Predigt von Richard Baus zum 30. Sonntag im Jahreskreis C

Lk  18,9-14

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Beten und Beten – das sind unter Umständen zwei sehr verschiedene Paar Schuhe – wie man so sagt.
Schauen wir noch einmal hin auf diese beiden Beispiele, der der Evangelist Lukas uns da aufgezeigt hat.
Da ist zunächst der Pharisäer. Stolz und selbstbewusst geht er zum Tempel, um dort zu beten. Er hat auch allen Grund, Gott zu danken, denn in seinem Leben läuft wohl alles so, wie er es sich gewünscht hat.
Aber
, und das will Lukas zeigen, seine Worte sind nicht wirklich ein Gebet:  Dieser Mann benutzt zwar Worte, die wie ein Gebet klingen,  aber er führt eigentlich nur einen Monolog mit sich selbst.

Seine Worte klingen zwar, als wolle er Gott danken, aber in Wahrheit zählt er nur seine eigenen Leistungen auf.
Ja, er ist ein toller Kerl – und was könnte Gott eigentlich noch für ihn tun? Nichts – außer ihn vielleicht dafür zu belohnen. 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wie „hohl“ und geradezu peinlich ist dieses Gebet.
Dieser Mann sagt Gott, dass er selbst schon so gut ist, dass er Gott eigentlich gar nicht mehr braucht.

Wie so ganz anders ist dagegen der Zöllner. Er weiß, er ist ein Sünder. Und deshalb traut er sich gar nicht mal nach vorn. Ganz hinten bleibt er stehen, weil er weiß, dass er wieder einmal nicht so gelebt hat, wie er eigentlich hatte leben wollen; 
Er weiß, dass er es wieder einmal nicht geschafft hat, gut zu sein. Es bleibt ihm nichts anderes als sich an die Brust zu klopfen, um seine Schuld deutlich zu machen.
Und sein Gebet ist kurz, sehr kurz im Vergleich zu dem langen Monolog des Pharisäers: „Gott, sei mir Sünder gnädig“.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

dieser Zöllner betet mit den Worten eines Bußpsalms, der viel älter ist als er selbst. Er betet mit Worten, die schon viele Sünder vor ihm benutzt haben. „Geliehenen Worte“ sind es - aber  sie sprechen von seiner Wirklichkeit vor Gott:
Er ist ein Sünder; einer, der Hilfe braucht. Und es gibt nur noch einen, der ihm helfen kann: Und das ist Gott. Und von diesem Gott erhofft er sich alles.

Wie anders ist doch dieses Gebet!  In diesen wenigen, aber so ehrlichen Worten, da entsteht eine Beziehung zwischen dem Beter und Gott:
Dieser Zöllner legt Gott sein Leben in die Hände und bittet um Hilfe, --- und das macht  Wandlung möglich. 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Gott kann ihm helfen, weil seine Hände leer sind; er hat nichts, worauf er sich berufen könnte. Er hat nur diesen gnädigen und liebenden Gott, an den er sich in seiner Not wendet.

Und so kann Gott ihn berühren. Gott kann ihn trösten und heilen – und das macht in ihm Neues möglich. Deshalb geht anders nach Hause zurück als er gekommen ist – nämlich gerecht-gemacht und verwandelt – von Gott.

Denn, so schließt Jesus seine Erzählung über das Gebet: Wer sich selbst erhöht, der muss aufpassen, denn das könnte daneben gehen.
Aber wer sich selbst erniedrigt, bei dem kann alles gut werden – denn den kann Gott erhöhen.

Zwei Männer, die beten - im selben Tempel, zum selben Gott – aber in so ganz unterschiedlicher Weise – und mit sehr unterschiedlicher Wirkung....

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Lukas lässt oft zwei Menschen miteinander auftreten in seinen Geschichten: einen, der das Richtige tut und einen, der genau daneben liegt. 

Und mit diesen Zweien, da meint der Evangelist wohl immer uns. Wir, die wir diese Geschichte hören.
Denn beide stecken in uns drin. Der Pharisäer und der Zöllner.

Und damit wir es richtig machen, müssen wir achtsam sein - oder wie die Bibel es nennt:  „demütig“ und uns „selbst erniedrigen“.
Das klingt nicht sehr „chic“. Ich weiß. Aber es ist heil-sam.

Denn sich selbst erniedrigen, das heißt in der Bibel eben überhaupt nicht, sich kleiner oder schlechter zu machen als man ist;
sondern sich selbst erniedrigen heißt: hinabsteigen in seine eigene Wahrheit,
herunterkommen zu sich selbst
und dann ehrlich sein zu sich selbst. 

Denn nur so wissen wir, wo wir wirklich stehen in unserem Leben - und dass wir dann so vor Gott stehen. 

Aber wir dürfen sicher sein:  wir stehen vor einem Gott, der uns annimmt wie wir sind und der uns aufrichtet, wenn wir zu ihm rufen. 

Ein Gott, den wir aber genau dann allzu leicht über-sehen, --- wenn wir uns selbst erhöhen

weil er ja eben nicht oben ist,
er ist nicht oben bei den Großen und Hohen, 

sondern Gott ist immer ganz unten -
bei den Kleinen,
bei den Schwachen und bei den Sündern,
bei denen, die ohne ihn am Ende wären.
Es sind die, die er findet, weil sie ihn suchen -
damit er ihnen dann seine ganze Liebe schenken kann.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch