Predigt von Richard Baus zum 2. Sonntag im Jahreskreis, 17.1.2016

Joh 2,1-11

Liebe Schwestern und Brüder,

erinnern Sie sich noch an den Augenblick, als Papst Franziskus sich nach seiner Wahl zum Papst auf dem Balkon des Petersdomes der Menschenmenge, der Öffentlichkeit zeigte? Überraschend war das: Ein scheues Winken, ein freundliches „Guten Abend“, die Bitte um das Gebet für ihn - und nach dem Segen ein „Guten Appetit beim Abendessen“. Keine festlichen Gewänder, keine großen Gesten, keine abgehobenen Worte - sondern ganz nahe bei den Menschen und deren Lebenswelt. So ganz anders als man es gewohnt und erwartet hatte.

Ich mußte daran denken, als ich das heutige Evangelium las - wo beschrieben wird, wie Jesus sich der Öffentlichkeit zeigt und sein erstes Wunder wirkt. 

Auch überraschend. Denn wir begegnen Jesus, in dem doch das Wort Gottes Fleisch angenommen hat, so wie Johannes es kurz vorher formuliert hat,  beim Beginn seines öffentlichen Wirkens  nicht im Tempel und auch nicht in einer Synagoge; und er hat auch keine Predigt auf den Lippen, keine Ermahnungen oder so etwas. Nein, wir treffen ihn auf einer Hochzeit, auf der Feier des Lebens und der Liebe. Wir begegnen ihm mitten unter Menschen, die so ausgelassen feiern können, dass ihnen vorzeitig der Wein ausgeht.
Und das erste Zeichen, das Jesus setzt, seine erste Tat, mit der er sich in der Öffentlichkeit zeigt, das ist ein Weinwunder.
Spannend, oder?!

 

Liebe Schwestern und Brüder,
ich denke, es muss uns schon aufmerksam und hellhörig machen, dass ein so großer Theologe wie der Schriftsteller des Johannes-Evangeliums ausgerechnet ein Weinwunder an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu setzt?! Warum wohl? 

Nun, dieser Johannes will damit wohl auf einen Gott hinweisen, dessen Herrschaft Freude bringt; Leben bringt, Leben in Fülle.
Ein Gott, der nicht kleinlich und knauserig ist; ein Gott, der nicht darauf wartet, dass die Menschen etwas für ihn tun, sondern der selbst alles für die Menschen tut.
Ein Gott, der mit vollen Händen schenkt,  und zwar reichlich und in überfließendem Maß, viel mehr als eigentlich nötig ist.
Denn was da in mit dem Wein in Kana beginnt, das wird sich weiter fortsetzen in seinem Evangelium:

- mit der Überfülle der Brote bei der Speisung der Fünftausend,
- mit der nie endenden Liebe und Vergebung  selbst für die größten Sünder,
- und am Ende mit dem Leben noch dort, wo niemand mehr damit gerechnet hätte – am Ostermorgen nach einem Karfreitag.

Ja, Johannes sagt uns: In diesem Jesus hat sich Gott ganz auf die Seite der Menschen gestellt -  und er tritt ein gegen all das, was uns Menschen das Leben nehmen will: gegen die Mächte des Bösen, gegen Krankheit und Tod, gegen Engstirnigkeit und Unmenschlichkeit. Und Jesus gibt nun Zeugnis von diesem Gott des Lebens. Auf ihn will er hinweisen mit seinem ersten Wunder, dem Weinwunder.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Wunder besteht darin, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt; dass er also aus etwas ganz Alltäglichem, aus dem, was wir  Menschen zur Verfügung haben, etwas ganz Besonderes und etwas ganz Kostbares schafft.

Liebe Schwestern und Brüder,
wie oft geht uns doch auch der Wein aus: Wie schnell sind wir am Ende mit unseren guten Vorsätzen und unserem guten Willen! Was haben wir nicht alles tun und machen wollen! Mit viel Begeisterung und Schwung haben wir begonnen, da wollten wir Wein bringen - und am Ende kochen wir nur mit Wasser, oft genug vermischt mit Tränen der Trauer und der Verzweiflung.

Aber genau hier dürfen wir uns von Maria sagen lassen: "Was er euch sagt, das tut."
Und er sagt uns: "Füllet die Krüge mit Wasser." Das sagte er zu allen, denen der Wein ausgegangen ist: zu den "Mühseligen und Beladenen", zu allen, die am Ende sind und die unter ihren Lasten stöhnen. Ja, das sagt er zu uns. Wir sollen unsere Krüge mit Wasser füllen. 

Wohlgemerkt: Nur mit Wasser! Wasser!
Und das heißt wohl: Wir sollen das tun, was wir können. Wir müssen nur das tun,  was uns Menschen möglich ist - und alles andere, den Wein, die "Verwandlung", die wird er vollbringen, der Herr - denn das ist allein seine Sache, denn das vermag nur er.

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn irgendwo ein Mensch in ein wichtiges Amt eingeführt wird, dann darf man gespannt sein auf das, was er als erstes sagt und was er als erstes tut. -- Denn damit lässt er durchblicken, wes Geistes Kind er ist. Damit wird er zeigen, was ihm wichtig ist – was sein Programm ist . …. Und bei Jesus ist es ein Weinwunder.

Ist das nicht wohltuend und heilsam zu wissen, dass da ein Gott ist, der unsere Leistungen nicht nach Litern bemisst und der nicht aufrechnet, wieviel Wein wir am Ende gebracht haben, sondern der uns auffordert, Wasser zu bringen?

Ein Gott, der es selbst übernehmen wird, aus dem bisschen Wasser, das wir da anbringen, dann den Wein zu machen, kostbarer und besser als wir uns das überhaupt vorstellen können!

Ein Gott also, der uns keine Lasten aufbürdet, sondern der die Lasten von unseren Schultern nimmt, damit wir frei werden, um seine Liebe als Geschenk empfangen zu können; und  wir  uns freuen können, einen solchen Gott unseren Gott nennen zu dürfen.

In der Tat, eine neue Herrschaft, eine neue Zeit, die in Jesus angebrochen ist.

Ein Zeit, die einem Gott gehört, der sich über uns freut - so wie der Bräutigam sich freut über die Braut. 


Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch