Predigt von Richard Baus zum 22. Sonntag im Jahreskreis C

Sir 3,17-18.20.28-29    Lk 14, 1.7-14

 
Liebe Schwestern und Brüder,

in unserer Familie gab es einen Onkel, der am Morgen eines jeden seiner Geburtstage einen Schreibblock auf den Tisch legte - und dann genau notiert hat: Wer hat angerufen, um zu gratulieren? Wer war persönlich da? Und was hat der mitgebracht, der da zur Gratulation gekommen war?
Sinn der ganzen Übung war, es beim Geburtstag der anderen ganz genau so zu machen: Wer angerufen hatte, bekam auch einen Anruf. Wer selbst gekommen war, der wurde auch persönlich besucht. Und wer eine Flasche Wein mitgebracht hatte, der bekam an seinem Geburtstag auch eine Flasche Wein geschenkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Alles wurde gleich belohnt, damit man ihm nicht nachsagen konnte, er hätte weniger geschenkt, als er bekommen hatte.

Als Kinder haben wir uns köstlich darüber amüsiert. 

Eigentlich ist so was ja auch zum Lachen - aber so funktioniert so Vieles in unserer Welt.

Und dennoch: Ist so was nicht trotzdem auch klug? Denn so entstehen ja keine wirklichen Verluste.
Irgendwann hat man alles wieder zurück - und die Richtigen bleiben immer unter sich.

Aber dann kommt da dieser Jesus mit diesem ziemlich verrückten Vorschlag:
Mach Du es doch mal anders. Lad doch mal die ein, die dir nichts zurückgeben können. Lad die ein, die es dir beim besten Willen gar nicht vergelten können. Und Jesus fügt hinzu: Wenn du das tust, dann bist du selig zu preisen.

Was ist das „Selige“ an diesem Handeln?

Nun, dieses Handeln verändert schon die Welt --
Wenn man nicht  dauernd rechnet und nicht aufrechnet, sondern schenkt.
Wenn man etwas gibt, ohne schon gleich einzukalkulieren, dass man es ja wieder zurückbekommt.
Wenn man sich wirklich von etwas trennen kann - nicht um andere damit zu verpflichten, sondern um ihnen wirklich eine Freude zu machen - um sie zu beschenken -- um etwas von meinem Reichtum dorthin zu bringen, wo der Mangel herrscht, die Armut - und so tatsächlich etwas zu verändern -- in der Welt der anderen - und auch in meiner Welt.
Es ist die Einladung des Herrn zu einem ganz anderen Lebensstil.

Aber, liebe Schwestern und Brüder;
wenn Sie genau hingehört haben, dann stand da doch was von der „Vergeltung“: Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Ist also auch das, was Jesus sagt, nicht im Letzten auch „Berechnung“? Auch Kalkül! Nur dass der Lohn nicht von den Armen, sondern ganz am Ende kommt, von Gott? Nun, ich denke nicht, dass wir damit Jesus gerecht werden.
Denn dieses „selig sein“, das hat nicht mit Ausgleich zu tun oder Rückerstattung, sondern das hat mit Gott zu tun.

Und dieser „Lohn“ am Ende wird nicht in einer Be-Lohnung bestehen, sondern eher in einer Erfahrung. Mit der glücklichen Erfahrung,  wie nahe wir in unserem Leben diesem Gott waren,  als wir so „alternativ“ gelebt haben.
Als wir so gelebt haben, wie die 1. Lesung eben und der Evangelist es formuliert haben:

... demütig und rücksichtsvoll; mit einem Herz für die Schwachen und Hilfebedürftigen und ohne für sich selbst die besten Plätze zu beanspruchen und ohne sich in der Vordergrund zu spielen ----
Die frohe Erfahrung, dass wir ein Leben nach der Art Gottes geführt haben:
Ein Leben, in dem es nicht darum ging, für sich selbst das Beste herauszuholen, sondern ein Leben zu führen für andere - so wie der Herr es uns vorgelebt hat:

Er, der nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern der sein Leben in einem Stall begonnen hat,
der ein Freund der kleinen Leute war, ein Heiland für die Kranken, nie am Tisch mit den Großen, sondern immer mit Sündern und Beladenen.
Und der alles hingegeben hat - am Ende sogar sein Leben.
Aber genau das hat uns das Heil gebracht.
Und genau das wird auch anderen Heil bringen, wenn wir es so versuchen.

Darum geht es in der heutigen „Christenlehre“, die uns das Evangelium ans Herz gelegt hat: Sie ist eine Einladung:
die Einladung, eben anders zu leben als so viele in unserer Welt, die nur sich selbst im Blick haben -  nämlich zu leben nach der Art Gottes - mit einem Blick für die anderen.
 
Nach der Art eines Gottes, der sich selbst ganz klein machen kann, um mitten unter den Menschen wohnen zu können. Ein Gott, der selbst ein Mensch wird, um uns Menschen seine Liebe und sein Leben zu schenken. 

Ein Gott, der genau so ist, wie Jesus es uns gezeigt und vorgelebt hat -
und wie Mutter Rosa und Bruder Jakobus es ihm nachgetan haben -
damit wir auch wir von ihnen lernen können - und damit, wie sie,  die Welt ein Stück verändern können.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch