Predigt von Richard Baus zum 21. Sonntag im Jahreskreis C

Lk 13, 22-30
 

„Dann werden manche von den Letzten Erste sein und manche von den Ersten die Letzten“.

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Bibelwort, das in unserem Alltag zu einem Sprichwort geworden ist. Und das sagen will: Man kann sich nicht sicher sein, dass alles so läuft, wie man sich das gedacht hat; sondern machmal geht es auch ganz anders aus.

Und damit sollte man immer rechnen.
Und so meint es wohl auch der Evangelist, wenn er Jesus diese Worte sprechen lässt.

Die „Ersten“. Wer sind das?
Nun, unsere Schriftstelle erklärt es uns: Es sind die Frauen und Männer, die Jesus wohl noch selbst gekannt haben. Die noch mit ihm gegessen und getrunken haben und seine Predigten gehört haben. Es sind die, die sich ganz früh für ihn entschieden hatten. Die ersten Christen sozusagen, die um Jerusalem herum und in den anderen Städten Israels leben.

Und die Schrifstelle sagt uns auch, wer die „Letzten“ sind: Das sind die, die „von Osten und Westen kommen und von Norden und Süden“. Und gemeint sind damit die Frauen und Männer, die aus anderen Ländern kommen und erst später durch die Mission zum Christentum gefunden haben. Menschen, die die Bewohner Israels immer als „Heiden“ abgetan hatten, als Menschen „zweiter Klasse“.

Einfach machten die „Ersten“ es diesen „Letzten“ nicht unbedingt; denn sie meinten schon, sie seien etwas besseres. Schließlich hatten sie den Herrn ja noch selbst gekannt. Und so meinten sie, sie dürften alles bestimmen und den „Letzten“ sagen, wo es langgeht.

Und dann ist es schon spannend, wenn der Evangelist gerade diesen „Ersten“ sagt: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Denn es könnte sonst sein, dass ihr draußen vor der Tür steht, wenn der Herr kommt - und die anderen, die, von denen ihr es nicht gedacht hättet, die werden dann mit ihm im Haus, das heißt im Himmel sein -- und ihr dann heulen und mit den Zähnen knirschen müsst.

Warum ist der Herr so schroff? Warum so hart? Will er drohen?
Nun, machmal muss man wohl etwas schroff formulieren, aber nicht, um Angst zu machen, sondern um jemandem wieder wachzurütteln und zu ermutigen, doch noch mal neu über das nachzudenken, was man da tut. Zu schauen, ob man noch wirklich dazugehört zu einem „Verein“, ob man noch aktives Mitglied ist - oder ob man nur noch dem Namen nach dazugehört - aber niemand hat was davon.

Und beim Christsein kann es nie nur „um den Namen“ gehen.
Da genügt es nicht, „früher mal“ dazu gehört zu haben und dann zu meinen, das wär‘s, sondern da geht es um das Heute.

Dieses Evangelium ist die Einladung des Herrn, uns zu fragen: Wie gestalte ich das Heute? Wie bin ich so Christ, dass die Welt auch etwas davon mitbekommt? Wie verändere ich - zusammen mit den anderen Christinnen und Christen die Welt so, dass sie immer mehr zur Welt Gottes wird,
das heißt zu einer Welt, in der Menschen menschlich leben können - weil Menschen den anderen Menschen dienen, so wie der Herr es auch getan hat.

Denn nur so kann Kirche „funktionieren“ und lebendig bleiben.

Und wer das nicht begreift, der könnte am Ende tatsächlich zu den Letzten gehören, obwohl er doch selbst gemeint hat, er wäre einer von der Ersten.

Liebe Schwestern und Brüder,
beim Weltjugendtag in Krakau hat Papst Franziskus den jungen Menschen ein wunderschönes Wort gesagt, das meiner Meinung nach ganz eng mit dem heutigen Evangelium in Verbindung steht. Er sagte:

Liebe junge Freunde, heute …richtet der Herr erneut seine Einladung an euch… Er möchte aus euch eine konkrete Antwort auf die Nöte und Leiden der Menschheit machen; Er möchte, dass ihr ein Zeichen seiner barmherzigen Liebe für unsere Zeit seid!

Und damit meint der Papst wohl:  Nur dann ist Kirche Kirche: Wenn sie ein Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes ist für unsere Zeit ---

wenn WIR ein Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes sind für unsere Welt. Nicht irgendwann mal, sondern heute.

Wenn wir nicht nur schauen, wie es früher mal war, sondern wie es heute sein könnte - weil wir mitmachen;
und wenn wir uns jeden Tag neu fragen: Was könnte denn heute meine Aufgabe sein? Wie könnte ich heute Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes sein - und wenn es nur für einen einzigen Menschen ist?

Einfach ist das nicht, denn das verlangt Aufmerksamkeit und Wachheit.
Aber es lohnt sich. Denn wir können doch unsere Welt verändern - durch unsere Liebe und unsere Barmherzigkeit.

Wir können sie zur Welt Gottes machen - zumindest dort, wo wir leben.

Eingeladen, so Kirche zu sein, sind wir vom Herrn selbst - und das seit unserer Taufe.
Und wenn wir uns jeden Tag auch nur ein bisschen darum bemühen, dann dürfen wir bestimmt auch in der frohen Gewißheit leben, dass wir am Ende sicher nicht bei den Letzten sein werden.    

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch