Predigt von Richard Baus zum 5. Fastensonntag, 13.3.2016

Joh 8, 1-11

Liebe Schwestern und Brüder,

da bringen also diese Männer jene Frau zu Jesus, die sie angeblich auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt haben. Und sie wollen eine Antwort von ihm. Steinigen – oder nicht. Dabei wissen sie schon längst, wie die Antwort lauten muss: Steinigen.

Da wird Jesus jetzt nicht drum herum kommen. Wenn sie wirklich beim Ehebruch ertappt wurde und wenn die Steinigung die Strafe dafür ist, dann kann er nichts anderes sagen. Und wenn er etwas anderes sagt, wenn er für Freispruch plädiert, dann steht er nicht mehr auf dem Fundament ihres Glaubens und nicht mehr auf dem Fundament ihres Gesetzes -- und dann können sie ihn gleich mitsteinigen.

Aber dann dieser Satz, den wohl niemand erwartet hat: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein……. Und alles ist mit einemmal anders.

Denn da ist keiner, der ohne Sünde wäre - und da ist keiner, der sich über diese Frau als Richter erheben dürfte, denn sonst wäre er selbstgerecht --- Und so stehlen sie sich davon, so dass Jesus am Ende alleine dasteht mit dieser Frau. Hat dich keiner verurteilt? ---- Auch ich verurteile dich nicht…… Sündige von nun an nicht mehr!

Eine neue Art des Umgangs mit Schuld, die Jesus uns da zeigt.
Einen Umgang mit Schuld, von dem auch wir lernen können.
Dabei ist zunächst festzuhalten, dass Jesus diese Schuld schon ernst nimmt. Da wird nichts heruntergespielt, nichts kleiner gemacht als es ist, nicht nach dem Motto: Ist ja nicht so schlimm - Schwamm drüber, kommt überall mal vor ------ Nein, Jesus nimmt die Schuld ernst. Da gibt es nichts zu deuteln. „Geh, und sündige nicht mehr!“, so sagt er sehr deutlich.

Aber Jesus verzichtet auf die Strafe, er verzichtet auf die Sühne ---- und statt dessen schenkt er einen neuen Anfang.

Und genau mit diesem Verhalten unterscheidet er sich von diesen Männern - und sicher auch von uns - Aber damit gleicht er Gott.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Jesus denkt nicht wie die Menschen denken, sondern wie Gott denkt - und er handelt auch nicht so wie die Menschen so gerne handeln, sondern wie Gott handelt: Nämlich Gnädig und barmherzig.

Wie jener Gott, der eben nicht will, dass der Sünder stirbt, sondern dass er lebt - denn nur wer lebt, kann sich bekehren. Nur wer lebt, kann sich verändern und neu beginnen. Jesus denkt und handelt wie Gott – und damit zeigt er, dass er wirklich der Sohn Gottes ist.
Er kann gar nicht anders, nicht anders als Gott.

Nochmal, liebe Schwestern und Brüder,

Gott weiß sehr wohl um unsere Schuld - denn er ist gerecht.  Er kennt das Recht.
Aber Gott ist nicht darauf festgelegt, jede Schuld auch zu bestrafen, sondern er kann sie verzeihen, er kann Schuld vergeben – aus Liebe. Aus Liebe zu einem Menschen, der doch sein Kind ist.

Gott haßt die Sünde, aber er liebt den Sündern, so sagen wir. Und damit treffen wir das Wesen Gottes: Seine Liebe. Eine Liebe, die so groß ist, dass sie ihn zum Erbarmen bringt – zur Barmherzigkeit.

Sie kennen sicher alle die Novelle von Bergengruen, die von einer ähnlichen Situaton berichtet: 

In einem italienischen Fischerdorf auf einer Insel gilt das ungeschriebene Gesetz: Eine Frau, die es Ehebruchs überführt ist, wird von einem hohen, schwarzen Felsen in den Tod gestürzt. Wieder einmal haben Männer eine Frau beim Ehebruch ertappt. Der Frau wird eine knappe Frist gewährt, in der sie ihren Mann ein letztes Mal sprechen darf. Aber der Mann ist nicht zu Hause und kehrt auch bis zum Ablauf der Frist nicht zurück. So wird das Urteil erbarmungslos vollstreckt.

Am anderen Tag sehen die Richter die Frau unversehrt am Herd ihres Hauses arbeiten. Staunen packt die Dorfbewohner, als der Mann der Geretteten erzählt, er habe um die Tat seiner Frau gewußt. Deshalb sei er hingegangen und habe tief unter dem Felsen sein Fischernetz gespannt; und dieses habe die Frau sicher aufgefangen.

Ein Netz. Ein Netz, das auffängt und rettet. Ein wunderschönes Bild für Gott. Für diesen Gott, der sehr genau um unsere Schuld weiß - aber der alles dafür tut, um uns aus dieser Schuld zu retten.

Ein Gott, der weiß, dass wir immer wieder versagen, immer wieder in die alten Fehler hineinfallen - und der deshalb immer wieder ein Netz ausspannt, das uns auffängt. Ein Netz aus Liebe,  ein Netz aus Barmherzigkeit und Langmut.
Und er breitet es aus, damit wir eben nicht umkommen in unserer Schuld – sondern trotzdem leben können; leben - um dann heimzufinden zu IHM, zum barmherzigen Vater.
Denn beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch