Predigt von Richard Baus zum Sonntag des Guten Hirten

C 2016  Ostersonntag 4

Sonntag des Guten Hirten

Liebe Schwestern und Brüder,

die ältesten Christusdarstellungen, die wir aus Rom kennen, zeigen nicht Jesus am Kreuz, sondern sie zeigen Jesus als einen Hirten. Auf manchen der Darstellungen wird er gezeigt, wie er seine Schafe zur Weide und ans Wasser führt – und andere zeigen ihn, wie er eins der Schafe auf den Schultern trägt, wohl damit es nicht zurückbleiben muß, wenn es aus eigener Kraft nicht mehr weiterkann.

Dieses Hirtenbild ist im Alten Testament schon ein Bild für Gott.

Ein Gott, der für sein Volk sorgt wie ein guter Hirte: Der die Herde dorthin führt, wo sie Futter und Wasser findet. Der sie zum Ruheplatz am Wasser führt, wo sie sich ausruhen und erholen kann. Ein Hirte, der die Herde hinausführt ins Weite, wo Leben möglich ist. Der die Mutterschafe behutsam führt,  die Schwachen verbindet und dessen Hirtenstab Zuversicht schenkt, weil der Stab nicht dazu da ist, um die Schafe zu schlagen, sondern um sich gegen Feinde zu wehren und Angreifer in die Flucht zu schlagen.

Und von diesem biblischen Hirten-Gott weiß jeder: Die Herde ist nicht für ihn da, sondern er ist für die Herde da.

Sein Ziel ist es nicht, am Ende mit den Schafen gutes Geld zu machen, indem er ihnen das Fell über die Ohren zieht und ihr Fleisch verkauft, sondern sein Ziel ist die Sorge für diese Tiere, seine Hirtensorge.

Im Lateinischen heißt Hirte: Pastor.

Und die Sorge eines solchen Pastors nennen wir Pastoral, d.h. Seelsorge.

Und schon wird uns sicher allen klar, warum wir heute auch den
Weltgebetstag für geistliche Berufe begehen:
Damit es in unserer Kirche solche Hirten gibt. Menschen, die ein Herz haben für die Herde unseres Herrn. Menschen, denen es nichts ums Herrschen geht, sondern ums Leiten und Führen.
Menschen, die sich in erster Linie nicht um sich selbst sorgen, sondern um „die anderen“, um die Herde.

Natürlich sind solche „Berufe“, und da denke ich jetzt nicht nur an Priester, sondern auch an Ordensfrauen und Ordensmänner, an Diakone und an Seelsorgerinnen und Seelsorger in den anderen Berufen der Kirche, nicht einfach „machbar“.
Sondern letztlich sind sie Geschenk; Geschenk des einen Guten Hirten Jesus Christus an seine Herde heute.

Und um dieses Geschenk wollen wir heute in besonderer Weise beten.

Liebe Schwestern und Brüder!
dieser Welttag heute will deutlich machen:
Berufe der Kirche, das geht uns alle an!

Berufe der Kirche, das ist nicht nur Sache von wenigen Zuständigen und Verantwortlichen in Trier oder Rom,  sondern Berufe der Kirche, das muss Anliegen jeder Gemeinde, jedes Klosters und Herzensanliegen jedes einzelnen von uns sein.

Und da müssen wir uns schon mal fragen: Was tun wir denn dafür?
Gehört die Bitte um solche Berufe überhaupt zu unserem täglichen Gebet?
Fühlen wir uns da im Gebet überhaupt mitverantwortlich?

Aber Kirchliche Berufe, die fallen ja nicht vom Himmel, wenn wir nur lange genug darum beten, sondern die wachsen von unten aus den Gemeinden, die wachsen in den Familien, in kirchlichen Gruppen.

Und auch da müssen wir uns dann schon mal fragen: Ist denn das Leben in unseren Familien so, dass aus ihnen Priester- und Ordensberufe hervorgehen können?  Oder raten wir jedem ab, der so was im Sinn hat.
Ist das Leben in den Orden und geistlichen Gemeinschaften so, dass es Menschen anziehend und erstrebenswert finden? Dass da einer sagt: Ja, so wie die leben, so möchte ich auch leben! Das gefällt mir.

Vielleicht ist der Priestermangel ja viel mehr als wir ahnen eine Folge der Verdunstung unseres eigenen Glaubens, der Entchristlichung unserer eigenen Familien und eines dramatischen Rückgangs des kirchlichen Lebens in unseren Gemeinden.
Denn wir haben ja nicht nur Priestermangel, sondern wir haben ja auch Gemeindemangel.
Denn wieviel Prozent aus unseren Gemeinden nehmen noch Teil am Leben unserer Pfarrgemeinde – bzw. wie viel tun es nicht mehr.

Und ob da jetzt wirklich alles an einem einzigen Papst und an ein paar Bischöfen liegt, dass sich was ändert – ich glaube es nicht.
Sondern ich denke, das liegt viel mehr auch an uns:
an uns als Mitchristinnen und Mitchristen,
an den Vätern und Müttern,
an jeder und jedem Einzelnen von uns….
denn so wie wir sind, so ist doch am Ende dann auch unsere Kirche. Und wenn wir zwar alle ganz, ganz hochwürdig, aber nicht liebenswürdig  sind, 

wenn wir zwar ganz, ganz fromm, aber gar nicht barmherzig und nicht einladend sind, nicht mit einem Herz für die Schwachen und Gescheiterten, wer sollte dann auch Interesse an uns haben?!

Vielleicht sollten wir uns deshalb einfach noch mal den Guten Hirten Christus vor Augen halten – mit seiner ganzen Liebe und Barmherzigkeit zu uns.
Und vielleicht sollten wir selbst uns einmal von ihm barmherzig und voller Liebe in die Arme nehmen lassen – und nachspüren, wie gut es tut, einen solchen Hirten zu haben:

Einen, der uns nicht antreibt und hetzt, sondern zur Ruhe führt am Wasser. Einen, der nicht der große Richter, sondern unser Retter sein will.

Und wenn wir dann versuchen, selbst auch mal so zu sein – zu uns selbst und zu den anderen…. Vielleicht verändert sich ja dann was --- an uns, --- an unseren Familien, --- in unseren Gemeinschaften – und dann auch in unserer Kirche.

Vielleicht haben wir dann das Klima, das nötig ist, damit das wachsen kann, was wir heute so dringend brauchen:

Gute Hirtinnen und Hirten - in unseren Familien und in unserer Kirche.

Amen

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch