Lk 23, 35-43

  
Liebe Schwestern und Brüder, 

gemessen an der langen Geschichte des Christentums ist das Christkönigsfest ein recht junges Fest.

Erst 1925 wurde es in den Kirchenkalender eingefügt, um angesichts der totalitären Systeme der damaligen Zeit - und gegen jeden Führerkult der weltlichen Gesellschaft - die Frage zu stellen: Wer ist denn der eigentliche Herr dieser Welt?
Wer ist den wirklich unser König?

Und die Antwort, die dieses Fest uns geben will, lautet: Jesus Christus ist der König. Er - und sonst keiner.

Gewiß, einsehbar ist das nicht für jeden. Denn er ist so anders als andere Könige dieser Welt.

Er hält zwar auch Audienz, wie sich das für einen König gehört – aber nicht auf einem Thron, sondern am Kreuz,

nicht mit Pomp, sondern nackt und bloß.

Und sein „Hofstaat“ ist sehr gewöhnungsbedürftig:

Zwei, die mit ihm ans Kreuz genagelt sind.

Eine ganze Reihe von Leuten, die ihn verspotten - und das ist es dann auch schon, denn seine „Freunde“, jene, die er sich auserwählt hatte, die, auf die er gebaut hatte, die haben sich aus dem Staub gemacht.

Nein, das war zu viel für sie. 

Kleider machen Leute, so sagen wir. Aber keine Könige.

Denn ob einer wirklich König ist, das machen eben nicht die Kleider, sondern das zeigt sein Wesen. Das erkennt man nicht dran, wie einer aussieht, sondern an dem, was er tut, was er sagt - und wie er König ist.

Und Jesus ist ein König „auf Augenhöhe“. Auf Augenhöhe mit denen, für die er König sein will.

Dieses „Auf Augenhöhe“, das durchzieht sein ganzes Leben:
Als er in Betlehem geboren wurde, und die Engel verkündeten, dass nun der Retter der Welt, der Heiland, geboren sei, da lag er in einer Krippe.
Die Krippe als Zeichen dafür, dass der große Gott in ihm seinen hohen Himmel verlassen hat, um selbst ein Mensch zu werden, um ihnen gleich zu sein - auf Augenhöhe. Wer in einer Krippe liegt, zu dem muss niemand aufschauen, sondern zu dem muss man sich herunterbeugen, wenn man ihm in die Augenschauen will.

Und vor einem Kind in einem Stall muss auch kein Mensch Angst haben; sondern das muss man liebhaben. Ein König, vor dem man keine Angst haben muss, sondern den man lieben, den man ins Herz schließen kann, weil er so klein, so wehrlos und ohnmächtig ist.

Und so hat er dann gelebt - mitten unter den Menschen - auf Augenhöhe zu ihnen, und ganz besonders zu denen, über die die anderen so gerne hinweggeschaut haben - weil sie ihnen nicht gut genug waren: die Ausgestoßenen und Versager, die Aussätzigen und die Schwachen.

Dieser Freund der Sünder - und Kumpane der Huren, so nannten sie ihn - die Frommen und Guten, jene, die sich für so gut hielten, dass sie meinten, die Welt müsste zu ihnen aufschauen.

Und jetzt, so hat es uns das Evangelium eben erzählt, ist er wieder auf Augenhöhe mit Menschen gegangen, auf Augenhöhe mit diesen beiden Verbrechern, mit denen er zusammen ans Kreuz genagelt ist.

Wieder muss keiner zu ihm hinaufschauen, wieder muss keiner vor ihm Angst haben. Denn alle hat das gleiche Schicksal ereilt. Nur noch ein Schild verrät die Wahrheit, die sich den Augen nicht mehr erschließen kann:
Das ist der König der Juden.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, das ist unser König. Ein König auf einem Kreuzesthron.
Ein König, den keine Kleider machen und keine goldne Krone, sondern sein Wesen, seine Liebe. Seine unendlich große Liebe zu den Menschen, denen er sich gleichgemacht hat - um so für sie da zu sein.

Hier am Kreuz hält er noch einmal Audienz. Und hier am Kreuz zeigt er noch einmal, was der einzige Sinn seiner Herrschaft ist: Den Menschen zu dienen - und ihnen ein Retter und Heiland zu sein.

Amen. Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein - so verspricht er es dem, der da neben ihm hängt und ihn um sein Erbarmen bittet.
Keine Frage nach der Schuld, keine Abrechnung irgendwelcher Sünden, keine Goldwaage, auf die irgendwelche Worte gelegt werden, sondern einfach nur Vergebung.

Barmherzige Zuwendung, damit kein Mensch, der sich ihm in seiner Schuld zuwendet, verloren geht, sondern das Leben hat. 

Und das ist in der Tat königlich!

 
Amen

 

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch