Predigt von Schwester Jutta Maria Musker zum Pfingstmontag

Liebe Schwestern und Brüder

„Komm, O Geist der Heiligkeit,
Aus des Himmels Herrlichkeit,
Sende deines Lichtes Strahl“

So haben wir in der Pfingstnovene, dem neuntägigen Gebet, um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet. Wir erhoffen vom Heiligen Geist, dass er reinwäscht, was befleckt ist, heilt, was verwundet ist, wärmt, was erkaltet ist, löst, was erstarrt ist, lenkt, was den Weg verfehlt.

Gestern haben wir das Pfingstfest gefeiert, wir wissen, dass nicht nur die Apostel damals, sondern auch wir, jeder Einzelne von uns den Heiligen Geist empfangen haben, und sehnen uns nach seinem Wirken. Und doch bleibt der Heilige Geist vielen von uns fremd, so dass wir auf Bilder und Symbole angewiesen sind.

In der Bibel lesen wir vom Wind, oder Hauch Gottes als Metapher für den Heiligen Geist, die Grundbedeutung von Ruach, Pneuma, Spiritus.

Ein weiteres Symbol für den Heiligen Geist ist der Atem. Es kann für uns hilfreich sein, uns schweigend hinzusetzen, auf unseren Atem zu achten, und bewusst aus- und einzuatmen. Der Atem kommt und geht, vielleicht können wir etwas von einer inneren Glut, oder von einem inneren Feuer, das in uns brennt und uns wärmen und  uns neu beleben möchte, erfahren.

Ich möchte Sie jetzt einladen, kurz der Frage bei sich nachzuspüren, …wer ist der Heilige Geist für mich?….

Als ich diese Übung für mich machte, kam mir das Bild, bzw.die Bibelstelle wie der Auferstandene Jesus am Ostertag seinen Jüngern erschien, und sprach:

„Friede, sei mit Euch, empfangt den Heiligen Geist“, und er hauchte sie an.

Wir merken die Parallele zum Schöpfungsbericht, Gott will durch seinen Geist alles neu machen und im heutigen Evangelium hörten wir: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern, dass die Welt durch ihn gerettet wird.“

Ja, Gott möchte uns heilen, von unseren krankmachenden Selbst- und Gottesbildern, und uns versöhnen mit unserer Lebensgeschichte, unseren Fehlern, Versagen, Gefährdungen und unserer Schuld. Er nimmt uns an wie wir sind.

Mit uns versöhnt können wir neu auf unsere Mitmenschen zugehen. Manchmal fühlen wir uns Anderen gegenüber benachteiligt, minderwertig, wir sind voll Ärger und Neid, meinen der Andere hat es viel leichter im Leben, weil wir ihn nur aus der Ferne erleben. Würden wir ihn aus der Nähe betrachten, würden wir seine Verletzungen und Wunden erkennen. Wir könnten anders miteinander sprechen, und langsam seine Sprache verstehen. Blockaden würden gelöst, ein aufeinander Zugehen wäre möglich.

Es wäre schön, wenn wir nach Pfingsten ganz bewusst auf einen Menschen zugehen könnten, mit dem wir uns schwer tun, im Vertrauen darauf, dass Gottes Geist diese Barriere überwindet.

Wir könnten erfahren, was wir in der 2. Lesung gehört haben, „dass wir alle Töchter und Söhne Gottes sind, weil wir den Geist Gottes empfangen haben und der Geist Gottes unsere eigene Kraft ist.“

Und dieser Geist Gottes fordert uns heraus, er drängt uns dazu, das weiter zu geben, was wir von ihm empfangen haben. Niemand ist dafür zu alt, zu jung oder zu unwichtig.

In der ersten Lesung aus dem Buche Joel haben wir gehört: “Es wird geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch“

Diese Zusage gilt für alle Generationen, auch für uns heute in unserer Welt voller Unfriede, Angst und Verunsicherung. Sehen wir aber auch die Zeichen einer Neuorientierung, Zeichen des Wirkens vom Geist Gottes.

So begegne ich immer wieder Menschen, die aufrichtig und lauter nach dem Sinn ihres Lebens, nach ihrer persönlichen Berufung fragen und nach einer ehrlichen Beziehung zu Gott suchen.

Ferner beeindrucken mich die vielen Initiativen in unserer Umgebung, in denen Menschen sich engagieren, Anderen, die in Not geraten sind, zu helfen und für mehr Frieden und Gerechtigkeit bei uns und in unserer Welt einzutreten.

Sehen wir mit welchem Engagement sich Menschen für Benachteiligte, Obdachlose und vor allem in den letzten Monaten für Flüchtlinge und Migranten einsetzen und versuchen, ihnen zu helfen, in unserem Land eine neue Heimart zu finden.

In unserer Kirche merke ich vor allem unter Papst Franziskus viele Aufbrüche zu mehr Dialog und Völkerverständigung, mehr Barmherzigkeit und mehr Solidarität mit den Armen. So ist der Grundtenor der neuen Enzyklika des Papstes „Amoris laetitia“, dass niemand aus der Barmherzigkeit Gottes herausfällt.

Und beten wir um Gottes Geist, dass viel von den Hoffnungen, die mit der Synode unseres Bistums verknüpft waren, umgesetzt werden kann., dass immer mehr der einzelne Gläubige mit seinen Fähigkeiten und Charismen in den Blick genommen wird.

Ich bitte Sie jetzt, das ungewöhnliche Pfingstbild von Sieger Köder, das Sie bekommen haben, zur Hand zu nehmen

Dazu einige Gedanken aus einer Meditation von  Pater Theo Schmidkonz (SJ).

 
Es wird gebaut.

Unten im Bild sehen wir das Gerüst des Turmes von Babel.

Menschen sitzen im Dunkeln, sie bauen, aber ohne Beziehung zu Gott und verlieren so die Beziehung zueinander.

Dann der Gegenvorschlag:

In der Mitte des Bildes sehen wir die Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen Jesu.

In der Apostelgeschichte lesen wir dazu: „Sie beteten intensiv und waren ganz eins, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu.“ Sie vertrauen auf die Liebe Gottes, und beten um den heiligen Geist, und er kommt über sie.

Wichtig ist die Gestalt des Petrus. Er stellte sich hin und erhob seine Stimme. „So spricht Gott, ich werde von meinem Geist ausgießen!“ (Apostelgeschichte 2,17)

Nach oben ist das Haus offen für alle.

Wir sehen drei Zeugen des 20. Jahrhundert, die prophetische Botschaften von Gottes Liebe und Barmherzigkeit verkündeten. (Unschwer zu erkennen sind Dietrich Bonhoeffer, Patriarch Athenagoras, und der Heilige  Papst Johannes XXIII) .

In der oberen Etage sehen wir Menschen, die die Botschaft Gottes weitertragen, die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.

Jesus sagt: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Aber alle Bewohner verbindet ein und derselbe Geist.“ (1 Kor.12)

Das oberste Fenster ist offen, hier beginnt die Zukunft.

Wie werden wir das Fenster füllen?

 
Ja, lernen wir von den ersten Christen. Sie hatten den Mut im Vertrauen auf Gottes Geist neue Wege zu gehen, und Grenzen der Angst, des Misstrauens und der Intoleranz zu sprengen durch eine lebensbejahende Konfliktfähigkeit und heilende Begegnungen. So können wir Zeugnis geben von der menschgewordenen Barmherzigkeit Gottes. 

Glauben wir an die Verwandelbarkeit eines jeden Menschen und unserer Welt durch Gottes Geist, dass die Sprachverwirrung durch eine verbindende Herzenssprache abgelöst werden kann.

Dann kann sich das Wunder von Pfingsten ereignen, hier und heute   

 
Amen

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch