Predigt von Richard Baus zum Weihnachtshochamt, 25.12.2015

Joh 1, 1-5.9-14

Liebe Schwestern und Brüder,

während das sich das Lukas-Evangelium der Hl. Nacht mit Engeln und Hirten beschäftigt hat, mit „Frieden und Freude“, da klingt das Johannes-Evangelium „Am Tag“ so ganz anders. Nichts von jubelnden Heerscharen, nichts von frohen Hirten, sondern da heißt es sehr einfach: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. 

Unter uns, liebe Schwestern und Brüder.  In unserer Welt.

Das Menschgewordene Wort hat in derselben Welt gelebt, in der auch wir leben und die so oft alles andere als idyllisch und romantisch ist --- weil hier  keine Engel vom Frieden singen, sondern wo Waffenlärm vom Krieg kündet…und wo die Flucht der Jesus-Familie nach Ägypten, über die wir uns in wenigen Tagen „fromm entrüsten“ können, zur schrecklichen Realität von Millionen von Menschen geworden ist.

Das Wort ist Fleisch geworden, Mensch geworden und hat unter uns gewohnt – in unserer Welt, die so schrecklich un-menschlich sein kann und so erlösungsbedürftig ist.

Und so haben wir das Kind in unserer Krippe auch nicht idyllisch auf Heu und auf Stroh gelegt, sondern auf Zeitungspapier, auf die Schlag-zeilen, die uns schwarz auf weiß von all dem künden, was unsere Welt so un-heil und so un-menschlich macht.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern Weihnachten. Und Weihnachten feiern heißt für viele: Wir hängen Sterne auf und Lichter; wir verpassen unserer Welt ein paar Goldkugeln und Watteschnee. Wir dekorieren um – und alles sieht ein bisschen „netter“ aus. Hübsch. Heimelig.

Aber Gott ist nicht Mensch geworden, um unserer Welt ein paar Glanzlichter aufzusetzen, um sie ein bisschen „aufzuhübschen“ und umzudekorieren für ein paar Tage. Sondern er ist Mensch geworden, um die Welt zu retten.

Oder sagen wir genauer: Um uns zu retten.
Denn ob diese Welt noch zu retten ist, weiß ich nicht. Aber Menschen kann man noch retten. Sie und ich, wir sind doch hoffentlich noch zu retten.

Aber wie rettet man den Menschen? Mit Appellen und Vorschriften: Ihr müss docht! Ihr sollt doch! Wer Christ ist, der muß doch….noch mehr! Noch gläubiger! Noch frömmer!?

Mit noch höheren Anforderungen und noch mehr Leistung – wenn es sein muß mit Druck?

So versuchen es vielleicht unfähige Eltern und Pädagogen, die gar keine sind – mit wenig Erfolg. Menschen, die man zu etwas zwingt, denen man Gewalt antut, die macht man böse. Die werden aggressiv und unmenschlich.
Und deshalb macht Gotte es anders: Um den Menschen zu retten, wird er selbst ein Mensch.

Wie gesagt: kein „Zuchtmeister“, sondern ein Kind.  Keiner, der mit eisernem Besen kehrt, sondern der Worte der Liebe hat.
Ein Mensch, der voller Erbarmen ist. Voller Barmherzigkeit. Eine Barmherzigkeit, die aber die dunklen Stellen dieser Welt und unseres Lebens nicht einfach ein bisschen übertüncht, nach dem Motto: „Ist ja nicht so schlimm!“,  sondern die sie erlösen will. „Ich mache Euch heil“, so sagt er. Ich mache alles wieder gut, weil ich euch liebe.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Gott kommt als Retter. Als Heiland! Und deshalb hat er so viel zu tun.
Dort wo wir Dunkelheit sind, da will er Licht sein.
Wo wir voller Bosheit sind, da ist er voller Liebe.
Wo wir gnadenlos sind, da ist er voller Barmherzigkeit.

Und wo wir meinen, wir brauchen doch gar keinen Retter, da lässt er uns trotzdem nicht fallen, sondern da geht und läuft er uns nach – so lange, bis wir uns von ihm finden lassen.

Und selbst wo wir ihn ans Kreuz schlagen, da kann er immer noch sagen:
Herr, rechne ihnen das nicht an! Denn sie haben mich noch nicht erkannt. Denn wenn sie mich erkannt hätten, dann würden sie mich doch lieben.

Ja, Gott kommt in unsere Welt hinein, mitten hinein in die Schlagzeilen von Krieg, Unmenschlichkeiten und Leid – um hier Heil zu bringen, Vergebung und neue Anfänge.
Und um auch uns zu neuen Menschen zu machen.

Liebe Schwestern und Brüder,
Menschen, die Gott in seiner Barmherzigkeit an sich heranlassen können, die können selbst zu barmherzigen Menschen werden.
Menschen, die Vergebung erfahren haben, die können selbst auch anderen vergeben.

Und Menschen, die am eigenen Leib erfahren haben, wie gut es ist, dass es einen Retter gibt, diesen Retter, die können selbst zu Rettern werden - für andere.
 

Das ist das Geschenk von Weihnachten: Die Barmherzigkeit Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist.

Und Weihnachten wird bei uns, wenn wir dieses Geschenk annehmen,

wenn wir uns diese Barmherzigkeit Gottes schenken und –im wahrsten Sinne des Wortes- gefallen lassen --- damit auch wir barmherzig werden….. wenn wir zu Menschen werden, die das weiterschenken, was sie selbst als Geschenk empfangen haben.

Und wenn Menschen sich verändern lassen, wenn Menschen sich retten lassen, dann verändert sich auch unsere Welt – und dann ist auch diese Welt zu retten.

Christ, der Retter ist da, so singen wir in diesen Tagen. 

Und das soll unser Glaubensbekenntnis sein: Dass einer gekommen ist, nicht um zu richten, sondern um zu retten; nicht um zu strafen, sondern um zu vergeben. Nicht um schon wieder Anforderungen an uns zu stellen, sondern um uns seine Barmherzigkeit zu schenken -- im Kind von Betlehem …. damit wir Menschen das Heil erfahren, Gottes Heil – und so selbst zu Ge-heiligten werden, zu Menschen seiner Gnade.  

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch