Predigt von Richard Baus zum 27. Sonntag im Jahreskreis C, Erntedank

Lk 17, 5-10

   
Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, dann sollt ihr denken:

Wir sind unwürdige Knechte. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

 
Nun, liebe Schwestern und Brüder,

besonders nett klingt das nicht. Sind wir wirklich vor Gott nur unwürdige Knechte, Sklaven, wie es im Originaltext heißt.
Da gibt es doch im Evangelium auch ganz andere Zuordnungen:  Da wo von Freunden und Freundinnen Gottes gesprochen wir, von seinen Söhnen und Töchtern. Beschreibungen eines Gottesverhältnisses, in dem man sich wohlfühlen kann.
Aber Knechte, Sklaven?!

Nun, in der Tat klingt das nicht einladend.
Aber keine Angst, die  Exegeten beruhigen uns: Wir müssen nicht befürchten, dass Gott so mit uns umgeht, wie es da gerade der Herr im Gleichnis mit seinen Knechten getan hat.
Sondern dieses Gleichnis hat hier einen anderen Sinn: Es ist eine ganz kurze Lehrerzählung Jesu für die Frommen seiner Zeit;
für Menschen, in deren Gottesbild sich etwas verschoben hatte.

So ein Herr, der da die Befehle gibt, der war wirklich „Herr“ über einen Sklaven. Und für einen Sklaven war es selbstverständlich, das zu tun, was der Herr von ihm erwartete und was er ihm aufgetragen hatte.
Dabei an einen besonderen Lohn oder ein Lob zu denken, das lag überhaupt nicht im Blickfeld eines Sklaven. Was er zu tun hatte, das war seine Arbeit. Dafür war er da.
Und ein solcher Sklave bezog seinen eigenen Wert über den Wert und das Ansehen, das sein Herr in der Öffentlichkeit hatte. Ging es dem Herrn gut, dann ging es auch dem Sklaven gut. Was der Herr angesehen, dann war es auch der Sklave.

Und so war es das ganze Ansinnen eines Sklaven, alles dafür zu tun, dass das Ansehen seines Herren gewahrt blieb - ohne etwas besonderes dafür zu erwarten. Das war sein Job. 

Die Frömmigkeit der Juden zur Zeit Jesu dagegen von einer so ganz anderen Haltung geprägt: Gute Werke wurden oft nur getan in der Erwartung, -um nicht zu sagen- mit der Berechnung eines Lohnes, den Gott dafür zu geben hatte.
Man war fromm, weil man sich damit den Lohn Gottes erkaufen wollte. Man tat Gutes, um sich damit Gott zu verpflichten.
Wenn ich die Gesetze und Gebote halte, wenn ich bete und Gutes tue, dann kann Gott gar nicht anders, als es mir dafür auch wieder etwas zurück zu geben.

Und so wurde die Frömmigkeit zum Geschäft. Und die Nächstenliebe zum Handel. Nicht mehr aus Liebe, nicht mehr, um einem armen, bedürftigen  Menschen eine Freude zu machen, sondern mit dem Hintergedanken auf „Gotteslohn“.

Und da sagt Jesus: Nein. Gott ist kein „Tarifpartner“, sondern er ist der Herr, unser Herr. Ihm gegenüber sind wir Sklaven.
Und dann sollen wir auch als solche tun, was getan werden muss - um Gottes- und der Menschen Willen, aber nicht, um uns damit irgendetwas zu verdienen.
Aus Liebe - und nicht aus Berechnung.
Denn wenn unser Herr angesehen ist in dieser Welt, dann sind wir es auch. Und darüber sollten wir uns freuen.

Unnütze Knechte sind wir. Sklaven. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.
Ein Satz, der uns helfen soll, auch unsere Gottesbeziehung noch mal richtig anzuschauen. Und unsere Schuldigkeit vor Gott.
 

Liebe Schwestern und Brüder,
Wie sieht denn unsere Schuldigkeit aus - z.B. heute am Erntedanksonntag?

Vielleicht sollte sich da unsere Sicht wirklich ein wenig verändern:
Erntedank 2016 - da genügt es sicher nicht mehr, Gott zwar für all das zu danken, was wir von seiner Schöpfung erhalten und empfangen haben - aber all das dann in den eigenen Scheunen und Kellern verschwinden zu lassen, damit es uns gut geht.--- Sondern da müssen wir auch einen Blick haben auf die Menschen, denen das alles nicht geschenkt ist.
Denn Gott schenkt uns all das nicht nur für uns allein, sondern es soll allen zur Verfügung stehen. Seine Erde gehört allen Menschen - und alle sollen menschenwürdig von ihr und auf ihr leben können.
Und so gehört es wohl zu unserer Schuldigkeit, dass wir lernen, das, was wir empfangen haben, zu teilen mit denen, die leer ausgehen - weil sie irgendwo leben, wo nichts wächst, wo durch Krieg und Katastrophen alles verdorben ist - oder Menschen auf der Flucht sind. 

Dass wir lernen, dass Besitz und Reichtum verpflichten; verpflichten, auch für andere zu sorgen - ohne Hintergedanken auf einen besonderen Lohn im Himmel, sondern weil das zum Menschsein gehört, zu einer Kultur des Miteinanders und Füreinanders - zum Christsein

Ein neuer Blick auf Erntedank - und auf das Miteinander der Menschen. Den Mut zum Teilen und zum Teilhaben lassen.
Der Blick auf die EINE Welt, die Gott uns ALLEN anvertraut hat.

Weil das unsere Schuldigkeit ist.  Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch