Predigt von Richard Baus zum 25. Sonntag im Jahreskreis C

Amos 8, 4-7
 

Liebe Schwestern und Brüder,

das Buch Amos, aus dem wir eben die erste Lesung gehört haben, ist ca. 2.800 Jahre alt. Aber die Themen, die da heute angeklungen sind, die sind wohl absolut aktuell.

Amos ist Prophet; aber kein „gelernter“ wie so viele andere im damaligen Israel, die ausgebildet waren, um an einem Reichstempel Dinge zu verkünden, die politisch und religiös so angepaßt waren, dass sich niemand darüber aufregen musste. Weichgespülte Verkündigung sozusagen – in der aber Gott nicht mehr zu Wort kam.

Bei Amos ist das anders. Er ist von Beruf Landwirt, Viehzüchter; und ausgerechnet er ist von Gott beauftragt, die unangenehmen Wahrheiten anzusprechen.  Keine leichte Aufgabe:
Amos muss sehr frommen Menschen, die sehr fromme Gottesdienste feiern, sagen, dass ihr Frömmigkeit vor Gott aber nichts taugt - weil sie trotz ihrer großen Frömmigkeit die Gerechtigkeit mit Füßen treten, Gottes Gerechtigkeit:

Sie können nicht warten, bis der Sabbat und die Feiertage vorbei sind, um endlich wieder Geschäfte machen zu können. Und bei diesen Geschäften, da ziehen sie die Schwachen über den Tisch und beuten sie aus. Sogar den Dreck machen sie noch zu Geld.
Und die Leidtragenden sind die Armen, die Schwachen, all jene, die darauf angewiesen, dass sie überhaupt einen Lohn bekommen- und die man deshalb mit „ein paar Sandalen“ kaufen kann – also mit einem Hungerlohn.

Aber, so sagt der Prophet: Gott steht auf der Seite dieser Schwachen. Und wenn Gott etwas in Zorn bringen kann, dann ist es der ungerechte Umgang mit diesen Schwachen und Armen.

Ich sagte eben, die Themen, die Amos anprangert, sind aktuell. Mit unseren Begriffen von heute könnte man sie mit „Schutz des Sonntages“ und „Ausbeutung am Arbeitsplatz“ bezeichnen.

„Schutz des Sonntages“, Schutz des Tages, der eigentlich Gott gehören soll; ein Tag, an dem niemand Geschäfte betreiben soll, sondern an dem die Arbeit ruhen muss, damit Menschen Zeit haben - für Gott.
Und wer Gott kennt, der weiß: Die Zeit, die wir ihm schenken, die schenkt er eigentlich uns: Das ist Freizeit für den Menschen. Zeit, in der er nicht arbeiten muss.

Liebe Schwestern und Brüder,
da wo die Geschäftemacher zur Zeit des Amos noch darauf warten, dass solche Feier-Tage endlich vorbei sind, damit die Geschäfte wieder laufen, da sind wir schon längst einen Schritt weiter:

Wir haben die verkaufsoffenen Sonntage, wir haben Öffnungszeiten zum Teil bis spät in die Nacht hinein. Wir haben Maschinen, die rund um die Uhr laufen müssen - und die Menschen mit ihnen --,  damit sie genügend Profit abwerfen.

Und wir haben eine Freizeitindustrie, die keinen Feierabend kennt. Das ist bei uns längst gang und gäbe.
Und all das führt dazu, dass Menschen aus einer Familie zu so unterschiedlichen Zeiten arbeiten müssen oder all die Dinge machen müssen, die die Freizeitindustrie ihnen nahelegt, dass kaum noch ein gemeinsames Familienleben möglich ist - geschweige denn, ein gemeinsames religiöses Leben. Die Zeit, die für Gott, für die Familie und für die Gesundheit des Menschen geheiligt war, die wird zur „Geschäftszeit“, in der andere verdienen - und zwar an uns, weil wir dabei mitmachen.

Denn wenn wir da nicht hingingen, nicht sonntag und nach 18.00 Uhr, dann wäre da schon längst geschlossen.
Aber weil wir gehen, läuft es so.

Und genau so bei jenem zweite Thema: Die Ausbeutung der Armen und Kleinen; die Ausbeutung jener, die für „Hungerlöhne“ arbeiten müssen, weil sie sonst gar nichts haben.
Und die „Hungerlöhne“ sind so niedrig, weil wir das so haben wollen. Denn wir kaufen halt lieber die Billig-Produkte. Und die „fair-gehandelten“ Produkte bleiben stehen. Zu teuer! Aber diejenigen, die es produziert haben, hätten einen fairen Lohn bekommen. Geiz ist geil!, so sagen wir. Und auch die Reichen sagen, sie müssten sparen.

Und deshalb funktioniert es: Die Armen bleiben arm oder werden noch ärmer - und die Reichen verdienen -- weil wir dabei mitmachen

Liebe Schwestern und Brüder,
ich weiß, das ist kein schönes Thema an einem Sonntagmorgen in einem Gottesdienst. Das ist nicht „erbaulich“ und das ist auch nicht „fromm“. Und wir haben sicher das Gefühl, wir müssten uns irgendwie rechtfertigen: Wir müssen ja auch sparen; wir wollen ja auch Spaß haben – und und und

Aber für Gott ist das ein wichtiges Thema, auch am Sonntag. Weil es um den Menschen geht; um den Menschen, der ihm am Herzen liegt: Der Arme!
Der, der ungerecht behandelt wird. Und dem es deshalb schlecht geht, weil die anderen nicht an ihn denken, sondern nur an sich.
Für Gott ist dieses Thema so wichtig, dass er  dazu diesen Amos zu den „Guten  und Frommen“ schickt, um sie darauf aufmerksam zu machen, wie sie leben. 

Es ist die Klage Gottes über die Menschen, über uns….

Aber es ist nicht nur Klage über uns, sondern es ist auch Einladung an uns.
Die  dringende Einladung und Bitte unseres Gottes, es doch anders zu machen: So zu leben, dass durch uns niemand über den Tisch gezogen wird, nur weil wir bei allem mitmachen, was chic und trendy  -  und vor allem billig ist.

Es ist die Einladung, anders zu leben: mit mehr Bedacht und mit mehr Achtsamkeit.

Die Einladung, die Welt mit den Augen Gottes anzuschauen ---

mit seinem liebevollen Blick für uns Menschen – 

und mit seiner großen Solidarität mit den Kleinen und Schwachen - und dann etwas zu ändern -- um dieser Menschen willen.

Aber Veränderungen gibt es wohl nur, wenn wir damit anfangen - und zwar bei uns selbst.   

Amen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch