Predigt von Richard Baus zum 3. Fastensonntag, 28.2.2016

Lk 13,1-9      Ex 3,1-8a.13-15

Liebe Schwestern und Brüder,

da kommen Menschen zu Jesus, um ihm die neusten Nachrichten zu erzählen –
von diesem Massaker, das Pilatus hat anrichten lassen: Beim Gottesdienst hat er Menschen umbringen lassen, beim Opfern, so dass ihr Blut sich mit denen der Opfertiere vermischt hat.

Und wir können geradezu die unausgesprochene Frage mithören: Was haben die wohl getan, dass sie so gestraft wurden?!?

Und der einzige Kommentar, den Jesus dazu gibt, lautet: Meint nicht, diese Menschen seien schlechter gewesen als ihr. Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. 


Ein ziemlich hartes Wort aus dem Mund Jesu. Besonders freundlich ist das nicht. Warum ist Jesus so?

Nun,  Jesus wendet sich mit diesen harten Worten gegen die damals weit verbreitete Meinung, dass ein Unglück, Leid oder solch ein jäher Tod, wie da berichtet wurde, die direkte Strafe Gottes ist - und zwar für eine ganz konkrete begangene Schuld. 

Er wendet sich dagegen, dass man jemand, dem ein Unglück zugestoßen ist, auf den Kopf zusagt: Das ist die Strafe für deine Sünden. Du bist selbst Schuld.

Und weil mir so etwas nicht passiert ist, bin ich offensichtlich besser als diese anderen….

Liebe Schwestern und Brüder,

mit seiner nach außen so harten Reaktion wendet sich Jesus gegen ein falsches Gottesbild:  gegen die Vorstellung eines Gottes, der – wie ein himmlischer Schnellrichter – offensichtlich nichts anderes zu tun hat als Schlag auf Schlag alles, was geschieht, entweder zu belohnen und zu strafen - je nach dem, was ein Mensch da gerade getan hat.

Jesus will sagen: So ist Gott nicht.
Gott ist nicht interessiert am Herumstochern in unserer Vergangenheit, um dort nach Fehlern und Versagen zu suchen – so wie manche Medien das so gerne machen, um Leute, besonders gerne Kirchenleute, über die Klinge springen zu lassen.
Und Gott will auch nicht Köpfe rollen sehen, wenn da was schief gelaufen ist;

sondern Gott hat viel mehr Interesse an unserer Zukunft;  an dem, was vor uns liegt, an dem, was wir noch besser machen können in unserem Leben, wenn wir auf ihn hören.

Wenn Sie sich an die 1. Lesung erinnern, da konnten Sie genau dieses andere Gottesbild herauslesen:  Das Bild eines Gottes, der rettet; der befreien will aus all den Situationen, die den Menschen so niederdrücken, dass sie einem das Leben nehmen.

Ein Gott, der das Elend sieht und die Klage hört – und der dann nicht sagt: Siehst du, selbst Schuld, geschieht dir recht! – sondern der herausführen und retten will aus dem, was uns gefangen hält . 

Aber ein Gott, der auf diesem Weg mit den Menschen nicht dauern sagt: Du musst…! Du sollst…! Und du darfst nicht,  sondern der liebevoll sagt: Ich bin da! Ich bin bei Dir! Ich nehme Dich bei der Hand und helfe Dir!

Liebe Schwestern und Brüder,

das ist das Gottesbild, das Jesus in seinem Herzen trägt.
Und wir dürfen davon ausgehen, dass Jesus mit diesem Gottesbild groß geworden ist; das hat Jesus gelernt - zu Hause, in seiner Schule, in seiner Heimatsynagoge –
und an diesem Bild hält er fest.

Ein Gott, der nicht den Tod des Sünders will, sondern der will, dass wir Menschen leben -- um uns verändern und bekehren zu können.

Und da Jesus die Menschen wohl sehr gut kennt und weiß, wie schnell wir mit anderen fertig sein können und kurzen Prozess machen - und dann meinen, Gott würde das genau so machen,  erzählt er noch diese wunderschöne kleine Geschichte vom Feigenbaum;
eine ermutigende Geschichte, die uns noch einmal sein Gottes-Bild aufzeigt:
das Bild eines unendlich geduldigen Weingärtners, einer, der eigentlich nie aufgibt, sondern immer noch Hoffnung hat – und der selbst sogar noch mithilft, damit dieser Baum, der anscheinend zu nichts taugt, vielleicht doch noch Frucht bringt. 

„Noch einmal“ so könnte man über diese Geschichte schreiben:
Noch einmal düngen, noch einmal aufgraben, noch einmal Geduld haben - vielleicht wird es ja doch noch was.

Und wo jeder Mensch gesagt hätte: Das wird nichts mehr, umhauen, rausreißen – da kann Gott warten, da ist Gott geduldig. Wenn nicht heute, dann vielleicht  doch morgen – oder erst in einem Jahr.

Ist das nicht wunderschön und tröstlich…!?

Alle Menschen habe eine Vergangenheit. So hat unser Papst unlängst einmal gesagt. In jedem Leben gibt es Dinge, die nicht ganz gut sind, auch im Leben der Heiligen. Denn als Heiliger wird man nicht geboren.

Aber, so fuhr der Papst fort: jeder Mensch hat auch eine Zukunft – eine Zukunft bei Gott. Und mit Gott kann alles noch gut werden. Denn dieser Gott ist eben nicht wie wir Menschen, sondern er ist langmütig, geduldig und reich an Erbarmen; ein Gott, der nicht richten will, sondern retten -- -- so beschreibt ihn uns die Bibel – und so predigt ihn Jesus.

So wie dieser Gott handelt, so behandelt auch Jesus uns Menschen – weil er bei diesem Gott in die Schule gegangen ist – und weil er Sohn  und Abbild dieses Gottes ist.

Gott kann gar nicht anders als barmherzig zu sein, so lehrt es uns dieses „Jubiläum der Barmherzigkeit“.

Denn Barmherzigkeit, das ist sein Wesen.

Und wäre er anders, dann wäre er nicht Gott.

 Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch