Predigt von Richard Baus zum 3. Adventssonntag, 13.12.2015

Lk 3, 10-18

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet die 3. Kerze brennt…“, so können wir in dieser Woche singen. Und manchmal hat man den Eindruck, als hieße Advent tatsächlich: Ein paar Kerzen anzünden, ein paar „liebe“ Gedichtzeilen aufsagen oder zu singen – und dann Abwarten und Tee trinken…oder Glühwein… bis Weihnachten kommt.

Die Predigt des Täufers Johannes weist da auf eine ganz andere Art von Advent hin:

Seltsamerweise nichts, was mit frommer und gemütlicher Stimmung zusammenhängt, sondern da wird es eher „handgreiflich“.

Was sollen wir tun? so fragen die Leute den Johannes, nachdem er ihnen wohl die Hölle ziemlich heiß gemacht hat, wenn er vom nie erlöschenden Feuer spricht und von der Schaufel, mit der die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Ja, Johannes wird konkret: Teilt mit denen, die weniger haben!, so sagt er. Fordert nicht mehr als erlaubt ist! Mißhandelt und erpresst niemanden, und begnügt euch mit dem, was ihr habt.

Für ihn ist diese Zeit des Wartens auf den Messias nichts Heimeliges und Gemütliches in den dunklen Abendstunden , sondern aktives Tun am hellen Tag.
Nichts, was man so parallel auch noch neben seinem Alltag praktizieren kann, sondern Advent ist für ihn etwas, was in den Alltag hineindringt – und was unser alltägliches Handeln verändern soll.

Das Warten auf den Messias muss sich in meinem Umgang mit den Menschen bemerkbar machen.

Vielleicht würde er uns sagen:
Ihr habt Eure Straßen so schön mit Girlanden, Sternen und Lichtern geschmückt --- jetzt lebt und benehmt Euch aber auf diesen Straßen auch so, dass es nicht nur bei den Äußerlichkeiten bleibt, sondern dass auch Euer Leben dem entspricht.
Vielleicht würde er uns sagen: In den Fenstern Eurer Häuser stehen Lichter und an den Türen hängen Kränze, alles wunderschön. Aber wie sieht es in Euren Häusern aus? Wie geht ihr da miteinander um? Seid ihr da barmherzig? Könnt Ihr vergeben und verzeihen? Sprecht Ihr miteinander – oder seid Ihr nur mit Euren Smartphones beschäftigt, so dass ihr Euch gar nicht mehr anschaut?!

Und habt ihr die Türen wirklich „hoch und weit gemacht“, so dass sie tatsächlich offenstehen für andere – auch für Arme, Flüchtlinge und Hilfsbedürftige? … so dass sie zur „Heiligen Pforte“ werden,  zur Tür, durch die das Heil ein und ausgehen kann – nicht nur in Rom, sondern auch zu Hause, in EUREM Haus?

Liebe Schwestern und Brüder,

ja, Johannes kann sehr deutlich werden. Schon fast unangenehm konkret.  Aber er weiß, dass der Weg zu Gott alleine über den Menschen führt. Wer Gott wirklich dienen will, der muß bereit sein, dem Menschen zu dienen. Wer Gott sucht, der wird ihn nicht in frommen Büchern und alten Traditionen finden, sondern unter den Menschen. Denn Gott ist Mensch geworden – und seitdem kann man Gott und den Menschen nicht mehr voneinander trennen.
Der Messias ist Gott im Menschenkleid. Und er begegnet uns jeden Tag – dort wo wir leben.

Und deshalb seid barmherzig – zu jedem – und überall dort, wo es auf Euch ankommt.
Ja, Johannes fordert und fordert heraus – die Menschen damals am Jordan und auch uns heute hier an der Wied.

Was sollen wir tun? So fragen die Menschen den Johannes.
Was sollen wir tun? So fragen auch wir in dieser Adventszeit.

Eine Antwort gibt uns Papst Franziskus, wenn er uns am Beginn des Jubiläums der Barmherzigkeit sagt: 

Seid barmherzig!
Seid barmherzig wie der gute Hirte, der das verlorene Schaf so lange sucht, bis er es findet – und der es, als er es findet, auf die Schultern nimmt und nach Hause trägt.

Seid barmherzig wie der Samariter, der einen Blick hat für das Elend und die Not einen, den er überhaupt nicht kennt - und der dann für diesen total Fremden das tut, was getan werden muß, damit er am Leben bleibt.

Und vielleicht ist eine Antwort auch das Wort der deutschen Bischöfe

zur Adveniat-Aktion, wo es heißt:

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Geburt Jesu Christi verheißt Gott den Menschen Frieden. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). Diese Botschaft verkünden die Engel den Hirten auf den Feldern von Bethlehem. Gott gibt in Jesus eine Antwort auf unsere Ur-Sehnsucht nach Frieden.

In den Ländern Lateinamerikas und der Karibik bleibt diese Sehnsucht im Alltag vieler Menschen unerfüllt. Sie erleben wachsende Kriminalität, Brutalität von Drogenbanden, Auseinandersetzungen zwischen Jugend-Gangs, zwischen Guerilla und Paramilitärs. Dies schafft ein Klima der Angst und der Einschüchterung und hat schlimme Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

Die Kirche steht auf der Seite der Opfer von Gewalt und Unrecht. Ihr Einsatz eröffnet Wege der Versöhnung: Menschen lernen, neu aufeinander zuzugehen und eine friedvolle und gerechte Gesellschaft aufzubauen. Die Adveniat-Jahresaktion 2015 steht unter dem Motto:

„Frieden jetzt! Gerechtigkeit schafft Zukunft.“ Adveniat unterstützt die Initiativen der Kirche in Lateinamerika und der Karibik in ihrem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit.

Bitte helfen Sie Adveniat dabei – mit Ihrer großherzigen Spende bei der Kollekte am Heiligen Abend und am Weihnachtsfest!

 

Fulda, den 23.09.2015          Für das Bistum Trier

                                             Bischof Dr. Stephan Ackermann

 

Was sollen wir tun?  Versuchen wir es einmal mit dieser Barmherzigkeit, die Frieden möglich macht.  Fangen wir bei uns selbst an. Seien wir barmherzig mit uns selbst, denn nur so können wir auch anderen gegenüber barmherzig sein.   Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch