Predigt von Richard Baus zum 2. Fastensonntag, 21.2.2016

2. Fastensonntag C 2016       Lk 9, 28b-36

Liebe Schwestern und Brüder, 

Verklärung des Herrn, so steht über diesem Evangelien-Abschnitt.

Verklärung, das hat ja eigentlich keinen so guten Klang. Wenn man etwas verklärt, dann kann schon mal der Verdacht entstehen, dass man etwas schöner darstellt als es wirklich ist. Schönfärberei!

In der Erinnerung wird so manches verklärt - wenn man nur noch an das Positive und Schöne denkt - und das, was nicht so schön war, ganz einfach verdrängt.

Um so etwas geht es hier jedoch nicht. Gott will nichts schönfärben, nicht verklären, sondern aufklären; Gott will etwas klarstellen und deutlich machen:

Dieser Jesus ist sein Sohn.

Vielleicht fragen Sie sich: Warum muß Gott das denn jetzt noch einmal deutlich machen? Das wissen die Jünger doch. Da hat sich doch nichts geändert.
Gewiß, daran hat sich nichts geändert. Jesus ist Gottes Sohn, der, den er sich erwählt hat.

ABER die Situation um Jesus herum hat sich geändert.

Jesus hat sich nicht nur Freunde gemacht - so wie er lebet.
Er findet nicht nur Zustimmung, wenn er den Sündern das Himmelreich verspricht und den Schwachen die Barmherzigkeit verkündet. So wie er von seinem Vater spricht, so wollen es die Pharisäer und die Schriftgelehrten nicht hören.
Es kommt zu immer mehr Auseinandersetzungen mit den religiösen Führern und Autoritäten. Und Jesus weiß: Das kann nicht mehr lange gutgehen. Da wird er nicht ungeschoren davonkommen - und so beginnt er, an seinen Tod zu denken - und vom Kreuz zu sprechen. Und das macht ihm zu schaffen.

Liebe Schwestern und Brüder,
an diesem schwierigen Punkt nun zieht sich  Jesus sich mit seinen engsten Freunden, mit Petrus, Jakobus und Johannes, auf dem Berg Tabor zurück.

 
Berge sind in der Bibel Orte, an denen man Gott näher ist als sonstwo. Orte, an denen sich in der Ruhe und Abgeschiedenheit, die dort herrschen, etwas „klären“, etwas zeigen kann, was sonst verborgen bleiben würde. Um diese Klarheit geht es Jesus – für sich selbst, damit er weiß, woran er ist - aber auch für seine Jünger. Auch sie sollen wissen, woran sie mit ihm sind, auch und gerade dann, wenn man ihm nicht mehr zujubelt und ihm nicht mehr nachfolgt, sondern wenn es durchs tiefe Tal geht: durch Verfolgung und Anschuldigungen  --- bis hin zu einem anderen Berg, zum Berg Golgota – und damit ans Kreuz.

An dieser Schwelle zum Weg ans Kreuz, da soll Klarheit herrschen.
Und so stellt Gott noch einmal unüberhörbar klar: Das ist mein auserwählter Sohn. Und er wird es immer bleiben, auch wenn es gar nicht mehr danach aussieht. Jesus ist mein auserwählter Sohn, egal was mit ihm passieren wird.

Und das Licht, das jetzt auf dem Berg so hell aufstrahlt, das wird auch dann noch leuchten, auch wenn es absolut dunkel um ihn herum geworden ist.
Auch wenn die Menschen ihn verwerfen, dann ist er immer noch mein Erwählter.
Auch wenn die Menschen an ihm irre werden, dann ist er immer noch mein Sohn.

Darauf könnt ihr euch verlassen.
Und sogar Mose und Elija, d.h. das Gesetz und die Propheten,  die höchsten Auoritäten des Glaubens, sie können das bestätigen.

Und wenn er euch etwas sagt, dann sollt ihr darauf hören – selbst dann noch, wenn er vom Kreuz herunter zu euch sprechen wird, wo er angenagelt ist wie ein Verbrecher.

Er bleibt in meiner Liebe und in meinem Licht, auch wenn die Verlassenheit des Kreuzes und die Finsternis des Todes über ihn hereinbricht. 


Ja,
die Jünger - und auch Jesus selbst- sollen wissen:
Nach dem Kreuz kommt Ostern.
Nach dem Dunkel kommt das Licht – und nach dem Tod kommt das Leben – denn über allem ist Gott.

Und wen dieser Gott auserwählt hat, wen er in seine Hand genommen hat, den lässt er nicht mehr fallen, sondern dort führt er alles zum Guten.

 
Verklärung des Herrn, ein Ereignis also, dass Jesus selbst und den Jüngern helfen soll - dann, wenn alles unverständlich und zum Weglaufen wird - wenn es aussieht, als wäre Jesus nun doch am Ende.

Liebe Schwestern und Brüder,
Verklärung des Herrn – ein Ereignis, das aber auch uns heute Hilfe sein will - Hilfe zum Verstehen. Zum einen in den Fasten- und Kartagen, die wir als Kirche noch miteinander feiern werden.


Aber vielleicht sogar mehr noch für die Fasten- und Karfreitage, die in unserem eigenen Leben noch auf uns zukommen werden;  dann wenn es um uns selbst dunkel und schmerzlich werden sollte, dann wenn der Herr uns mit hineinnimmt in sein Leiden, wenn er uns mitnimmt unter sein Kreuz und unter unser eigenes Kreuz – und in Situationen hinein, in den wir nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.

Damit auch wir dann wissen, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg sind – weil wir dann auf dem Weg mit Jesus sind, auf dem Weg mit ihm, auf den wir hören sollen.

Und wer auf Jesus hört, der wird auch den Vater hören, wenn er zu uns spricht: 


Auch Du bist mein auserwählter Sohn, auch Du bist meine auserwählte Tochter.

Ich habe dich erwählt – und das wird so bleiben, egal was auch passiert,
egal, was in Deinem Leben auch sein wird, selbst dann, wenn auch Du an einem Kreuz landest.

Ich lasse und ich verlasse Dich nicht.
Denn Du gehörst mir.

 

Amen.

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch