Predigt von Richard Baus zum 2. Adventssonntag, 6.12.2015

Bar 5, 1-9   Lk 3, 1-6

Bereitet dem Herrn den Weg. Baut für ihn eine Straße mitten durch die Wüste.

Liebe Schwestern und Brüder,

so haben wir die Stimme in der Wüste rufen hören, die Stimme des Propheten Jesaja.

Das Bild dieser „Straße“, die da anklingt, kannten viele alte Religionen.

Hier geht es nicht um einen Verkehrsweg, sondern um eine heilige Straße,  einen Prozessionsweg, der durch die Tempelanlagen zum Allerheiligsten führt. Eine Straße, die etwas erhöht war, damit auch alle die Gottheit, die in einer Prozession dort entlang getragen wurde – oder auch den Priester, der dort Dienst tat - , wirklich sehen konnten.
Von einer solchen Straße spricht der Prophet Jesaja: Eine heilige Straße, auf der Gott ungehindert gehen und von aller Welt gesehen werden kann. Eine Straße, auf der Gott zu den Menschen kommen kann.

Baut also dem Herrn einen solchen Weg. Macht ihm die Straße eben!

Nichts soll den Herrn aufhalten, kein Berg und kein Tal, nichts was krumm oder uneben ist. Denn Gott will kommen – und alle Welt soll das Heil dieses Gottes schauen.

Johannes der Täufer übernimmt diesen Ruf – und er aktualisiert ihn auf seine Weise. Er spricht nicht mehr von den Tälern und der Bergen in der Wüste, sondern er spricht von den Tälern und den Bergen, die sich im Herzen eines Menschen auftun können – und die genauso unüberwindlich werden können wie die Berge und Täler in einer Wüste.

Bekehrt euch, so ruft Johannes. Laßt euch taufen – zum Zeichen dafür, dafür, dass ihr in eurem Leben wirklich etwas ändern wollt – und dass ihr den Weg frei macht für Gott, so dass er bei Euch ankommen kann, denn er will doch zum Heil in eurem Leben werden.

Liebe Schwestern und Brüder,

Wege bauen für unseren Gott. Wege, auf denen Gott zum Menschen und die Mensch zu Gott finden kann. Wie wichtig ist das! Denn wo diese Wege fehlen, da wären wir am Ende Gott-los – und das wäre die Hölle.

Nun, diesen Weg durch die Wüste, von dem die Propheten da sprechen, den gibt es nicht wirklich. Um solche Wege zu bahnen, da braucht man Gewalt; um einen solchen Weg durch die Wüste zu bauen, da muß man mit schwerem Gerät erst einmal alles platt machen.

Gewalt und alles plattmachen, damit man möglichst schnell sein Ziel erreicht, das gehört aber nicht zu den bevorzugten Eigenschaften Gottes. Gott ist anders. Und er ist auch erfinderischer als wir Menschen.

Und so hat Gott sich einen anderen Weg gesucht, um bei uns Menschen anzukommen. Nicht den Weg der Gewalt, nicht den Weg der Macht, sondern den Weg der Liebe: Er ist einfach selbst ein  Mensch geworden. Und liebevoller, menschenfreundlicher und menschlicher konnte Gott nicht Mensch werden als in diesem Jesus von Nazareth, dessen Geburtsfest wir nun bald wieder feiern werden. 

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesem Jesus Christus ist Gott zu einem Menschen geworden, in dem sich seine Verheißungen erfüllen können, seine Verheißungen für sein Volk, das da in Elend und Schande geraten ist.

In Jesus erfüllt sich das, was der Prophet Baruch verheißen hat: Dass Gott die Trauer von seinem Volk  wegnimmt und es mit dem Schmuck der Freude bekleidet. Ihm eine Krone aufs Haupt setzt – d.h. dem Volk seine Würde wieder schenkt, das es durch seine eigene Schuld verloren hatte, die Würde von Königen und Priestern.

Dort, wo dieses Volk zu Fuß in die Verbannung und ins Elend getrieben wurde, da wird es Gott nun wie in einer königlichen Sänfte zurück ins heilige Jerusalem tragen – durch diesen Jesus Christus, in dem die ganze Liebe und Barmherzigkeit Gottes Mensch geworden ist.

In diesem Jesus, der die Kranken geheilt hat, der den Sündern ihre Schuld vergeben hat. Der sich mit Menschen an einen Tisch gesetzt hat, von denen die Gerechten und Frommen gesagt haben: Das macht man nicht. Die sind unwürdig. Die haben Gott beleidigt. Das ist Sünder. Und wer sich mit denen an einen Tisch setzt, der ist auch ein Sünder, denn Sünde „färbt immer ab“.  

Aber genau deshalb hat sich Jesus mit diesen „Sündern“ an einen Tisch gesetzt --- weil da „immer etwas abfärbt“: Weil seine Heiligkeit auf die abfärbt, die trotz aller Schuld auch noch ein Herz haben, und so werden auch sie heilig. Weil seine Liebe auf die, die menschlich sein können, abfärbt und sie liebevoll macht. Und weil seine Barmherzigkeit auf die,  -die wegen ihrer Schuld-  Sehnsucht haben nach einem barmherzigen Gott, abfärbt und sie zu neuen, zu ebenfalls barmherzigen Menschen macht.

Ja Gottes Heil färbt ab – auf die, die diesen gnädigen und guten Gott so nahe an sich heranlassen, dass er sie berühren kann und sie so zu Menschen Gottes machen kann. Zu Geheiligten, die sich darüber freuen können, dass Gott an sie gedacht hat; an sie, an die doch sonst keiner denkt, weil sie überall nicht gut und nicht perfekt genug sind,   – und der  nun ausgerechnet sie ehrenvoll nach Hause trägt.

Liebe Schwestern und Brüder,
das ist ein Gott, der gerade wegen dieser großen Barmherzigkeit schwer zu verkraften ist – zumindest für die, die meinen, sie wüssten, wie Gott mit Sündern umzugehen hat -- weil sie doch so gut sind.

Aber so heilend und befreiend für die anderen - für alle, die genau wissen, dass sie sich nicht auf ihre Verdienste berufen können, aber die sich von Gott beschenken lassen können, beschenken lassen können von seiner Liebe und seinem Erbarmen.

Baut eine Straße für diesen Gott: Für einen Gott, der nicht mit Gewalt kommt und alles platt macht, was sich ihm in den Weg stellt, sondern der mit Liebe kommt.

Macht ihm den Weg frei, den Weg in euer Herz hinein – damit er auch euch wirklich erreichen und auf euch abfärben kann; damit er euch neu machen kann, so dass auch ihr am Ende barmherzig seid wie der Vater.

Und haltet es aus, dass er so anders ist -- so barmherzig: Dass er, wenn er straft,  so straft, als wolle er die Welt belohnen -- wie es in einem unserer Adventslieder heißt. (GL 220,5). Dass er nicht auf dem hohen Ross daherkommt, sondern dass sein Wagen, sein „Gefährt“, wie wir singen“ die Sanftmütigkeit ist.

Und dass das Zeichen seiner Macht, sein Zepter, die Barmherzigkeit ist, mit der er all unsre Not zu Ende bringt. (GL 218, 2) Freut Euch, dass er  genau so ist – so voller Liebe, dass wir seine Barmherzigkeit als Jubiläum feiern können. Ein Jubiläum, dass uns eine Hoffnung schenkt, die nicht zugrunde gehen läßt.  

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch