bereit, uns dann zu führen, damit wir das Rechte tun – dann wenn einer bei uns wieder einmal alles durcheinandergeworfen hat.

Diese hl. 40 Tage sind eine Zeit, die uns die Kirche schenkt, doch noch mal nachzuschauen und nachzuspüren, was wir denn so wollen und was wir tun in unseren Alltag. Ob das noch im Maß ist – oder nicht mehr. Und ob es immer noch Gott ist, der bei uns ganz oben steht – so dass wir die Kompassnadel unseres Lebens auch wirklich noch nach IHM ausrichten.

Und wenn dass bei uns mal nicht der Fall sein sollte, dann dürfen wir sicher sein: In seiner großen Barmherzigkeit nimmt er uns trotzdem an – er verzeiht uns unsere Schuld – und wir dürfen noch einmal neu anfangen, uns auf ihn hin auszurichten – und er wird uns dabei führen.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch