Predigt von Richard Baus zum Fest der Hl. Familie, 27.12.2015

Lk 2,41-52

Liebe Schwestern und Brüder,

Fest der Hl. Familie, so steht über dem heutigen Sonntag.

Was ist das, eine hl. Familie? Oder wann ist eine Familie heilig???

Wenn sie eine Vorzeige-Familie ist, mit der man sich überall sehen lassen kann?  Wenn die Kinder sozusagen auf´s Wort gehorchen? Wenn die Eltern sich gut vertragen und alles friedlich ist?

Nun, von dieser hl. Familie von Nazaret wissen wir nur sehr wenig, fast nichts. Aber das wenige, das wir wissen, scheint gar nicht so an dieses Ideal ranzureichen. Denn dieser Jesus ist eher ein ungehor-sames Kind als gehorsames. Und er kann den Familienfrieden ganz schön stören. Die Eltern geraten außer sich wegen seines Verhaltens.
Ungezogen ist er - so haben wir es gerade im Evangelium gehört.

Wir kennen die Geschichte jener Hochzeit zu Kana, bei der Maria Jesus bittet, doch zu tun, was sie da vorschlägt – und sie sich sagen lassen muß: Frau, was habe ich mit Dir zu tun??

Und die Hl. Schrift verschweigt auch nicht, dass Maria und die Brüder Jesu sich eines Tages auf den Weg machen müssen, um Jesus zurück-zuholen, weil sie meinen, er sei von Sinnen. Und als man ihn ruft, aus dem Haus zu kommen, weil seine Mutter und seine Brüder draußen auf ihn warten, da sagt er nur: Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?  Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Mutter, Bruder und Schwester.

Jesus macht eigentlich, was er will; er macht das, wo zu er sich berufen fühlt. Und so ist Jesus eher ein schwieriges Kind, das seinen Eltern Sorgen macht.

Also: Der Gehorsam der Kinder allein scheint es nicht auszumachen, ob eine Familie heilig ist oder nicht.

Vielleicht gibt es ja noch ein anderes Kriterium. Vielleicht liegt es nicht am Gehorsam der Kinder, sondern an der Ausdauer der Eltern, mit einem schwierigen Kind wie Jesus trotzdem zu recht zu kommen. An der Geduld der Eltern, dieses Kind mal sein zu lassen wie es ist – und ihm weiterhin Liebe zu schenken.

Ihm immer noch die Geborgenheit zu schenken, in der ein Kind heranwachsen kann, auch wenn es einen außer Fassung bringt.

Das Vertrauen zu haben, dass aus diesem Kind schon etwas werden wird - weil es ja auch Gottes Kind ist. Und die Gelassenheit, dass dieses Kind ja vielleicht gar nicht dazu da ist, den Willen seiner Eltern zu erfüllen, sondern den Willen Gottes. Dass es am Ende nicht das „Produkt“ seiner Eltern sein muss, damit die dann glücklich und zufrieden sein können, sondern dass in ihm der Wille Gottes groß werden darf, so dass Gott sich über dieses Kind freuen kann.

Nicht Eltern wissen immer, was gut ist für ihre Kinder, sondern Gott.

Nicht Familien entscheiden, was aus den Kindern werden soll, sondern Gott….
(Und auch nicht eine Ordensgemeinschaft kann immer sagen, wie eines ihrer Mitglieder zu sein hat, zu leben und zu glauben hat, sondern Gott.)

Ein spannender Gedanke. Nicht Menschen entscheiden, sondern Gott – und eine Familie macht das möglich.

Familien wären demnach dann heilig, wenn sie einem Kind, einem Mitglied den Raum schenken, in dem das heranwachsen kann, was Gott in diesen Menschen hineingelegt hat.

Und das scheint irgendwann in dieser Familie von Nazaret möglich gewesen zu sein: Dass Gott zum Zug kommen konnte. Nicht die Pläne eines fleißigen Vaters, nicht die Pläne einer ehrgeizigen Mutter, die doch das Beste für ihr Kind wollen, sondern die Pläne eines liebenden Gottes, der seinen Sohn ins Leben hinein entlässt – und ihn mit seiner Liebe begleitet.

Vielleicht ist eine Familie dann eine Heilige Familie, wenn Gott das Maß ist, nachdem man in ihr urteilt und handelt. Und dann darf einer auch mal krumme Wege gehen, weil Gott ja auch auf krummen Zeilen grade schreiben kann. Dann darf auch einer mal scheitern, am Kreuz landen, und von allen anderen abgeschrieben werden, weil Gott ja keinen abschreibt – und Gescheiterten einen neuen Anfang schenkt – und Tote wieder auferweckt.

Und vielleicht ist eine Familie dann eine Heilige Familie, wenn in ihr nicht nur die Erfolge zählen, nicht nur das Große und Mächtige, das was man „machen“ und berechnen und mit Gewalt aus dem Boden stampfen kann kann, sondern wenn dort auch das Kleine zählt und Geringe. Die kleinen Dinge, die aber voller Liebe sind – und voller Barmherzigkeit. Die Dinge, die man sich trotz allen Geldes nicht kaufen kann, sondern die man sich schenken lassen muß.

Eine Heilige Familie ist vielleicht die, in der man nicht an einen großen, mächtigen und unnahbaren Gott glaubt, sondern an den kleinen Gott, der so heruntergekommen ist, dass er Mensch wurde.

Wo man beten kann:

Ich glaube an den Kleinen Gott...

Ich glaube an den kleinen Gott

der nicht durch hohe Pforten Einzug hielt

nicht königsgleich durch weite Tore schritt

sondern durch das schäbige Gatter eines Stalls

und zwischen den staubigen Ritzen eines Holzverschlags

in unsere Welt schlüpfte

 

ich glaube an den Gott im Futtertrog

den ein unverheiratetes armes Mädchen

zwischen Strohballen und Viehgestank

fern ihrer Heimat

unter Schmerzen zur Welt brachte

blutig und nackt

 

ich glaube an den Gott am Rand

der weder in den Kaiserpalästen Roms

noch auf den Stufen des stolzen Tempels zu Jerusalem

seinen Fuß in unsere Welt setzte

sondern der abseits der Zentren von Glaube und Macht

eine ganz neue Spur zog, unscheinbar, übersehbar fast

 

ich glaube an den Gott von unten

der immer noch ankommen will

im Morast unseres Alltags

in den finsteren Winkeln unserer Herzen

der sich einnisten will

in den leeren Trögen unserer Sehnsucht

zwischen den geknickten Strohhalmen

unserer Hoffnungslosigkeit

 

ich glaube an den kleinen Gott

der noch immer

wehrlos, zerbrechlich und bloß

Jahr für Jahr neu geboren

sich uns

in die bergenden Arme legt.

(Susanne Ruschmann)

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch