Predigt von Richard Baus zum 2. Sonntag nach Weihnachten, 3.1.2016

Joh 1, 1-5.9-14   Eph 1, 2-6.15-18

Liebe Schwestern und Brüder,

Sind Sie an Weihnachten gut beschenkt worden? Weihnachten ist ja das Fest der Geschenke. Davon lebt eine ganze Industrie. Davon lebt der Handel.
Weihnachten, auch das Fest der Freude - wegen der vielen Geschenke. 

Aber zwischendrin gibt es oft genug auch Tränen, weil ein Geschenk nicht richtig war: Nicht die richtige Farbe, nicht die richtige Größe - oder ganz einfach das total falsche Geschenk. Man hatte etwas anderes erwartet. Und wenn ein Umtausch auch noch ausgeschlossen ist, dann ist es vorbei mit der Weihnachtsstimmung… Keine schöne Überraschung….

Angefangen mit dem „Geschenke-Rummel“, wenn ich das mal so salopp sagen darf,  hat aber überraschenderweise nicht die Industrie, sondern Gott. Denn er machte uns uns vor über 2000 Jahren das größte Geschenk: Er schenkte uns seinen Sohn.

Warum eigentlich? Hat nicht dieser „Gott im Himmel“ genügt? Mußte er da noch eins draufsetzen“ und auch noch ein Mensch werden?

Anscheind mußte das so sein. Gott mußte das machen, um sich uns Menschen damit besser verständlich machen zu können.

Liebe Schwestern und Brüder,

aber damit Gott zu uns sprechen kann, muß er mit den Worten eines Menschen zu uns sprechen; sonst kann es passieren, dass wir ihn nicht verstehen. Denn wir sprechen nicht die Sprache, die man im Himmel spricht, sondern nur die Sprachen, die man hier auf der Erde spricht.
Damit Gott uns zeigen kann, was er meint, müssen wir ihn auch sehen können. Denn sonst kann es passieren, dass wir ihn mißverstehen. 

Deshalb mußte er Mensch werden --- damit das mit der Kommunilation besser klappt. Denn sonst erzählen wir am Ende Dinge von unserem Gott, die gar nicht stimmen - und wir stellen ihn falsch dar. Und wie schlimm wäre das!
 
Deshalb wird er selbst ein Mensch, um klarzustellen, wer er ist.

Deshalb nimmt das Wort Fleisch an, eine Gestalt, damit wir Gott sehen und anfassen können - und damit er untre uns wohnen kann und uns als Mensch vorleben kann, was er wirklich meint, wenn er von Liebe spricht.
Ein Gott, der ein Gesicht, und der Hand und Fuß bekommt und der Klartext redet, damit wir ihn richtig verstehen.

Und die große Überraschung von Weihnachten ist, dass Gott wohl so ganz anders ist, als manche es sich gedacht haben: Da kommt nicht der starke Mann, der mal kräftig dreinschlägt, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen, sondern ein kleines schwaches Kind, das zuerst einmal selbst Hilfe braucht.
Nicht ein Richter, der alles in gut und böse einteilt und dann Strafe oder Lohn verteilt, sondern da kommt ein Anwalt, der sich auf die Seite der Schwachen und der Versager stellt und alles dafür tut, um das Beste noch für sie rauszuschlagen, das „Erbe der Heiligen“, wie es im Epheser-Brief eben hieß.

Da kommt ein Gott in Menschengestalt, der nicht groß und mächtig sein will, sondern klein und machtlos - damit er sich uns in die Arme legen kann, damit wir ihn an unser Herz drücken können; damit wir keine Angst vor ihm haben müssen, sondern voller Liebe zu ihm sein können.
Ein Gott, vor dem man niederknien muß, aber nicht weil er so mächtig und so groß ist und er seine Freude dran hätte, wenn wir auf den Knien liegen, sondern weil er in einer Krippe liegt, weil er sich so klein und gering macht, dass man ihn übersehen könnte, wenn man nicht niederkniet.
Ja, wir können gar nicht anders als von ihm niederzuknien - wie die Hirten und wie die Hl. Dreikönige - damit wir auch wirklich ganz nahe bei ihm sind, damit wir sehen, wie er uns anlacht - und hören, wenn er uns Worte der Liebe sagt.

Wir müssen uns zu ihm niederbeugen, weil Gott sich in ihm  so klein gemacht hat  und sich zu uns niedergebeugt hat, um ganz nahe bei uns zu sein.

So fing es an, als das Wort Fleisch angenommen hat. Und so ist es weitergegangen, so hat das fleischgewordene Wort auch gelebt: Mit einer besonderen Liebe zu den Schwachen und Kleinen, mit einem besonderen Blick für die, die an den Rand geraten sind, weil sie den Guten nicht gut genug und den Frommen nicht fromm genug waren - und mit einer unbezwingbaren Liebe für die, die sonst so gar nicht beliebt waren.
Einer, der sein Himmelreich den Armen und Kleinen verspricht, den Schwachen und den Hilflosen; den Friedfertigen und Barmherzigen….
Welche Entäuschung für die, die was anderes erwartet haben:
was größeres und machtvolleres, härter und gerechter, unbarmherziger. Und da ein „Umtausch“ ausgeschlossen war, mußte er halt weg, ans Kreuz, damit die alte Ordung wieder gilt. In wenigen Wochen, in der Fastenzeit, werden wir das dann miteinander bedenken müssen. Menschen, die enttäuscht sind, sind wohl solche, die Weihnachten nicht verstanden haben. Menschen, die nicht verstanden haben, was Mensch-Werdung bedeutet --- die nicht verstanden haben, dass auch unser Gott ein Mensch werden will.

Solche Menschen sind jedoch nicht ausgestorben:
Spannend, wenn man liest, dass es gewissen Kreise in unserer Kirche gibt, die Papst Franziskus auffordern, von seinem Amt zurückzutreten -- weil sie von ihm enttäuscht sind --- weil er nämlich genauso spricht wie dieser Jesus: von Gnade und Liebe, von der Zuneigung Gottes zu den Schwachen und den Sündern - und weil er vor alle Gesetze und Gebote die Barmherzigkeit stellt, damit auch keiner ausgeschlossen ist, ausgeschlossen von der Liebe Gottes.

Aber ein Papst ist nun mal vom Umtausch ausgeschlossen... Deshalb soll er zurücktreten, damit auch bei uns die alten Ordnungen wieder gelten.

Und man kann nur beten, dass Papst Franziskus die Kraft hat, sich und seinem Herrn weiterhin treu zu bleiben. Damit er uns weiterhin diesen Gott der Barmherzigkeit zeigt, der in genau dieser Barmherzigkeit uns Menschen entgegenkommen will, um uns zu retten und zu heilen.

Ein Gott, der uns nicht das gibt, was wir verdient haben, denn dann wären wir manchmal wohl arm dran; sondern der uns reich beschenkt --- heute so wie damals vor 2000 Jahren: Mit seiner Liebe, die keine Grenzen kennt. Eine Liebe, die so stark ist, dass er außer sich gerät - und selbst ein Mensch wird.

Zur Freude für die Schwachen und Kleinen - und zur Enttäuschung für die, die das nicht begreifen können.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch