Predigt von Richard Baus zum 3. Ostersonntag, 10.04.2016

Kurzfassung  Joh  21, 15-19

Liebe Schwestern und Brüder,

das heutige Evangelium endet damit, dass Jesus dem Petrus das Hirtenamt überträgt. Aber das geht nicht mal so auf die Schnelle, sondern diesem Auftrag geht ein ernstes Gespräch voraus; ein Gespräch, in dem Jesus den Petrus nach ihrer Beziehung fragt: Liebst Du mich? so fragt Jesus. Dreimal fragt er ihn. Und es scheint, als tue Petrus sich ziemlich schwer mit der Antwort.

Liebe Schwestern und Brüder,
um der Tiefe dieses Gespräches zwischen den beiden und dem, was sich da im Gespräch ereignet, auf die Spur zu kommen, müsste man den griechischen Text vor Augen haben.

In der deutschen Übersetzung steht da einfach nur dreimal das Wort „lieben“. „Liebst Du mich“. Aber die Nuancen, die dort zur Sprache kommen -und die so wichtig sind, um das alles richtig verstehen zu können-, die kann man leider nicht so einfach ins Deutsche übersetzen.

Vielleicht helfen uns aber ein paar Umschreibungen.

Sie erinnern sich? Da fragt Jesus den Petrus beim ersten Mal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? 

Jesus bietet ihm ein „mehr als“ an, eine Zuneigung also, die die der anderen übertrifft. Größer und stärker als die der anderen.
Das wäre doch was!

Doch Petrus kann sich auf dieses „mehr als“ nicht einlassen,
sondern er antwortet nur: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“
Anscheinend hat Petrus gelernt aus seinem Versagen - ein paar Tage vorher. Hatte er doch kurz davor dem Herrn noch versprochen, er würde ihn auf keinen Fall im Stich lassen, auch wenn die anderen dies tun würden. Aber genau daran ist er gescheitert.

An Gründonnerstagabend ist er davongelaufen – genau wie die anderen. Und an Karfreitag hat er Jesus verleugnet. „Ich kenne diesen Menschen nicht“, so kam es aus seinem Mund als man ihn mit Jesus in Verbindung gebracht hat. Ja, Petrus musste sich schon einmal eines Bessern belehren lassen. So toll wie er immer getan hat, ist er gar nicht.
Und deshalb ist er wohl so sehr zurückhaltend mit seiner Antwort. Er weiß: Er ist nicht besser als die anderen. Zu diesem „mehr als die anderen“ ist er nicht fähig. Und da ist er ehrlich.

Interessant ist, dass Jesus sich darauf einlässt. Denn im weiteren Dialog lässt Jesus dieses „mehr als die anderen“ weg. Er fragt Petrus, ob er ihn liebt. Aber Jesus gebraucht hier für „lieben“ das griechische Wort „agapein“. Wir kennen das Wort von dem Begriff „Agape“. Und gemein ist damit eine Liebe, die selbstlos ist und bereit zur Hingabe.

Aber auch hier kann Petrus nicht einfach Ja sagen, sondern er verändert die Frage Jesu durch seine Antwort.

Ja, er liebt Jesus -- aber nicht bedingungslos und nicht selbstlos wie Jesus das gefragt hat, sondern er liebt ihn mit der Liebe eines guten Freundes (filein – so steht da im Griechischen).

Ich bin dein Freund! So könnten wir die Antwort des Petrus übersetzen. Mehr geht nicht. Mehr kann er nicht versprechen. Denn er hat erfahren, dass er scheitert, wenn er mehr verspricht. Er kann Jesus nicht bedingungslos lieben. Sondern er hat seine Grenzen.

Aber, und hier müssen wir eigentlich über Jesus staunen. Auch jetzt, liebe Schwestern und Brüder, geht Jesus immer noch auf Petrus ein. Und bei seiner dritten Frage fragt „nur noch“ nach
dieser freundschaftlichen Liebe:

Petrus, bist du mein Freund?
Und als Petrus jetzt JA sagen kann, schon selbst fast enttäuscht über sich selbst, weil der Herr ihn so oft fragen muß, bis er endlich JA sagen kann, da vertraut Jesus ihm das Hirtenamt an. „Weide meine Schafe“. Hab acht auf die Herde, die ich dir anvertraue. Leite und führe sie dorthin, wo Leben ist….

Liebe Schwestern und Brüder,
wie barmherzig und großherzig ist dieser Jesus!

Er kann ganz von sich selbst absehen, von seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen - und am Ende nur das von diesem Petrus verlangen, was der auch wirklich halten kann. Er verlangt keine größere Liebe von Petrus als die, zu der er überhaupt fähig ist. 

Jesus spürt, dass er diesen Petrus nicht überfordern darf und so kommt er ihm mit seinem Anspruch entgegen.  Und Jesus schraubt seine eigenen Erwartungen zurück, auf ein „Menschen-Maß“ zurück – auf das Maß, zu dem wir Menschen überhaupt fähig sind.

Auch wenn er, der Herr, selbst viel mehr Liebe geben kann, bis in den Tod hinein, so soll Petrus nur mit der Liebe antworten, zu der er fähig ist. 

Liebe Schwestern und Brüder,
wie entlastend das doch ist. Ein Jesus, der seine Meßlatte nicht so hoch hängt, dass wir gar nicht mehr dran können, sondern der sie nur so hoch hängt, dass wir noch ehrlich ein JA dazu sagen können.
Ein Jesus, der uns nicht überfordert und damit in ein Unglück stürzt, das schon vorprogrammiert ist, sondern der uns entgegenkommt – mit seiner Liebe. Ein Jesus, der uns so sehr liebt, dass er unseren „Mangel an Liebe“ mit seinem Überfluß an Liebe ausgleichen kann.
Und der uns dann in seinem Dienst nimmt, so wie wir sind – mit unseren Grenzen und Halbheiten, mit unserem Versagen und Scheitern. 

Weil er eben barmherzig ist.

Diese Osterzeit zeigt uns diesen wunderbaren, wohltuenden Jesus, der den Zweiflern und sogar den Verrätern nachgeht und sie einsammelt, sie wieder um sich versammelt, damit er wieder ihre Mitte sein kann.

Ein Jesus, der einem Totalversager wie Petrus, der keinen Deut besser ist „als die anderen“  am Ende immer noch seine Freundschaft und Liebe anbietet – und ihm sogar das Hirtenamt anvertraut.

Ich denke, das stellt uns schon die Frage nach unserem Gottesbild.
Ist Gott wirklich so hoch und unnahbar, wie es uns oft genug immer gesagt wurde, so dass wir immer nur vor Ehrfurcht erschauern müssen.
Oder ist er nicht doch ganz anders: Eben nicht ganz oben, sondern ganz unten bei uns?  Und gar nicht unnahbar, sondern uns so nahe, dass wir seine Freunde sein können? Ein Gott, der uns entgegenkommt – mit seiner Liebe und mit seinem Anspruch an uns. Der uns sogar so entgegenkommt, dass wir nicht lügen müssen, sondern ehrlich sein dürfen – bis in unsere Grenzen und Unzulänglichkeiten hinein.

Und der selbst dann immer noch was mit uns anfangen kann. Denn seine Liebe ist so groß, dass sie unsere Unzulänglichkeiten ausgleichen und unsere Schuld vergeben kann.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch