Predigt von Richard Baus zum Fest der Erscheinung des Herrn, 6.1.2016

Fest der Erscheinung des Herrn 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Geschichte der Magier aus dem Morgenland gibt es eine Stelle, die ich immer wieder faszinierend finde: Diese Drei haben sich aufgemacht, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Und da machen sie das anscheinend einzig Richtige: Sie gehen in den Königspalast von Jerusalem. Denn wo sollte ein König sonst geboren werden als in einem Palast. Und wer sollten seine Eltern anderes sein als Könige. Und dann müssen sie feststellen, dass man dort im Palast gar nichts weiß von einem neugeborenen König – und man sie dann weiterschickt.

Und als sie dann dem Stern weiter folgen, da landen sie bei diesem Stall in Bethlehem. 

»Den Geburtsort eines Königs habe ich mir aber anders vorgestellt«, so haben sie vielleicht gedacht. Nicht in einem prächtigem Palast in der Hauptstadt Jerusalem, sondern einem armseligen Stall im kleinen Bethlehem. Dort beginnt die Erlösung. 

Und dort packen sie ihre Geschenke aus und sie beten dieses Kind an.

Wie gesagt, liebe Schwestern und Brüder,

das ist für mich das Faszinierende an der ganzen Geschichte:
Dass diese Drei irgendwo in ihrem Kopf wohl noch einen Schalter hatten, den sie umlegen konnten – so dass sie nicht stehen geblieben sind bei dem, was sie sich vorgestellt hatten, sondern dass sie sich auf etwas vollkommen anderes einlassen konnten.

Wie beweglich und flexibel müssen die Drei gewesen sein – dass sie das Heil in einem Stall finden – und nicht dort, wo sie es sich doch gedacht hatten...

Und ich vermute einmal, dass uns diese Geschichte auch genau das sagen will:
Wer ein Gott-Suchender ist, der muß flexibel sein.

Wer Gott sucht, der muß auch schon mal die Bilder, die er sich von Gott gemacht hat und die eigenen Vorstellungen davon, wie Gott zu sein hat und was er zu tun hat, aufgeben – und sich auf Neues einzulassen, auf Ungewohntes, selbst wenn es aussieht als wäre es total ver-rückt.

Denn Gott ist nicht vorstellbar. Gott ist nicht kalkulierbar. Gott kann man nicht berechnen und nicht festhalten in Gesetzen, Vorschriften und Bildern, sondern Gott ist immer anders.

Das ist das Problem vieler Menschen, die so ihre festen Bilder haben, auch in der Kirche.
Gott ist immer groß und mächtig – wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit. Unveränderbar!

Dabei kann Gott sich ganz klein machen. Ihn kann man sich nicht verdienen, sondern wir können uns ihn immer nur schenken lassen. Und dann ist er oft so ganz anders als wir uns das vorgestellt haben.

Für viele ist Leben ja erst dann sinnvoll, wenn es mit Reichtum, Stärke, Ansehen und Gesundheit verbunden ist. Alles andere ist Verlust, Unglück oder sonst was.

Aber seit der Menschwerdung Gottes im Kind von Bethlehem gilt: Jedes Leben hat seinen Sinn, jedes Leben, auch das schwache und kranke, auch das alte und behinderte, auch das gebrochene und enttäuschte.

Der Stern über dem Stall von Bethlehem ist ein Zeichen der Hoffnung, dass kein Mensch von Gott vergessen ist – und dass Gott sich sogar in einem Stall finden lässt – von Menschen, die in ihren Köpfen nicht festgelegt und festgefahren sind, sondern die mit dem Herzen sehen können – und dann das entdecken, was den Augen verborgen bleibt – und was für einen berechnenden Verstand gar nicht sein kann.

Noch einmal:  Gott lässt sich nicht berechnen, aber er lässt sich lieben.
Gott lässt sich nicht verdienen und nicht kaufen, selbst wenn wir uns noch so anstrengen, aber er kann sich uns schenken – weil er nicht nur gerecht, sondern vor allen Dingen barmherzig und liebevoll ist.

Und seine Barmherzigkeit und seine Liebe, die gelten allen, besonders denen, deren Leben sich manchmal eher in einem Stall abzuspielen scheint als in einem gutbürgerlichen Haus oder gar einem Palast. Er ist das Heil für die, die ihn suchen – und für die, die ihn brauchen.

Liebe Schwestern und Brüder,

und das sei nun mein Wunsch an diesem Festtag heute: Dass Sie Suchende sind und bleiben. Menschen, die nicht festgelegt und nicht festgefahren sind, sondern die, wie die hl. Dreikönige, diesen Schalter im Kopf haben, der es Ihnen möglich macht, sich immer wieder auf Neues und Unbekanntes einzustellen ---denn dann müssen Sie nie mehr sagen: Das war noch nie so. Früher haben wir aber immer…

Denn dann müssen Sie nicht „im Früher“ leben, sondern Sie können im Heute leben und sicher sein, dass Sie Gott dort finden können, wo Sie leben, denn ER lebt ja Ihr Leben mit Ihnen, selbst dann, wenn Sie es nie für möglich gehalten hätten. 

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch