Predigt von Richard Baus zum Stephanus-Tag, 26.12.2015

Liebe Schwestern und Brüder,

Kaum ist der Gesang der Engel verklungen, da fliegen schon die Steine und da fließt Blut - und das im Namen der Religion, im Namen Gottes.

Stephanus wird gesteinigt, weil er ein anderes religiöses Bekenntnis hat als die offiziellen Vertreter des jüdischen Volkes. Stephanus ist ein Störenfried. So wie er von Gott spricht und wie er den Sohn dieses Gottes verkündet, Jesus von Nazareth, das will man nicht hören. Das stört. Und der kürzeste und sicherste Weg, einen Störenfried loszuwerden ist, ihn umzubringen.
So hat man es mit Jesus getan, der auch ein Störenfried war - mit seiner Predigt, mit der Art, wie er mit Sündern und Ausgestoßenen umging. Und so macht man es mit Stephanus.

Nein, diesen Stephanus mit seinem Glauben an diesen Jesus, den will man nicht unter sich haben.Und so wird er das erste Opfer um des Namens Jesu willen. Der erste Märtyrer unserer Kirche.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass im Namen Gottes oft genug großes Unheil über die Menschen gebracht wurde - und auch noch wird. Im Namen Gottes wurde und wird gemordet und zerstört. Im Namen Gottes wurden und werden ganze Völker vernichtet. Heilige Kriege und Kreuzzüge waren und sind in fast allen Religionen bekannt. Da bilden wir Christen keine Ausnahme.

Nur gut, dass wir Christen gelernt haben, dass Kriege im Namen Gottes nie und nimmer heilig sein können, sondern immer unheilig sind.
Nur der Friede ist heilig, denn der kommt von Gott.
Und der wurde schon bei der Geburt unseres Herrn verkündet - den Hirten - und den Menschen guten Willens.

Stephanus wohl ein solcher Mensch „guten Willens“. Auch wenn er für die Juden seiner Zeit als Störenfried galt - wegen seiner Liebe zum Herrn, wegen seiner Treue zum Evangelium , so zeigt er sich gerade in seinem Sterben als ein Mann des Friedens: Er verzichtet auf Gewalt - auch wenn er selbst Opfer von Gewalt wird. Er kann, wie sein großes Vorbild Jesus, wie sein Herr, sogar für seine Feinde beten. Und so stirbt er mit denselben Worten auf den Lippen wie Jesus am Kreuz: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.
Ja, Stephanus kannte die Worte seines Herrn sehr gut,
das Wort des Herrn von der Vergebung am Kreuz - aber auch die Worte der Bergpredigt: Selig die keine Gewalt anwenden. Selig, die Frieden stiften. Auch wenn dieser Friede einen hohen Preis fordert.
Aber wo Menschen, so wie Stephanus, bereit sind, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten, sondern die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen, da ist der Himmel offen.

Liebe Schwestern und Brüder,

der Stephanus-Tag lädt uns ein, die Friedensbotschaft von Weihnachten ernst zu nehmen - und unser eigenes Verhalten in den Blick zu nehmen:

Wie tolerant sind wir gegenüber Fremdem? Wieviel „Andersartigkeit“ können wir aushalten, ohne aggressiv zu werden? Und wieviel Achtung haben wir gegenüber Menschen, die in einer anderen Religion versuchen, ihrem Gott zu dienen - in Liebe und mit dem Wunsch, Frieden zu schaffen? 

Der Friede, den Jesus gebracht hat, ist kein Kuschel-Friede, sondern der bedarf eines starken Willens.  Und Frieden auf Erden gibt es nur dann, wenn im Letzten, einem liebenden und barmherzigen Gott die Ehre erwiesen wird.
Gott aber ehren wir dann, wenn wir sein Ebenbild, den Menschen, achten; wenn wir jeden Menschen respektieren, egal welche Hautfarbe er hat und welcher Kultur oder Religion er angehört.

Diese Achtung vor dem anderen hat manchmal auch ihren Preis. Jesus und sein Jünger Stephanus haben einen hohen Preis bezahlt. Aber so wurden sie zu Zeugen einer neuen Welt, einer Welt, in der Achtung und Frieden herrschen - weil dort Gott wohnt.

Auch wir sind Zeugen dieser neuen Welt Gottes. Und unser Beitrag für den Frieden in der Welt könnte darin bestehen, dass wir achtsam sind im Reden über unsere Mitmenschen, besonders, wenn diese uns fremd sind - wie die Menschen, die in diesen Tagen bei uns Schutz und Hilfe suchen.

Und dass wir dort, wo wir an unsere Grenzen kommen, vielleicht einfach mal anfangen, zu beten - für die, die so anders sind als wir, dass es uns vielleicht sogar Angst macht - und für uns selbst … um Gottes guten Geist, der weit ist und groß - und der den  Himmel offen hält --- uns - und allen, die mit lauterem Herzen ihren Gott suchen - egal welche Hautfarbe sie haben und egal welcher Religion sie angehören.

Denn am Ende werden wir mit Sicherheit in diesem offenen Himmel erfahren, dass es tatsächlich nur den einen Gott gibt - und nur den einen Himmel.

Amen

(Gedanken dieser Predigt habe ich einer Predigt von Pastor Andreas Knapp entnommen, 26.12.2006 in Buchen-Hettingen)

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch