Predigt von Richard Baus zum 18. Sonntag im Jahreskreis C

Gen 18,20-32 u. Lk 11,1-13

Liebe Schwestern und Brüder,

waren Sie schon mal auf einem orientalischen Bazar? Dort wo keine Preisschilder an den Waren stehen, sondern wo man handeln muss? Da kann es Ihnen passieren, dass Sie ohne Ware weggeschickt werden, wenn Sie gleich das Geld für den Preis auf den Tisch legen, den der Verkäufer Ihnen genannt hat - denn nicht zu handeln, das heißt: Ich habe kein Interesse an Dir; Du bist für mich kein Partner. Ich erwarte kein Entgegenkommen von dir - und das ist schon eine Beleidigung.

Wir haben in der Lesung gehört, dass Abraham handelt. Die 50 Gerechten, die notwendig sind, um die Stadt zu retten, handelt er auf 10 herunter. Ja, Abraham tritt mutig ein für andere. Fürbittendes Gebet ist das sozusagen.
Spannend, dass uns das Buch Genesis diese Art des Betens genauso wie eine orientalische Marktszene schildert, in der heftig gehandelt und gefeilscht wird.
Damit will will das Buch uns wohl sagen: Gott und Mensch sind Partner, wenn es um die Dinge des Lebens geht. Da ist der Mensch diesem Gott nicht hilflos ausgeliefert, sondern er kann mit ihm verhandeln, er darf Gott sagen, was er von ihm erwartet. Und Gott kommt uns entgegen.

Und so lehrt uns dieses Buch, dass das Beten im Grunde das Gespräch mit einem Freund ist. Hier geht es nicht um schöne Worte, sondern um das, was mir wichtig ist.
Es geht nicht um Reimverse und nicht um Gedichtchen, die ich Gott aufsagen müßte, wenn ich bete, sondern diesen Gott interessiert das, was mir auf dem Herzen brennt, worunter ich leide - und dem ich all das hinhalte und vortrage wie einem guten Freund - einem Menschen, von dem ich etwas erwarte, Hilfe erwarte, Trost und Unterstützung.

Vielleicht werden Sie sagen: Das ist alles schön und gut - aber es funktioniert nicht immer. Wie oft haben ich schon um etwas gebetet, wie oft schon Gott mein Herz hingehalten - und es hat nichts genützt, manchmal ist eher sogar das Gegenteil von dem gekommen, um was ich gebetet habe... Eine Erfahrung, die wir sicher alle schon oft genug gemacht haben.
Was war da los? Haben wir nicht genug gebetet? Nicht richtig gebetet? Hat Gott nicht hingehört?

Nun, vielleicht haben wir nicht um „das Rechte“ gebetet. Vielleicht war das, was wir wollten, sehr egoistisch gewesen - wo jeder gute ehrliche Freund und jede gute ehrliche Freundin uns vielleicht auch gesagt hätte: Nein, da mache ich nicht mit. Das ist nämlich nicht in Ordnung. Da denkst du nur an dich.
Oder wo sie auch gesagt hätten: Das kannst Du selber; dazu brauchst du mich wirklich nicht.
Versuch nicht dauernd deine Umwelt zu ändern und nicht dauernd deine Mitmenschen, sondern ändere dich selbst, damit du hinein passt in diese Welt...

Von Dietrich Bonhoefer stammt das treffende Wort „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber er erfüllt seine Verheißungen“.  Und seine Verheißungen sind wohl größer als unsere Vorstellungen, weiter als unser Herz und heilbringender als unsere Gedanken. 

Deshalb lauten die zentralen Worte in jenem Gebet, dass Jesus seine Jünger lehrt: Vater, Dein Reich komme - und Dein Wille geschehe.
Und das will sagen: Es geht zwar um unsere Wünsche, um das, was wir uns ersehnen und erbitten - und das dürfen wir auch zu jeder Zeit und in jeder Lage tun - aber wir sollen es Gott so anvertrauen, dass er es  auch erfüllen kann, dass es auch Seinem Willen entspricht, seiner Liebe zu den Menschen, seiner Liebe zu dieser Welt.
Und die wird sich sicher hin und wieder sehr unterscheiden von unserer Sicht der Dinge - denn er ist großmütig und barmherzig - und unendlich geduldig... geduldiger und barmherziger als wir.

Vater, Dein Reich komme, so betet Jesus - und d.h. wohl: - nicht unsere kleine enge Welt, in der wir so oft meinen, wir seien der Mittelpunkt, ist die Erfüllung, sondern sein Reich, das Gottes Reich...
Dein Wille geschehe, lehrt Jesus - und nicht unserer, denn der ist oft so kurzsichtig und kleinkariert - und manchmal meilenweit entfernt von den großen und großzügigen Verheißungen Gottes - die er an uns und durch uns erfüllen möchte...

Gehen wir deshalb heute ruhig bei Abraham und Jesus in die Schule - in die Gebetsschule:

Lernen wir von Abraham das mutige Eintreten für andere - das fürbittende Gebet also

und lernen wir von Jesus, um das Rechte zu beten, so zu beten, dass Gott es auch erfüllen kann:
damit in dem, was wir wollen, auch wirklich Sein Reich kommen - und Sein Wille geschehen kann -

Und lernen wir auch, dass wir - selbst im Gebet - von den anderen nicht mehr erwarten dürfen als wir selbst zu tun bereit sind -
eben so:  wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Amen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch